Scharfe Negativreaktion zeigte bislang nur der Wechselkurs des Dollars
Börsianer freuen sich auf Bushs zweite Amtszeit

Professionelle Investoren haben nach der US-Präsidentschaftswahl vor zwei Wochen neues Vertrauen in die amerikanischen Aktienmärkte gefasst. Das zeigt auch der Anstieg der Kursbarometer seit der Wiederwahl des konservativen Amtsinhabers George W. Bush.

NEW YORK. Fondsmanager setzen zudem wieder stärker auf Aktien statt auf Anleihen. „Damit drücken die Profis Optimismus für die Börsen und eine insgesamt leicht erhöhte Risikobereitschaft aus“, sagt Chef-Aktienanalyst Peter Sullivan von State Street Global Markets. Die Analysten der weltgrößten Depotbank beobachten die Umschichtungen der Anlagesumme von neun Billionen Dollar, die in ihren Depots steckt. Zuletzt haben die Investoren den Aktienanteil ihrer Portefeuilles erhöht.

Die meisten Anleger bauen darauf, dass die Weltwirtschaft unter der neuen, alten US-Regierung ihren Expansionskurs fortsetzt – wenn auch mit gedrosseltem Tempo. So erwarten die Volkswirte für 2005 ein langsameres Wirtschaftswachstum als in diesem Jahr. Auch das Gewinnwachstum der Unternehmen dürfte weltweit nachlassen, schätzt Anlagestratege Dhaval Joshi von der französischen Großbank Société Générale.

Doch solche Dämpfer müssen die Aktienkurse nicht unbedingt belasten. Denn viele Investoren haben sie bereits einkalkuliert. „Die Anleger haben sich in der ersten Jahreshälfte auf ein schwierigeres Konjunkturumfeld vorbereitet“, sagt State-Street-Experte Sullivan. Bis zum Sommer setzten Fondsmanager noch stärker auf Anleihen und auf Aktien von Tabak- und Nahrungsmittelherstellern. Damit flüchteten sie in Anlageformen, die als sicherer Hafen in Krisenzeiten gelten.

Der jüngste positive Stimmungsumschwung – mit ausgelöst durch den Wahlsieg des als wirtschaftsfreundlich geltenden Bush – startete daher von einer niedrigen Ausgangsbasis, wie Sullivan betont. Der Optimismus ist noch gedämpft – dies erklärt auch, warum die US-Anleihemärkte sich seit dem Bush-Wahlsieg stabil halten. Die vergleichsweise sicheren Zinspapiere stehen bei vorsichtigen Anlegern weiterhin hoch im Kurs. Manche Experten hatten stattdessen fallende Anleihekurse bei einer Wiederwahl Bushs erwartet. Denn unter dem konservativen Präsidenten rutschte der US-Staatshaushalt von einem Überschuss in ein Defizit von fast fünf Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Dahinter stecken Steuersenkungen und die Kosten des Irakkriegs. Beides bedeutet einen starken Anstieg der US-Schuldenlast. Doch das steigende Angebot von US-Staatsanleihen trifft auf eine hohe Nachfrage von asiatischen Zentralbanken und privaten Investoren. Deren scheinbar unbegrenzte Kaufbereitschaft hält die Kurse bislang stabil.

Seite 1:

Börsianer freuen sich auf Bushs zweite Amtszeit

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%