Schwere Zeiten
Konsumbranche: Anleger brauchen Geduld

So ändern sich die Zeiten: Noch zu Anfang des Jahres legten die Politiker Konjunkturpakete auf, um die Folgen der Finanzkrise zu mildern. Wenige Monate später folgt die Kehrtwende: Angesichts drastischer Einnahmeausfälle denkt Finanzminister Peer Steinbrück über Steuererhöhungen nach. Dem Konsumklima würde das einen Schlag versetzen. Die großen Verlierer an der Börse könnten die Konsumaktien sein.

DÜSSELDORF. Wolfgang Vasterling, Branchenexperte bei der Norddeutschen Landesbank (NordLB) warnt jedoch davor, die Auswirkungen der Wirtschaftskrise auf die Konsumbranche zu überschätzen: „Wir gehen davon aus, dass der Umsatzeinbruch im laufenden Jahr etwa fünf Prozent betragen wird“, prognostiziert er; „das ist nur ein Bruchteil dessen, was Branchen wie etwa der Maschinenbau zu verkraften haben.“ Und auch Herbert Sturm, Analyst bei der DZ Bank, rät Anlegern dazu, Augenmaß zu halten. „Insgesamt ist die Stimmung schlechter als die tatsächliche Lage.“

Am Donnerstag gehörten Konsumtitel zu den wenigen Gewinnern an der Börse. Metro-Aktien etwa stiegen bis zum Nachmittag rund 1,5 Prozent, da eine Fusion von Kaufhof und Karstadt – den Tochterunternehmen von Metro und Arcandor – offenbar kurz bevorsteht. Auch die Papiere von Arcandor legten gegen den Markttrend zu. Bei dem angeschlagenen Handelskonzern sollten Anleger aber vorsichtig sein – das Risiko einer Pleite ist hoch. Ohne Staatshilfen wird es das Unternehmen schwer haben.

Aber nicht nur bei Arcandor, auch bei anderen Konsumtiteln raten Analysten zunächst abzuwarten. „Das Thema Steuererhöhungen ist dabei noch nicht einmal der dominierende Faktor, viel wichtiger sind die Aussichten für den Arbeitsmarkt“, sagt Herbert Sturm, Analyst bei der DZ Bank. In den kommenden Monaten soll die Wirtschaftskrise voll auf den Stellenmarkt durchschlagen. Pessimistische Schätzungen gehen gar von einem Anstieg der Arbeitslosigkeit auf nahezu fünf Millionen aus. „Das konjunkturelle Umfeld für Konsumtitel ist derzeit sicherlich nicht ideal“, sagt Zafer Rüzger, Analyst bei Independent Research, „die zweite Jahreshälfte sehe ich allerdings als guten Zeitpunkt, um über einen Einstieg in die Branche nachzudenken.“ Einer der Gründe: Negative Überraschungen sind in diesem Bereich für Anleger kaum zu erwarten. „Im Gegenteil“, glaubt Rüzgar, „da viele Branchenunternehmen ihre Kosten in der Krise extrem senken, haben sich die mittelfristigen Ertragsperspektiven eher verbessert.“

Erste Wahl sind dabei die Sportartikelhersteller. „2010 steht mit der Fußball-Weltmeisterschaft in Südafrika wieder ein Sportgroßereignis an“, sagt Sturm. „Unserer Meinung nach wird dabei Puma zu den Gewinnern gehören, da das Unternehmen sehr viele afrikanische Teams sponsert und vor der WM auch noch die afrikanische Kontinentalmeisterschaft ansteht.“ Dazu kommt: Puma und Adidas sind global aufgestellt. Springt das Geschäft in Asien an, werden die beiden Sportartikelhersteller davon als erste profitieren.

Ganz oben auf den Kauflisten vieler Experten steht auch die Fielmann-Aktie. Bislang hat die Optiker-Kette wenig von der Konjunkturflaute gespürt, wie die jüngsten Quartalszahlen belegen. Der Umsatz stieg entgegen dem allgemeinen Branchentrend um vier Prozent an, und der Rückgang beim Ergebnis fiel mit 15 Prozent deutlich geringer aus als von Analysten erwartet. „Das Unternehmen hat ein stabiles Geschäftsmodell“, sagt Thilo Kleibauer, Analyst bei M.M. Warburg. „Denn auch wenn die allgemeine Ausgabenbereitschaft der Konsumenten nachlässt, werden sie es sich weiterhin etwas kosten lassen, gut zu sehen.“

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