Rückversicherer im Visier: Investieren trotz Katastrophen-Schwemme

Rückversicherer im Visier
Investieren trotz Katastrophen-Schwemme

Die Krise in Japan wird die Rückversicherer Milliarden kosten und erschöpft die Budgets. Dabei ist das Jahr noch jung und die Hurrikansaison kommt erst noch. Lohnt es sich trotzdem in die Branche zu investieren?
  • 0

Frankfurt Die Rückversicherer wissen derzeit nicht, ob ihr Glas halb leer oder halb voll ist. Sie haben da das gleiche Problem wie Anleger, die sich fragen: Lohnt es sich, nach den zahlreichen schlechten Nachrichten zu kaufen? Oder sollten Investoren lieber weiter die Finger von einer Branche lassen, die zwar gute Dividenden zahlt, aber auch immer wieder harte Jahre verkraften muss?

Klar ist bereits nach den zahlreichen Katastrophen in Australien, Neuseeland und Japan: Dieses Jahr wird vermutlich ein ganz schlimmes Jahr. Doch schon 2012 ist Besserung in Sicht, denn solch ein Bündel von verheerenden Großereignissen hatte für die Branche schon immer auch ihr Gutes: Sie haben endlich ein schlagkräftiges Argument, um die seit Jahren sinkenden Preise wieder hoch zu treiben.

Die Hurrikansaison kommt noch

Doch das ist noch Zukunftsmusik und hängt stark vom Verhandlungsgeschick der Manager mit ihren Kollegen aus der Erstversicherung ab. Die Verlängerung vieler Verträge in Japan zum 1. April wird da ein erster Test sein und zeigen, ob aus dem Wunsch eine Tatsache wird.

Noch sieht die Realität dagegen für die meisten Rückversicherer extrem düster aus. Im ersten Quartal dürften Verluste bei den 40 weltweit tätigen Katastrophenspezialisten die Regel werden. Wie es dann im Gesamtjahr aussieht, wird auch vom Ausgang der Hurrikansaison über dem Atlantik abhängen.

Exemplarisch zeigt sich die Malaise der Branche am Primus Munich Re. Der weltweit größte Rückversicherer gab am Dienstag bekannt, dass das Unternehmen wegen des Bebens und des Tsunamis in Japan wahrscheinlich 1,5 Milliarden Euro zahlen muss. Zusammen mit den Lasten in Australien und Neuseeland kosten Naturkatastrophen die Münchner bereits 2,5 Milliarden Euro in diesem Jahr. Erwartet werden im Schnitt aber nur eine Milliarde Euro. Kein Wunder also, dass das Management das Gewinnziel von 2,4 Milliarden Euro gleich kassierte und auch das neue Aktienrückkaufprogramm ab April 2011 im Volumen von 500 Millionen Euro vorerst nicht beginnen will.

Analysten reagierten gleichwohl gefasst auf die Schreckensnachrichten. Ihre grundsätzlich gute oder schlechte Meinung zu den Versicherern änderten nur wenige. Fast alle senkten jedoch Schritt für Schritt ihre Gewinnprognosen für das laufende Jahr. Die Analysten von JP Morgan erwarten nun, dass ihre Zunft im Schnitt wohl nur noch eine Milliarde Euro Reingewinn für Munich Re vorhersagen werde. Eher optimistisch ist da zum Beispiel noch Roland Pfänder von der Commerzbank, der noch 1,2 Milliarden Euro erwartet, „zukaufen“ empfiehlt und für die Aktie ein Kursziel von 117 Euro ausgibt. Wie unterschiedlich die Analysten bewerten, zeigt ein Vergleich mit Michael Haid von Cheuvreux. Bei gleicher Gewinnprognose sieht er die Aktie „unterdurchschnittlich“, nennt aber ein Kursziel von 125 Euro. Gestern kostete das Papier 109 Euro.

Seite 1:

Investieren trotz Katastrophen-Schwemme

Seite 2:

Gute Dividenden sollen bleiben

Kommentare zu " Rückversicherer im Visier: Investieren trotz Katastrophen-Schwemme"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%