Schwaches Berkshire-Quartal
Buffett entzaubert

Warren Buffett hatte vorhergesagt, die Geschäfte laufen schlechter als bislang – aber so schlecht? Im zweiten Quartal des Jubiläumsjahres verhagelte insbesondere ein Geschätszweig Berkshire Hathaway die Bilanz.
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New YorkDas Versicherungsgeschäft macht Berkshire Hathaway zu schaffen. Die Einheit, zu der unter anderem der Autoversicherer Geico und der Rückversicherer BHRE gehört, rutschte in die roten Zahlen und verhagelte Berkshire-Chef Warren Buffett damit die Ergebnisse für das zweite Quartal. Der Nettogewinn fiel von April bis Juni um 37 Prozent auf 4,01 Milliarden Dollar. Der operative Gewinn lag zehn Prozent im Minus. Damit verfehlte der legendäre Investor deutlich die Erwartungen der Analysten, die mit einer Gewinnsteigerung gerechnet hatten.

Buffett, der in diesem Jahr sein 50. Jubiläum an der Spitze von Berkshire Hathaway feiert, hatte bereits auf der Hauptversammlung im Mai Turbulenzen bei der Rückversicherungssparte vorhergesehen. Das Geschäft werde in den nächsten zehn Jahren „nicht mehr so gut laufen wie in den letzten 30 Jahren“, sagte Buffett, der mit einem geschätzten Vermögen von 67 Milliarden Dollar der drittreichste Mann der Erde ist.

Das Geschäft, bei dem die Risiken anderer Versicherer übernommen werden, ist heiß umkämpft. Seit einigen Jahren drängen Pensionsfonds und Hedgefonds in den Markt und drücken auf die Preise. Der Chef der Rückversicherungssparte, Ajit Jain, hatte im Juli bereits angekündigt, sich künftig auch stärker in Sach- und Unfallversicherungen engagieren zu wollen. Jain ist der Cousin des ehemaligen Co-Chefs der Deutschen Bank, Anshu Jain.

Auch die Beteiligungen des 84-Jährigen liefen deutlich schwächer als im Vorjahresquartal, das Dank erfolgreicher Aktiengeschäfte besonders stark war. Die Erträge von April bis Juni beliefen sich auf 123 Millionen Dollar – ein Jahr zuvor waren es noch 2,06 Milliarden Dollar. Besonders die Aktie von American Express, eine von Buffetts größten Beteiligung, lief schwach und hat im ersten Halbjahr rund 15 Prozent verloren. Sie machte immerhin einen Sprung von knapp sieben Prozent am Freitag, nachdem bekannt wurde, dass der aktivistische Investor Value Act bei dem Kreditkartenunternehmen eingestiegen war. Das bescherte Berkshire ein Papiergewinn von über 700 Millionen Dollar.

Der Berkshire-Umsatz stieg um drei Prozent auf 51,4 Milliarden Dollar. Der Buchwert pro Aktie - Buffetts bevorzugte Art, den Wert des Unternehmens zu messen – legte seit Beginn des Jahres um 2,4 Prozent pro A-Klasse-Aktie zu.

Buffett, der für seinen langen Investitionshorizont bekannt ist und sich noch nie viel aus vierteljährlichen Ergebnissen gemacht hat, arbeitet unterdessen weiter an dem Ausbau seines Konglomerates. Der Investor aus Omaha im US-Bundesstaat Nebraska hat im März gemeinsam mit dem brasilianischen Private-Equity-Gesellschaft 3G den Lebensmittelkonzern Kraft übernommen und ihn mit dem Ketchup-Konzern Heinz fusioniert, der bereits seit 2013 zu seinem Konglomerat gehört. Buffett hält nun die Mehrheit an dem fusionierten Unternehmen. Die Beteiligung ist rund 26 Milliarden Dollar wert und damit mehr als doppelt so viel, wie er für die Übernahmen ausgegeben hat.

Auch in Deutschland sucht Buffett weiter nach Übernahmezielen. „Wir werden Deals in Deutschland abschließen“, hatte er im Mai im Gespräch mit dem Handelsblatt verkündet. Im Februar hatte er den Hamburger Motorradzubehör-Händler Louis gekauft und hofft nun, den „Deutschland-Code“ geknackt zu haben.

Buffett hat Berkshire in den vergangenen 50 Jahren von einem kleinen Textilunternehmen zu einem Konglomerat gemacht, zu dem rund 80 Mittelständler gehören, ebenso wie Aktienbeteiligungen, ein Eisenbahnkonzern und eine Energiesparte.

Die Aktie hat seit 1965 um beispiellose 1,8 Millionen Prozent zugelegt. Der breite Aktienindex S & P 500 der 500 größten US-Unternehmen stieg im gleichen Zeitraum lediglich um 11.000 Prozent.

Berkshire ist das viertgrößte börsennotierte Unternehmen mit einer Marktkapitalisierung von 354 Milliarden Dollar. Größer sind nur Apple, Google und Microsoft. Im Jubiläumsjahr sind die Berkshire-Aktionäre jedoch zurückhaltend. Die Papiere der Klasse A liegen seit Anfang Januar knapp fünf Prozent im Minus.

Astrid Dörner ist Korrespondentin in New York.
Astrid Dörner
Handelsblatt / Deskchefin Agenda

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