Siebenjähriges Zinspapier bietet rund viereinhalb Prozent Rendite – Dem Dax-Konzern droht ein Junk-Bond-Rating
Tui ist nur auf den ersten Blick attraktiv

Anleger auf der Suche nach hohen Renditen an den Rentenmärkten haben es derzeit schwer. Staatsanleihen bieten bei einer langen Laufzeit von zehn Jahren nur noch eine Verzinsung von gut drei Prozent. Und auch bei Anleihen großer europäischer Unternehmen findet sich bei der Rendite kaum noch eine vier vor dem Komma.

HB FRANKFURT/M. In diesem Umfeld springt die in sieben Jahren fällig Anleihe des Dax-Konzerns Tui ins Auge, die mit immerhin rund viereinhalb Prozent rentiert.

Dennoch hält sich die Begeisterung von Analysten in Grenzen. Häuser wie Morgan Stanley, BNP Paribas, HSH Nordbank oder DZ Bank bewerten die Bonds des europäischen Marktführers im Touristik-Bereich nur mit einer Halte-Empfehlung. Vor ein paar Monaten war das noch anders. Damals hatten viele Häuser darauf spekuliert, dass der Konzern, der bislang noch kein Rating von den großen Agenturen hat, eine Bonitätsnote am unteren Ende des vergleichsweise sicheren Investment-Grade bekommen werde. Die Urteile von Standard & Poor’s und Moody’s werden für Oktober erwartet. „Aber kaum jemand rechnet jetzt noch damit, dass Tui als Investment-Grade eingestuft wird“, sagt Oleksiy Soroka, Analyst für hochverzinsliche Unternehmensanleihen bei BNP Paribas in London. Als wahrscheinlich gilt stattdessen ein Rating auf der ersten oder zweiten Stufe des Non-Investment-Grade für riskante Schuldner. Die Tui-Anleihen wären damit Junk-Bonds (Schrottanleihen).

Grund für die heruntergeschraubten Erwartungen ist, das Tui die kanadisch-britische Reederei CP Ships für insgesamt 1,7 Mrd. Euro in bar übernehmen will. Damit will der Konzern sein Standbein in der Container-Schifffahrt ausbauen. Mit der Tochter Hapag-Lloyd ist Tui dort bereits vertreten. Strategisch halten Analysten den Kauf für durchaus sinnvoll. „Dadurch verringert Tui die Abhängigkeit vom krisenanfälligen Tourismus-Geschäft“, sagt Markus Rohleder, Analyst für Unternehmensanleihen bei der DZ Bank. Bond-Experten kritisieren aber, dass Tui durch die Übernahme das Entschuldungsziel zunächst hintanstellt. Ursprünglich wollte der Konzern seine Nettoschulden von rund drei Mrd. Euro Ende Juni dieses Jahres auf unter zwei Mrd. Euro bis Ende 2005 verringern. Für die geplante Übernahme hat Tui bereits neue Aktien über eine Mrd. Euro ausgegeben. Der Rest wird über Kredite finanziert. Schon allein durch die Kapitalerhöhung hat sich das Verhältnis von Nettoverschuldung zu Eigenkapital verschlechtert.

„Rein von den Finanzkennzahlen ist ein Investment-Grade-Rating unrealistisch“ sagt Soroka von BNP Paribas. Im Markt sei ein schlechteres Rating bereits eingepreist. „Wenn Tui ein Junk-Bond-Rating bekommt, könnte der Kurs sogar leicht steigen, weil dann die Unsicherheit wegfällt“, meint Rohleder. Auf der anderen Seite seien gerade Bonds der Branchen Luftfahrt und Freizeit anfällig für Kursverluste, falls die Stimmung sich am Markt für Firmenbonds verschlechtern sollte. Aus diesem Grund findet auch Allan Valentiner, Anleihestratege bei der Fondsgesellschaft Johannes Führ in Frankfurt, Tui-Bonds unattraktiv. „Wir suchen uns gerade Anleihen aus, die sich besser als der Markt entwickeln könnten. Diese Chance sehen wir bei Tui nicht.“

Die Strategie vieler Privatanleger, die Bonds bis zur Fälligkeit zu halten, ist bei Tui nicht ratsam. „Investoren müssen die Entwicklung von eher schwachen Schuldnern ähnlich wie Aktieninvestoren im Auge behalten und sich nötigenfalls von den Bonds trennen“, meint Rohleder.

Am besten wäre für Besitzer der 2011 fälligen Tui-Anleihe der unwahrscheinliche Fall, dass der Konzern bis zum November kein Rating erhält. Denn dann steigt der Kupon automatisch von 6,625 auf 7,375 Prozent. Das hatte Tui bei der Platzierung des damals stark überzeichneten Bonds im April 2004 festgelegt.

Andrea Cünnen
Andrea Cünnen
Handelsblatt / Finanzkorrespondentin
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