Schweizer Unternehmen profitiert von steigendem Absatz an Flachbildschirmen
Chip-Aktie Micronas überzeugt Analysten

Die Halbleiterindustrie schöpft nach zweijähriger Rezession wieder Mut. Nach Intel und Samsung Electronics überraschte auch der Spezialchip-Hersteller Micronas Semiconductor mit guten Quartalszahlen.

DÜSSELDORF. In den ersten neun Monaten steigerte das Unternehmen, dessen Bauteile im Gegensatz zu Intel, Infineon und Co. hauptsächlich in hochwertigen TV-, Video- und Radiogeräten und nicht in Computern und Handys stecken , seinen Gewinn um über 40 Prozent auf 62 Mill. Franken. Die Umsätze stiegen um 5,3 Prozent auf 550 Mill. Schweizer Franken. Obwohl das TecDax-Unternehmen nur verhaltenen Optimismus verbreitet, stieg das Vertrauen in die an der Züricher Börse gelistete Aktie: Der Aktienkurs kletterte nach dem Quartalsbericht um über 15 Prozent und notierte gestern mit über 52 Schweizer Franken nur knapp unter dem Jahreshöchststand.

„Der Markt hat zwar schon reagiert und die Aktie ist kräftig gestiegen, wir bleiben aber positiv“, sagt WestLB-Analyst Wolfgang Fickus. Für das nächste Jahr sieht er Wachstumschancen vor allem im Fernsehbereich. „Die großen Sportereignisse wie die Olympischen Spiele in Athen und die Fußball-Europameisterschaft in Portugal werden die Nachfrage wie schon bei der Weltmeisterschaft in Japan und Korea deutlich steigen lassen“, erklärt Analyst Fickus. Für das nächste Jahr rechnen Experten daher mit einer Verdopplung der Verkaufszahlen von Flachbildschirmen mit LCD-Technik auf 3,4 Mill. Stück. Bis 2007 solle die Zahl sogar auf 25 Mill. steigen.

Laut einer Untersuchung der Consumer Electronic Association lägen Flachbildschirm-Fernseher in der Wunschliste der amerikanischen Verbraucher auf dem siebten Platz. Die vollen Auftragsbücher bei Micronas seien ein Indiz dafür, dass die Schweizer davon stark profitieren, meint Pictet-Analyst Barry Ehrlich. Und der Trend werde zumindest bis ins nächste Jahr anhalten. Ehrlich erhöhte sein Kursziel von 37 auf 58 Schweizer Franken.

Roger Steiner vom Bankhaus Julius Bär ist vorsichtiger: Er rechnet im Flatscreen-TV-Markt mit schärferem Wettbewerb. „Auch Firmen, die bislang nur Bauteile für Computer-Monitore herstellen, versuchen künftig hier mitzumischen.“ Ein Vorteil der Schweizer sei aber, dass sie stark im Audiobereich positioniert sind und auf einem Chip komplette Lösungen für Bild und Ton anbieten können. Denn Micronas gilt als Technologieführer: „Der Erfolg der Schweizer Firma baut auf einer intelligenten Produktentwicklung“, sagt Analyst Fickus. So „hat das Unternehmen beispielsweise einen Chip entwickelt, der bei Flachbildschirmen die Schattenbildung verringert.“

Zudem profitiere der Spezialchip-Hersteller vom Aufbau des digitalen Fernsehnetzes. So entwarf die Schweizer Firma das Referenzdesign für Decoder für den stark wachsenden digitalen Fernsehmarkt in Großbritannien. Und weil analog empfangbares Free-TV auch in anderen europäischen Ländern ausstirbt, „wird sich dieses Produkt mittelfristig durchsetzen“, glaubt Fickus. „Da der Trend zum digitalen Fernsehen erst am Anfang ist, stehen dem Unternehmen wahrscheinlich zwei bis drei gute Jahre bevor“, meint auch Viktor Dammann von der Bank Vontobel.

Den fairen Wert sieht er bei reiner Cash-Flow-Betrachtung zwar nur bei 50 Schweizer Franken, hält Micronas aber im Vergleich zum Sektor für „sehr günstig“: „Der Peer-Gruppen-Vergleich legt eine Bewertung von 65 bis 67 Franken nahe.“ Dammann hat die Gewinnerwartung je Aktie nach den jüngsten Quartalszahlen um 26,7 % auf 2,27 Franken erhöht. Auch Zukäufe von Unternehmen hält er nicht für ausgeschlossen. „Bis Ende 2003 sollte die Nettoverschuldung auf null absinken. Vorerst dürfte daraus jährlich ein freier Cash-Flow von rund 100 Mill. Franken resultieren. Geld, das bei Gelegenheit eher investiert, denn als Dividende ausbezahlt wird“, sagt Dammann.

Roger Steiner vom Bankhaus Julius Bär glaubt trotz der guten Quartalszahlen nicht, dass Micronas jedes Jahr um 10 Prozent wachsen könne. Risiken sieht er vor allem in Wechselkursschwankungen. „Die Hauptabnehmer sitzen in Korea und Japan und verhandeln in Dollar“, sagt Steiner. Und bislang habe Micronas die Währungsrisiken kaum abgesichert. Steiner stuft das Unternehmen mit „halten“ ein, sieht aber für den Aktienpreis noch „ein wenig Spielraum nach oben“.

Insgesamt empfehlen laut der Agentur Bloomberg 17 von 25 Analysten die Aktie zum Kauf.

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