Rückkehr der Volatilität Den jüngsten Markteinbruch finden nicht alle Investoren schlecht

Investoren streiten, wie lange der Ausverkauf an den Aktienmärkten anhält. Sicher scheint nur: Die Tage der sedierten Märkte sind vorbei.
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Viele Investoren glauben, dass die Volatilität nachhaltig an die Börsen zurückgekehrt ist. Das birgt auch Chancen. Quelle: dpa
Ein Börsenhändler beobachtet den Dax

Viele Investoren glauben, dass die Volatilität nachhaltig an die Börsen zurückgekehrt ist. Das birgt auch Chancen.

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DüsseldorfDer jüngste Markteinbruch wird nicht von allen Investoren bedauert. „Für aktiv agierende Aktieninvestoren bringt er Chancen, keine Angst“, sagt zum Beispiel der Leiter für den Bereich Japanische Aktien bei UBS Wealth Management, Toru Ibayashi. Die Verluste auf den globalen Märkten seien ein Zeichen dafür, dass die Märkte sich wieder normalisierten. „Die Zentralbanken ziehen sich zurück und die Märkte müssen wieder auf eigenen Füßen stehen“, sagt Ibayashi. Und da gehörten stärkere Kursschwankungen nun mal dazu.

Ibayashi kennt den japanischen Aktienmarkt genau. Dieser war einst so turbulent, dass er oft mit Schwellenländern verglichen wurde. Aber seit der globalen Finanzkrise wurde er viel stabiler. Die Bewertungen im Topix-Index glichen oft denen im US-Leitindex S&P. So stieg und fiel der Topix 2017 an nur vier Tagen um mehr als zwei Prozent. 2007 gab es solche Schwankungen noch an 24 Tagen.

Der zurückgekehrte „Hoch-Volatilitäts-Markt“ wird bleiben, sagt Ibayashi. Eine mögliche Straffung der Geldpolitik durch die Federal Reserve und die Bank of Japan könnte ein Auslöser für weitere Turbulenzen sein. „Investoren sollten sich darauf vorbereiten und sich ergebende Chancen nutzen.“

Bei der französischen Amundi Asset Management wird das weitgehend ähnlich gesehen. Monica Defend, Strategie-Leiterin für Italien bei dem Vermögensverwalter, sagt, sie habe keine Illusionen, dass die wilden Marktschwankungen wieder aufhören werden. Es sei „eine Rückkehr aus den gedrückten Niveaus, die wir in den letzten Jahren erlebt haben.“ Viele Zentralbanken hatten im Zuge der globalen Finanzkrise die Zinsen dauerhaft niedrig gehalten, um anfällige Märkte und Volkswirtschaften zu stabilisieren. „Zwar werden wir mit Aktieninvestments vorerst vorsichtig bleiben“, sagt Defend. „Aber wir sind bereit, aktiv auch die Chancen zu nutzen, die diese Welle der Volatilität mit sich bringen könnte.“

Ibayashi von UBS macht keinen Hehl aus seiner Abneigung dagegen, wie sich die Märkte im vergangenen Jahr entwickelten. Vor allem die unüblichen Anlagestrategien, die wegen der geringen Kursschwankungen in den Vordergrund traten, lehnt er ab. Er betont Wetten gegen die Volatilität. Einige Finanzinstitute, die solche Produkte im Angebot hatten, haben sie kürzlich mit horrenden Verlusten verkauft.

Und auch passiv gemanagte Aktienfonds haben zum Ärgernis vieler Banker in den vergangenen Jahren enormen Zulauf gefunden. Sie bilden zu relativ geringen Gebühren Aktienindizes nach, ohne dass dazu ein Banker nötig wäre. Erst im Januar erreichte die Summe an Geld, die weltweit in den sogenannten ETFs steckt, einen neuen Rekord. Schwanken die Indizes wieder stärker, könnten auch ETF-Anleger vorsichtig werden und stärker den Rat von Bankern suchen.

Deswegen sehen sowohl die UBS als auch State Street Global Advisors vor allem in Aktien von Banken und anderen Finanzdienstleistern nach den jüngsten Kurseinbrüchen Chancen auf Profit. Auch diese Aktien waren zuletzt zwar im Wert gesunken. „Sie sollten aber langfristig gesehen von einem steigenden Zinsumfeld profitieren“, betont Lori Heinel von State Street Global Advisors.

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