Schuldenkrise
Unicredit-Aktien stürzen ab

Die Aktien der Unicredit sind das erste Opfer der akuten Schuldensorgen um Italien. An der Mailänder Börse schlug das Papier in beide Richtungen stark aus, zeitweise wurde es nach hohen Verlusten vom Handel ausgesetzt.
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DüsseldorfWährend in Italien das Problem der hohen Staatsschulden Wellen schlägt, ist um die Aktien des größten italienischen Bankhauses Unicredit schon der Sturm ausgebrochen: Die Kursausschläge waren sogar so groß, dass der Handel zeitweise ausgesetzt wurde. An der Mailänder Börse sackten Unicredit-Papiere zunächst um 3,6 Prozent ab, zogen dann aber wieder um 3,4 Prozent auf 1,27 Euro an. Am Abend dann stand das Papier bei 1,14 Euro und einem saftigen Minus von 8,8 Prozent. Am vergangenen Freitag waren die Aktien der größten Bank des Landes bereits um acht Prozent eingebrochen. Die Aktien notieren damit auf dem tiefsten Stand seit Mitte 2009.

Intesa Sanpaolo, Italiens größte Privatkundenbank, legte eine ebenso steile Talfahrt hin und schreibt derzeit ein Minus von 7,8 Prozent. Anleger fürchten vor allem, dass Italien in den Sog der europäischen Schuldenkrise geraten könnte. Italien ist hochverschuldet: Es sitzt auf einem Schuldenberg von rund 120 Prozent des jährlichen Bruttoinlandsproduktes - der Zielwert in der EU ist 60 Prozent. Dabei ist Italien die drittgrößte Volkswirtschaft der Eurozone. Griechenland, Irland und Portugal sahen sich bereits gezwungen, Hilfszahlungen der EU anzunehmen, um ihren Haushalt zu sanieren.

Auf dem Aktienkurs der Unicredit lasten außerdem noch Unsicherheiten um Libyen. Das Land hält 7,5 Prozent an der Bank, allerdings sind diese Aktien aufgrund internationaler Sanktionen gegen Muammar Gaddafi derzeit eingefroren. Die libysche Zentralbank hält mit fünf Prozent den größten Teil dieser Aktien. Unicredit-Chef Federico Ghizzoni bekundete heute in einem Interview Interesse, die Anteile zurückzukaufen.

Heute traten zudem die verschärften Vorschriften für Leerverkäufe der Börsenaufsichtsbehörde Consob in Kraft, die zunächst bis zum 9. September gelten. Sie verpflichten Händler, der Consob Geschäfte zu melden, die in größerem Umfang auf fallende Kurse italienischer Aktien wetten. "Diese Welle von heftigen Spekulationen nimmt Italien zu einem Zeitpunkt ins Visier, da es Zweifel über seine Haushaltsziele gibt", erklärt Marco Valli, Ökonom bei der Unicredit.

Und auch damit endet die Liste der Risiken für Unicredit noch nicht: Sie ist die einzige italienische Großbank, die in den vergangenen Monaten keine Kapitalerhöhung durchgeführt hat. Dadurch leidet das Institut stärker als andere Banken unter den Erwartungen, dass wohl bald eine höhere Kapitalbasis notwendig wird. Im Laufe dieser Woche veröffentlicht die EU die Ergebnisse ihrer Banken-Stresstests.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
Annika Reinert
Annika Williamson
Handelsblatt / Freie Mitarbeiterin

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