Seitwärts durch das Sommerloch?
Dax-Ausblick: Zweifel an Bodenbildung

„Das Denken der Leute ist so beschaffen, dass sie glauben, der Istzustand ist dauerhaft.“ Diese Aussage stammt von keinem geringeren als Charles Henry Dow, dem „Erfinder“ des Börsenindex.

HB/vwd DÜSSELDORF. Die Botschaft ist geeignet, die Skepsis vieler Anleger trotz erstaunlich stabiler Aktienmärkte zu erklären: In Erinnerung der vergangenen drei Aktienjahre sehen viele Investoren noch immer nicht das Ende der Baisse. Nachkaufen, neu einsteigen oder doch noch weiter verkaufen? Unsicherheit prägt das Bild.

Professionelle Marktbeobachter sind sich weitgehend einig: Der aktuelle Börsenzyklus ist die Bodenbildung. Wer nun zu spät kommt, den könnten die Kurse bestrafen.

Wie also sieht die Realität aus? Die bisherigen Quartalszahlen haben die Erwartungen mehrheitlich übertroffen. Das aber haben die Märkte zuvor komplett eingepreist. Es war in der Tat abzusehen, dass die Unternehmen im zweiten Quartal die Kosten noch einmal senken und die Effizienz steigern würden. Hier sind die Möglichkeiten aber ausgereizt.

Nun müssen sich die fundamentalen Gewinnaussichten bessern. Und dafür gibt es bislang nur wenig Hinweise. Positive Signale haben Infineon und Siemens gesetzt, die Anleger haben es mit Kursgewinnen honoriert. Das aber sind Ausnahmen, die nur die Regel bestätigen, die da lautet: Die Unternehmen sind weiter vorsichtig.

Kennzeichnend für die Phase der Bodenbildung sind stabile Fundamentaldaten, eine akzeptable Bewertung der Aktien - und unter den Anlegern oft verzweifelte Stimmung. Auf konjunktureller Seite haben zwar zuletzt die Stimmungsindikatoren kräftig zugelegt. Diese „weichen“ Daten müssen nun aber von „harten“ Fakten untermauert werden. Die realwirtschaftlichen Zahlen lassen jedoch noch kein Licht am Ende des Tunnels erkennen. So dürfte das Bruttoinlandsprodukt in Deutschland im zweiten Quartal das schwache erste Quartal kaum übertreffen.

„Das Wachstumsmomentum in der Eurozone ist noch immer schwach, vor allem in Deutschland“, sagt Edward Teather, Ökonom bei UBS. Die Reformfortschritte dürften sich frühestens im kommenden Jahr bemerkbar machen. Anders die Lage in den USA: Hier signalisiert der Zinsanstieg am langen Ende um mehr als 100 Basispunkte, dass die Deflationssorgen schwinden und die Investoren eher geneigt sind, an den Erfolg der sehr expansiven Zinspolitik der Notenbank zu glauben. Der Makrodatenkranz scheint den Optimismus zu bestätigen: Die Einzelhandelsumsätze ziehen an, die Zuversicht der Verbraucher steigt, das Verarbeitende Gewerbe läuft besser und sogar vom Arbeitsmarkt gibt es überraschend gute Nachrichten.

All das wird zum einen die US-Aktienmärkte zumindest in einer engen Handelsspanne seitwärts laufen lassen und zum anderen auch das Abwärts- wie Aufwärtspotenzial hier zu Lande begrenzen.

Massiver Widerstand für den Dax bei 3 400 Punkten

So sehen es jedenfalls die Analysten der Bankgesellschaft Berlin, die den durchschnittlichen Gewinnanstieg an Wall Street im zweiten Quartal auf acht bis zehn Prozent beziffern - vor dem Start in die Berichtssaison habe man mit lediglich fünf Prozent Wachstum gerechnet.

Auch die Beobachter der Hamburger Sparkasse billigen dem deutschen Aktienmarkt eine „gewisse Robustheit“ zu. Kursrückgänge seien jedoch wahrscheinlicher als ein Sprung des Dax über den massiven Widerstand bei 3 400 Punkten oder gar auf ein neues Jahreshoch.

Ob sich auch in Deutschland zumindest die Stimmung weiter verbessert, dürfte bereits zum Auftakt der kommenden Woche der ifo-Index zeigen. Hierfür hat der überraschend gute ZEW-Indikator bereits den Trend vorgegeben. Die Einzelhandelsumsätze sollten im Juni von den verlängerten Öffnungszeiten profitiert haben. Entscheidendes Datum aber sind die Zahlen zum US-Bruttoinlandsprodukt am Donnerstag. Diese dürften auch die umfangreiche Agenda der Quartalsberichte in den Schatten stellen. „Insgesamt dürfte sich die Wachstumsdynamik der US-Wirtschaft noch nicht merklich beschleunigt haben“, heißt es von der DZ Bank.

Für Freude könnten allerdings anziehende Investitionen der Unternehmen sorgen. Dies wäre ein Fingerzeig dafür, dass die US-Wirtschaft auf ein Anspringen der Konjunkturlokomotive setzt und in der Hoffnung auf steigende Nachfrage investiert. Anleger, die noch immer nicht wissen, ob sie der Bodenbildung an den Aktienmärkten trauen dürfen, sollten besonders auf dieses Detail bei den Zahlen zum US-Bruttoinlandsprodukt schauen. Damit sie von den Kursen nicht bestraft werden.

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