Schwacher Inlandsabsatz, hoher Ölpreis und drohende Zinserhöhung durch die Fed belasten
Die Aussichten für die Ford-Aktie verdunkeln sich

Bei Ford dämpfen die Verkaufszahlen die Euphorie über gute Verkaufszahlen. Von einem realtiv starken Absatzrückgang im April wurden Experten und Investoren gleichermaßen überrascht.

HOUSTON. Als der US-Autokonzern Ford Mitte April grandiose Quartalszahlen vorlegte, gerieten die Anleger schier aus dem Häuschen. Eine Verdoppelung des Gewinns im ersten Jahresviertel, ließen den Kurs um über 20 Prozent steigen. Endlich, so die Hoffnung der Börsianer, beginnt sich das radikale Sanierungsprogramm auszuzahlen. Mit umfangreichen Kürzungsmaßnahmen in allen Ford-Abteilungen, schätzt Michael Bruynesteyn von Prudential, wird der Konzern allein in diesem Jahr zwei Mrd.$ einsparen.

Doch die Freude währte nicht lange: Schon wenige Tage später dämpften die monatlichen Verkaufszahlen die Euphorie. Die Nachricht, dass der Absatz im April stärker als erwartet um fast 5 % zurückging, überraschte Experten und Investoren gleichermaßen. „Diese Zahlen sind enttäuschend, und sie treiben Fords Lagerbestände noch höher als sie vorher schon waren“, sagt Merrill-Lynch-Analyst John Casesa. Wie die meisten seiner Kollegen bewertet er die Aktie mit „Neutral“. Noch vor wenigen Monaten hatte die Mehrheit zum Verkauf geraten. Aber in den vergangenen Wochen stufte eine Reihe von Analysten ihre Urteile auf Halten hoch, darunter Lehman Brothers und Crédit Lyonnais. Ob dieser Trend jedoch Bestand hat, ist fraglich.

„Nach den Kurssteigerungen zu Jahresbeginn erkennen wir im Moment nicht mehr viel Aufwärtspotenzial“, sagt Michael Bruynesteyn, Analyst bei Prudential Equity Group. Dazu wächst bei den Analysten die Skepsis darüber, welche Umstände genau für das Plus gesorgt haben und ob sich die guten Zahlen beim nächsten Mal wiederholen lassen. „Wir machen uns Sorgen um die Vorhersagbarkeit der Bilanzen, denn dafür sind die Investoren normalerweise bereit zu zahlen“, erklärt Stephen Girsky von Morgan Stanley. „Bei Ford dagegen sind die Gewinne schwer einschätzbar. Es scheint kein Zusammenhang zu bestehen zwischen den Absatzzahlen und den Einnahmen.“

Aufgrund der nachlassenden Konsumlust der US-Bürger befürchten die Experten, dass sowohl Ford als auch Erzrivale General Motors in den kommenden Monaten bei ihren Rabatten und Verkaufsanreizen noch einen Gang hochschalten werden. „Die Nachfrage wird in diesem Jahr nur leicht steigen, und die Lagerbestände wachsen – das macht es schwierig, die Preise zu halten und verstärkt den Konkurrenzkampf zwischen den Anbietern“, sagt Stephen Girsky. John Casesa von Merrill Lynch rechnet damit, dass diese Beträge in den nächsten beiden Monaten branchenweit deutlich steigen – was den Gewinn unter dem Strich schmälern könnte.

Vor allem die steigenden Benzinpreise drücken den Verbrauchern auf die Laune. In der vergangenen Woche notierte bleifreies Benzin auf Rekordniveau von zwei Dollar je Gallone, das sind 53 Cent je Liter. Kein Wunder, dass in einer Studie des Marktforschers Harris Interactive fast 40 % der Befragten angaben, dass sie beim Kauf eines neuen Autos in Zukunft verstärkt auf den Benzinverbrauch achten wollen. Und nicht zuletzt lastet eine mögliche Zinserhöhung durch die US-Notenbank Fed auf den Autoaktien. Dies würde den schwächelnden Inlandsabsatz nochmals bremsen.

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