Schub durch Steuererleichterungen
Neue Hoffnung für den Dax

Die Entscheidung der Bundesregierung zum Vorziehen der dritten Steuerreformstufe und das Ende der Metaller-Streiks in Ostdeutschland dürften nach Einschätzung von Börsianern die deutschen Aktienmärkte in dieser Woche weiter antreiben.

Reuters FRANKFURT. „Das könnte dem Aktienmarkt, der ohnehin von der Hoffnung lebt, einen weiteren Schub geben. Vielleicht schaffen wir die Konjunkturerholung, auf die alle warten, im zweiten Quartal wirklich“, sagte Giuseppe Amato, Marktanalyst beim Broker Lang & Schwarz, am Sonntag.

Die Bundesregierung will die dritte Stufe der Steuerreform um ein Jahr auf 2004 vorziehen und damit einen Wachstumsimpuls auslösen. Bundeskanzler Gerhard Schröder hatte am Sonntag gesagt, das Vorziehen der Steuerentlastungen stütze die Binnennachfrage. Zehn Prozent weniger Einkommensteuer für die Bürger bedeuteten zehn Prozent mehr für den Konsum. Allein das Entlastungsvolumen der dritten Steuerreformstufe wurde von der Regierung bislang auf 18 Mrd. € geschätzt.

Der Deutsche Aktienindex war am Freitag mit 3224 Punkten aus dem Handel gegangen und hatte damit seit dem Tiefstand im März angetrieben von der Hoffnung auf eine Konjunkturerholung in Deutschland mehr als 1000 Punkte hinzugewonnen.

„Ich bin tendenziell optimistisch für den Markt, weil wir weiter freundliche Konjunkturdaten aus den USA und Deutschland erwarten“, sagte der Aktienstratege Stefan Mitropoulos von der Bankgesellschaft Berlin. Der in der vergangenen Woche besser als erwartet ausgefallene Ifo-Geschäftklimaindex spreche tatsächlich für eine Besserung der konjunkturellen Lage im zweiten Halbjahr.

Börsianer warnen vor zu großer Euphorie

Börsianer stuften die Entscheidung insgesamt positiv ein, warnten jedoch angesichts der noch ausstehenden Zustimmung des von der Opposition dominierten Bundesrates und der möglichen Zurückhaltung der Bürger vor zu großer Euphorie. Führende Oppositionspolitiker hatten zuletzt ihre Skepsis an dem Vorhaben bekräftigt.

„Die Frage ist doch, geben die Leute das zusätzliche Geld auch aus oder nicht. Wer Furcht vor dem Verlust des Arbeitsplatzes hat, könnte auch zum Angstsparen neigen und dann hat die Wirtschaft sehr wenig davon“, sagte Amato. Der deutsche Einzelhandel äußerte sich indes optimistisch. „Wir versprechen uns davon einen kräftigen Impuls für den Konsum“, sagte der Sprecher des Hauptverbandes des Deutschen Einzelhandels (HDE), Hubertus Pellengahr. Wie stark dieser Impuls ausfalle, hänge aber von der tatsächlichen Nettoentlastung für die Bürger ab.

Zeichen für Reformwillen

Die Entscheidung wird insgesamt auch als Signal an die Kapitalmärkte verstanden, dass die Bundesregierung die notwendigen Strukturreformen offenbar angeht. „Der deutsche Reformprozess gewinnt wieder an Momentum - das Feedback der Angelsachsen in den letzten Wochen sieht danach aus, als ob der internationale Value Investor nach Deutschland zurückkommen kann“, hatte Rolf Elgeti, in London ansässiger Aktienstratege der Commerzbank, zuletzt in einer Studie zu den Auswirkungen des Reformprozesses geschrieben. In den vergangenen Monaten hatten sich internationale Großanleger nach Einschätzung von Börsianern wegen des ihrer Meinung nach schleppenden Reformprozesses mit Engagements in Deutschland zurückgehalten.

Streik-Ende könnte Auto-Titeln helfen

Das Ende der Streiks bei ostdeutschen Automobilzulieferern, die wegen Produktionsausfällen die Kurse deutscher Fahrzeughersteller gedrückt hatten, könnte die Automobilwerte am Montag beflügeln. „Ein Ende der Streiks und die jüngste Währungsentwicklung dürften den Autowerten helfen. Die Frage wird nur sein, wie es mit den Verhandlungen zu den Haustarifverträgen laufen werden. Wenn dadurch Unruhe in die Betriebe kommt, könnte das alles wieder von vorne losgehen“, sagte Amato. Die vom Streik betroffenen Autokonzerne im Westen richten sich jedenfalls darauf ein, ihre Produktion in der kommenden Woche wieder aufzunehmen. Das formale Ende der als gescheitert bezeichneten Streiks wollte der IG Metall-Vorstand am Sonntagnachmittag beschließen.

Die Papiere der deutschen Fahrzeughersteller profitieren aber weiter auch vom fallenden Euro. Hatte der Höhenflug der Gemeinschaftswährung bis Ende Mai auf 1,1932 Dollar die Exporte auf den wichtigsten Absatzmarkt in den USA verteuert, entlastet der rückläufige Euro die Konzerne wieder. Zuletzt notierte er bei 1,1426 Dollar.

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