Rückzüge vom Parkett häufiger als Neuemissionen
Börsengänge sind nicht mehr gefragt

Die Erwartungen waren hoch: Nach null Börsengängen im vergangenen Jahr sollten 2004 gleich ein paar Dutzend Unternehmen den Sprung aufs Parkett wagen. Doch bisher riskierten nur ganze fünf diesen Schritt. Um so größer ist die Zahl der Firmen, die sich von der Börse zurückzogen.

HB FRANKFURT/M. In diesem Jahr gab es nach Angaben der Deutschen Börse 40 solche Fälle nach bereits 62 im Vorjahr. Die Gründe sind unterschiedlich: Ausländische Unternehmen halten eine Börsennotierung in Deutschland für überflüssig, alte oder neue Eigentümer einer Firma entscheiden sich für den Ausschluss von Minderheitsaktionären oder aber das Unternehmen geht schlicht pleite.

Für eine wahre Flut von Börsenrückzügen sorgt die Anfang 2002 verabschiedete „Squeeze-Out-Regelung“. Besitzt ein Großaktionär mehr als 95 % der Aktien, darf er die verbliebenen Kleinaktionäre gegen eine Barabfindung aus dem Unternehmen „herauspressen“ - so die wörtliche Übersetzung des englischen Fachbegriffs. Anschließend ist auch die Börsennotierung hinfällig, denn die Aktien sind nicht mehr frei handelbar.

Eine Reihe traditionsreicher Aktiengesellschaften hat auf diese Weise das Börsenparkett verlassen. Zum Beispiel der Heizungsbauer Buderus und der Schuhhersteller Salamander, bei denen die Eigentümer Bosch beziehungsweise Energie Baden-Württemberg (EnBW) sich für ein Squeeze-Out entschieden. Nur in Ausnahmefällen bleibt trotz der vereinfachten Ausschlussmöglichkeit alles beim Alten: Der Autohersteller Audi etwa ist immer noch börsennotiert, obwohl der Mutterkonzern Volkswagen rund 99 % der Aktien hält. Das Kürzel NSU der Audi-Aktie reicht weit in die Geschichte zurück: Es ist der der Name eines Vorgängerunternehmens, bekannt für Motorräder und den legendären Ro 80.

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