Schwaches Investment-Banking
Barclays-Aktie im Sinkflug

Schwacher Start in die Berichtsaison der britischen Banken: Barclays präsentiert enttäuschende Zahlen, der Gewinn liegt deutlich unter den Erwartungen. Die Aktie bricht ein und zieht andere Finanztitel mit in die Tiefe.
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FrankfurtEin schwaches Investment-Banking belastet die britische Bank Barclays und bremst die Gewinnerwartungen der Anleger aus. Die britische Großbank wies am Mittwoch einen Vorsteuergewinn von 1,7 Milliarden Pfund aus - neun Prozent weniger als vor einem Jahr. Der Markt hatte Barclays etwas mehr zugetraut und reagierte entsprechend enttäuscht: Die Barclays-Aktie verlor fast fünf Prozent auf 287 Pence und zog auch die übrigen Finanzwerte in Europa nach unten. Die Commerzbank-Aktie verlor in Frankfurt knapp drei Prozent, die Titel der Deutschen Bank notieren 0,2 Prozent schwächer.

Die Barclays-Aktie nimmt nach dem neuerlichen Rücksetzer Kurs auf das Zwölf-Monarts-Tief von 253 Pence. Zum Vergleich: Vor knapp einem Jahr lag der Kurs noch bei 360 Pence. Analysten hatten die Aktie in jüngster Zeit bereits zurückhaltend bewertet. Das japanische Analysehaus Nomura beließ die Einstufung für Barclays vor der Quartalsberichtsaison britischer Banken auf "neutral" mit einem Kursziel von 340,00 Pence. pitze um knapp fünf Prozent auf 287 Pence. Die Ertragsentwicklung der britischen Geldhäuser im ersten Quartal dürfte laut Nomura ein entscheidender Indikator für die Stimmung sein, da der Markt diesbezüglich eine vorsichtige Haltung eingenommen habe, schrieb Analyst Robert Law.

Ehrgeizige Renditeziele

Bei Barclays war die Vorsicht des Marktes angebracht. Der neue Barclays-Chef Bob Diamond sieht sein Institut allerdings trotz des schwächeren ersten Quartals auf Kurs. Er will die Bank, die ohne Staatshilfen durch die Finanzkrise kam, profitabler machen, ausgewählte Geschäftsbereiche abstoßen und peilt mittelfristig eine Rendite von 13 Prozent auf das Eigenkapital an. 2010 lag diese Kennzahl bei 7,2 Prozent, im ersten Quartal bei 8,1 Prozent. Allein in diesem Jahr will Diamond 500 Millionen Pfund einsparen.  

Sorgenkind bei Barclays bleibt aber das Investment-Banking. Zwar steuerte die Sparte Barclays Capital mit 1,3 Milliarden Pfund weiter den Löwenanteil zum Gewinn bei. Doch hier war der Rückgang mit 15 Prozent besonders groß. Vor allem der Handel mit Anleihen, Devisen und Rohstoffen konnte nicht mit dem starken Vorjahresquartal mithalten.

Damit zeigte sich bei Barclays ein ähnliches Bild wie zuletzt bei den US-Rivalen Goldman Sachs und Morgan Stanley. Die Eurokrise, die Unruhen in der arabischen Welt und die Katastrophen in Japan hatten die Kundenaktivitäten zu Jahresbeginn vielerorts gebremst.   

Lediglich Credit Suisse schlug am Mittwoch etwas positivere Töne an und begründete die Rückgänge im Investmentbanking vor allem mit dem schwachen Dollar. Ihre Marktanteile konnte die zweitgrößte Schweizer Bank nach eigenen Angaben erhöhen. Die Deutsche Bank legt ihre Quartalsbilanz am Donnerstag vor. Auch sie hängt maßgeblich am Tropf des Investmentbankings.  

Jens Hagen
Jens Hagen
Handelsblatt / Redakteur
Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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