Schnäppchenmarkt
Experten empfehlen Private Equity

In Hinsicht auf die Private Equity Branche ist das Misstrauen der Anleger nach der Krise immer noch groß. Gerade jetzt wäre allerdings ein Einstieg günstig wie nie - und der Aufwärtstrend der Gesellschaften könnte anhalten.
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FRANKFURT. Nach dem Lehman-Kollaps vor zwei Jahren wurde kaum eine Anlageklasse so gebeutelt wie Private Equity. Noch immer ist die Zurückhaltung der Anleger gegenüber börsennotierten Beteiligungsgesellschaften groß – das gilt selbst bei Schwergewichten wie 3i, Eurazeo oder Onex. Dabei legt zumindest die historische Erfahrung nahe, dass gerade jetzt eine gute Gelegenheit für den Einstieg wäre. Denn gemessen am Wert der Beteiligungsportfolios (Net Asset Value, NAV) notieren fast alle Gesellschaften zum Schnäppchenpreis an der Börse.

„Wir sprechen über eine sehr gute Investitionsgelegenheit“, sagt Wilken von Hodenberg, Chef des auf Mittelständler spezialisierten Finanzinvestors Deutsche Beteiligungsgesellschaft (DBAG). Die Erfahrung zeige, dass Private Equity langfristig gesehen die klassischen Aktienmärkte um acht bis zehn Prozentpunkte schlage. „Dann kann man jetzt mit einem Einstieg kaum etwas falsch machen.“

Der Blick auf die Vergangenheit bestätigt dies. So hat der Schweizer Index-Spezialist LPX-Group für die Jahre 1993 bis 2005 errechnet: Wenn börsennotierte Beteiligungsgesellschaften zu Jahresende mit einem Abschlag (Discount) unter dem NAV gehandelt werden, hat ihre Kursentwicklung in mehr als drei Viertel der Fälle in den kommenden Jahren besser als ein globales Aktienportfolio abgeschnitten.

Ende 2009 lag der Discount bei LPX zufolge bei rund 16 Prozent, zuletzt sogar bei mehr als 20 Prozent. Umgekehrt entwickelten sich die Aktienkurse börsennotierter Private-Equity-Gesellschaften. Sie legten in den vergangenen zwölf Monaten im Schnitt um rund 30 Prozent zu. Ein Trend, der weiter gehen dürfte: Denn rückblickend zeigt sich, dass viele Unternehmen, an denen Finanzinvestoren beteiligt sind, die Krise besser als erwartet überstanden haben. Und nun Stück für Stück zu alter Stärke finden – was ihre und die Bewertung der Private-Equity-Fonds selbst steigen lässt.

Börsennotierte Beteiligungsfonds sind nach wie vor die Ausnahme in einer Branche, die sich vorwiegend auf institutionelle Anleger konzentriert. Vorherrschend ist in der Regel das Prinzip geschlossener Fonds, ein Zugang ist oft nur mit Engagements in Millionenhöhe möglich.

Folglich sind die gelisteten Gesellschaften fast der einzige Weg für Privatanleger, in Private Equity zu investieren. Rund um den Globus gibt er gut 125 dieser Firmen – was einer Versechsfachung innerhalb der vergangenen 15 Jahre entspricht. Hierzulande fallen darunter neben der DBAG auch Häuser wie Heliad Equity Partners oder die auf Restrukturierungsfälle spezialisierte Aurelius AG.

Allerdings: Privatanleger müssen Geduld mitbringen – andernfalls sollte man die Anlageklasse gleich abhaken. „Die hohe Volatilität von Private-Equity-Aktien ist unbestritten“, stellt DBAG-Manager von Hodenberg klar. „Wer in Private Equity investiert, darf nicht kurzfristig orientiert sein.“

Hans G. Nagl
Hans G. Nagl
Handelsblatt / Senior Financial Correspondent

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