Senkung des Garantiesatzes bei Lebensversicherungspolicen empfohlen
Zinsdiskussion verschreckt Vorsorgesparer

Der jährliche Bericht der Deutschen Aktuarvereinigung (DAV) verunsichert die Versicherungssparer. Darin sprechen die Mathematiker der Versicherungsgesellschaften sich für eine Senkung des Garantiezinses für Lebensversicherungen von derzeit 2,75 auf künftig 2,25 Prozent aus.

rl/fmd/HB DÜSSELDORF/BERLIN. Das Bundesfinanzministerium stellt (BMF) gegenüber dem Handelsblatt jedoch klar: „Der Vorschlag der Aktuarvereinigung ist eine – zwar willkommene – aber unverbindliche Stellungnahme aus Sicht der Branche.“ Das Ministerium will Ende 2005, Anfang 2006 über die Garantieobergrenze entscheiden. Zeitdruck für eine Überprüfung des Garantiezinses bestehe nicht.

Die Lebensversicherer dürfen aus Vorsichtsgründen nicht mehr Rendite versprechen, als sie voraussichtlich halten können. Damit der Wettbewerb die Versicherer nicht zum Leichtsinn animiert, bestimmt das BMF per Durchführungsverordnung die Obergrenze für die Garantie. Doch Vorsicht: Die garantierte Verzinsung bezieht sich dabei immer nur auf die nach Abzug von Kosten und Gewinnmarge verbleibenden Spargelder der Versicherten. Die tatsächliche Rendite der geleisteten Einzahlungen in eine Lebensversicherung kann der Kunde erst nach Vertragsende ermitteln. Experten gehen von im Schnitt rund vier Prozent aus. Darin sind dann auch die über die Garantie hinaus anfallenden Gewinnanteile eingerechnet.

Bei der Festsetzung des Garantieniveaus haben die DAV und die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) jeweils ein Vorschlagsrecht. Die BaFin hat noch keine Empfehlung bekannt gegeben. Gestern war lediglich zu erfahren: „Wir wollen uns zunächst die Grundlagen der DAV-Empfehlung anschauen. Der Zinsbericht liegt uns aber noch nicht vor.“ BaFin-Präsident Jochen Sanio hat wiederholt eine Absenkung des Garantiezinses gefordert, aber bisher keinen konkreten Satz genannt.

Die Aufsicht räumt bei ihrer Einschätzung üblicherweise der Prognose über die künftige Zinsentwicklung großes Gewicht ein. Das BMF geht ähnlich vor: „Als Grundlage für eine solche Entscheidung ist nicht allein das gegenwärtige Zinsniveau ausschlaggebend. Wegen der Langfristigkeit der Lebensversicherungsverträge werden die über einen längeren Zeitraum beobachtete Zinsentwicklung sowie Annahmen über die künftige Entwicklung einbezogen“, so die Sprecherin.

Die Finanzmärkte im Euroraum geben diesbezüglich momentan Entwarnung. Allgemein wird eher mit steigenden als fallenden Zinsen gerechnet. Doch die Versicherer drückt der Schuh weit über das geltende Garantieniveau hinaus. Die Altverträge müssen noch mit Garantien zwischen 2,75 und vier Prozent bedient werden. Im Schnitt liegt die Verpflichtung bei 3,5 Prozent.

Eine Senkung des Garantieniveaus betrifft immer nur Neuverträge. „Für bereits bestehende private Kapital- oder Rentenversicherungen hat eine solche Regelung weder für die Vergangenheit noch für die Zukunft irgendwelche Auswirkungen“, betont die BMF-Sprecherin. Insofern dauert es Jahrzehnte bis die Entlastung für die Versicherungsgesellschaften spürbar wird.

Die Formel, die die Basis für den Handlungsbedarf einer Überprüfung des Garantiezinses der Lebensversicherer auslöst, ist folgende: 60 Prozent des langjährigen Durchschnittszins’ zehnjähriger Bundesanleihen. Diesen Wert sollte die Garantie nicht überschreiten, damit noch genügend Sicherheitspuffer bleiben.

Das Ministerium folgt in der Regel den Empfehlungen. Es hat sich aber auch schon mal anders entschieden. Im Jahr 2000 hat sich die damalige Versicherungsaufsicht für eine Senkung auf 3,0 Prozent ausgesprochen. Das Ministerium hat sich aber für 3,25 Prozent entschieden. Im Nachhinein hätte sich die stärkere Absenkung als richtig erwiesen. So musste der Satz Anfang 2004 auf die heute gültigen 2,75 Prozent erneut gesenkt werden.

Die Branche ist in der Zinsfrage gespalten. Einerseits können sie eine Zinsentlastung gut gebrauchen, andererseits sind die Verkaufszahlen seit Halbierung des Steuervorteils ohnehin eingebrochen.

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