Schutz vor Schadenersatz
Ohne Risiko aufs Parkett

Angespornt von der guten Konjunktur zieht es derzeit viele Firmen an die Börse – sei es zum ersten Mal oder wegen einer Kapitalerhöhung. Dabei vertrauen seit 2006 immer mehr Unternehmen auf eine IPO-Versicherung. Damit können sie sich gegen Schadenersatzansprüche von Aktionären versichern.

DÜSSELDORF. Eine IPO-Versicherung sichert die mit einem Börsengang (Initial Public Offering, kurz IPO) verbundenen Risiken ab, etwa Schadenersatzklagen von enttäuschten Aktionären. In diesem Jahr haben schon 22 Unternehmen den Schritt aufs Parkett gewagt; 2006 waren es laut dem Finanzportal Onvista insgesamt 73. Gleichzeitig haben neue Gesetze wie das Kapitalanleger-Musterverfahrensgesetz die Rechte der Anleger und deren Klagemöglichkeiten gestärkt. Prominentestes Beispiel sind rund 17 000 anhängige Klagen von T-Aktionären auf Ersatz erlittener Kursverluste gegen die Deutsche Telekom.

„Ein kleiner Fehler im Wertpapierprospekt, ein unvollständiger Jahresabschluss oder eine unachtsame Aussage des Vorstands im Analystenkreis können weit reichende Konsequenzen haben“, warnt Klaus-Dieter Zühr, Geschäftsführer der Gossler, Gobert & Wolters Gruppe, eines Industrieversicherungsmaklers, der vorwiegend mittelständische Unternehmen bei Neuemissionen berät. Die IPO-Police sichert Emittenten samt Geschäftsführung gegen fahrlässig fehlerhafte Handlungen, Äußerungen oder Entscheidungen rund um den Börsengang ab.

„Gerade von mittelständischen Unternehmen werden die Risiken häufig unterschätzt“, sagt Zühr. Die Deutsche Prüfstelle für Rechnungslegung (DPR) hat ähnliche Erfahrungen gemacht. Die so genannte Börsenpolizei hat 2006 die Jahresabschlüsse von 109 Unternehmen geprüft und davon in 19 Fällen erhebliche Mängel beanstandet. „Bei der Beurteilung der Fehlerquote ist zu berücksichtigen, dass die Fälle überwiegend kleine und mittelgroße Unternehmen betreffen“, heißt es im Tätigkeitsbericht der Prüfstelle.

Großkonzerne sind demnach zwar zuverlässiger, aber trotzdem vorsichtig: „Heutzutage wird kein Börsengang mehr ohne IPO-Deckung gewagt“, verrät der Versicherungsexperte eines großen Dax-Konzerns dem Handelsblatt. Das Risiko, dass „ein Vorstand sich bei der Roadshow verplappert“, ist seiner Meinung nach größer als das Risiko aus der Prospekthaftung. Der Prospekt werde heute ohnehin so oft geprüft, dass kaum noch was Relevantes darin stehe. Offiziell mag er sich zu dem Thema allerdings nicht äußern.

Die Betroffenen reden generell nicht über den Abschluss einer IPO-Versicherung, weil sie keine Begehrlichkeiten wecken wollen. Eine Mauer des Schweigens umgibt daher diese Police – ähnlich wie bei der Manager-Haftpflichtversicherung (D&O). Die steht der IPO-Versicherung auch sonst sehr nahe, klammert aber ausgerechnet die Haftung für Wertpapieremissionen weit gehend aus.

Wegen der Verschwiegenheit sind weder das IPO–Beitragsaufkommen bekannt noch Schadenquoten. Anbieter gibt es zudem nur eine Hand voll. Den meisten ist das Parkett zu heiß. Vorreiter auf dem Gebiet der IPO-Versicherung sind die amerikanischen D&O-Versicherer gewesen, allen voran Weltmarktführer AIG, gefolgt von Ace, Chubb und seit einem Jahr der Allianz. Neuerdings beteiligen sich auch Newcomer, wie QBE, Dual oder Liberty an solchen Verträgen.

„Eine IPO-Police ist kein Schnäppchen“, weiß Makler Zühr. Die Preise variieren zwischen 0,75 und 1,35 Prozent der Deckungssumme, die je nach Emissionsvolumen zwischen fünf Mill. und 50 Mill. Euro liegt. „Doch der Wettbewerb zwischen den Versicherern hat den Markt in Bewegung gebracht und wird die Preise langfristig sinken lassen.“

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