Seit Jahresbeginn rund 90 Prozent Börsenwert vernichtet
Lehman-Brothers-Aktie im freien Fall

Steht Lehman Brothers vor der Pleite? Die Anleger haben offenbar jedes Vertrauen in die Investmentbank verloren. Zum Börsenstart in New York fiel die Aktie erneut um 40 Prozent. Damit wird eine ohnehin schon schwierige Situation noch schlimmer: Je tiefer der Kurs fällt, desto weniger Geld dürfte Lehman beim Einstieg neuer Investoren bekommen. Inzwischen bietet sich Lehman laut einem Medienbericht selbst zum Verkauf an.

HB NEW YORK. Die Aktie der US-Investmentbank Lehman Brothers ist im New Yorker Handel um weitere 40 Prozent eingebrochen.

Allein seit Wochenbeginn verlor Lehman damit rund 75 Prozent des Börsenwerts, seit Jahresbeginn sogar mehr als 90 Prozent. Börsianer verwiesen auf zahlreiche negative Analystenkommentare. So senkte die Citigroup die Papiere der Investmentbank von "Buy" auf "Hold". Goldman Sachs und die UBS senkten ihre Kursziele von 22 auf 7 beziehungsweise 8 Dollar.

Laut "Wall Street Journal Online" bietet sich Lehman inzwischen selbst zur Übernahme an. Zu den potenziellen Käufern gehöre die Bank of America, so der Bericht von Donnerstagabend weiter. Die möglichen Interessenten hätten jedoch große Sorge vor weiteren massiven Verlusten bei Lehman Brothers und würden wegen dieser Risiken auf staatliche Unterstützung hoffen.

Lehman Brothers hatte am Donnerstag einen Rekordverlust für das dritte Geschäftsquartal bekanntgegeben und will nun unter Hochdruck Konzernteile verkaufen. Hochriskante und notleidende Geschäfte im Immobilienbereich sollen zudem in eine separate börsennotierte Gesellschaft ("bad bank") ausgegliedert werden. Die angekündigten rettenden Schritte müssen aber zum Großteil noch endgültig verhandelt werden.

Das Problem: Je tiefer der Kurs fällt, desto weniger Geld dürfte die Investmentbank beim Einstieg neuer Investoren oder dem Verkauf von Sparten bekommen. Der Wettbewerber Bear Stearns hatte wegen ähnlicher Schwierigkeiten durch die Kreditkrise im März seinem Notverkauf zustimmen müssen. Auch der Bear-Stearns-Kurs war am Ende dramatisch abgestürzt.

Der Fall Lehman schürt die Sorge, eine weitere Bankenpleite könnte zu einem Dominoeffekt in der US-Finanzbranche führen. Bereits jetzt versorgt die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) US-Banken mit soviel Liquidität wie noch nie. Doch das Volumen dürfte noch weiter steigen, wenn die Banken zum Jahresende ihre Bilanzen aufpolieren müssen, denn am Kapitalmarkt liegen die Finanzierungskosten der Banken in der Nähe eines Vier-Monats-Hochs. "Das könnte die Mutter aller Jahresenden werden", sagt Brian Sack, Vice President bei Macroeconomic Advisers LLC in Washington. "Die Märkte werden außergewöhnliche Aktionen brauchen, um das zu überstehen."

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