Skeptik gegenüber Beru
Analysten raten zu Continental, Leoni und Elring Klinger

Mit unterschiedlichem Erfolg kämpfen Deutschlands Autozulieferer gegen gestiegene Rohstoffkosten und den Preisdruck von Herstellern. Continental und Leoni haben früh die Kosten eingedämmt. Elring Klinger ist Dank seiner Innovationen unentbehrlich. Analysten sehen gerade bei diesem Trio Einstiegschancen, raten aber vom Kauf der Beru-Aktie ab.

HB FRANKFURT/M. Der Kurs von Continental steigt seit rund 18 Monaten auf aktuell 44,50 Euro. „Ich werde mein Kursziel noch einmal anheben“, sagt Roland Könen vom Bankhaus Lampe. Anlass für diesen Optimismus sind die hohen Auftragseingänge. So kündigte Ford an, 400 000 Autos mit Continentals Elektronischem Stabilitätsprogramm (ESP) auszurüsten. Ein Joint Venture mit der chinesischen Doublestar-Gruppe soll 2005 für weiteres Wachstum sorgen. Oliver Girzick von der Bayerischen Landesbank rät weiterhin zum Übergewichten der Aktie. Allerdings mit der Einschränkung: „Es wird langsam eng für Conti.“ Der Kurs hat sich seit März 2003 verdreifacht.

Selbst über die gestiegenen Rohstoffpreise klagt Continental weniger als die Konkurrenz. Diese sind die größte Gefahr für eine positive Ergebnisentwicklung in der Branche. Continentals Vorteil: Das Unternehmen verkauft rund 80 Prozent der Autoreifen in Europa direkt an Endkunden. „Continental kann die zusätzlichen Produktionskosten zum Großteil überwälzen“, sagt Rolf Woller, Analyst bei der Hypo-Vereinsbank.

Anders die Ertragsaussichten für Leoni, Elring Klinger und Beru. Deren Kunden sind verhandlungsstarke Konzerne wie Volkswagen oder General Motors. „Die Autohersteller haben beim Pariser Autosalon angekündigt, ihre Listenpreise derzeit nicht wegen höherer Materialkosten zu ändern“, sagt Woller. Die gestiegenen Rohstoffpreise müssen die Zulieferer zunächst selbst zahlen, weil sie sich mit langfristigen Verträgen gebunden haben.

Bei Leoni, einem Spezialisten für Bordnetzsysteme, ist Girzick trotzdem zuversichtlich. Der MDax-Wert musste nach einer Kapitalerhöhung zuletzt Kurseinbrüche verkraften. Das Unternehmen hat nun Aufträge für zwei Modellreihen bei BMW sowie den Opel Astra und die A-Klasse von Mercedes. Dafür hat der Nürnberger Zulieferer Fabriken in der Slowakei und Rumänien gebaut. „Nächstes Jahr wird die Ernte eingefahren“, ist Girzick überzeugt. Leoni profitiert dann von einer niedrigen Kostenstruktur. Könen hat ein Kursziel von 52 Euro. Derzeit notiert die Aktie bei 45,70 Euro.

Zu den erfolgreicheren Unternehmen im SDax zählt Elring Klinger, führend in der Herstellung von Zylinderkopfdichtungen. Die Aktie des Dettinger Unternehmens hat 2003 um 46 Prozent zugelegt. „Die Erfolgsstory ist noch nicht vorbei“, ist Aleksej Wunrau, Analyst bei der Landesbank Baden-Württemberg, überzeugt. Das Unternehmen leidet zwar unter hohen Kosten für Stahl, Nickel und Chrom. Andererseits profitiert Elring Klinger vom gestiegenen Ölpreis. Der anhaltende Dieselboom werde dadurch verstärkt, sagt Wunrau. „Elring Klinger liefert die qualitativ hochwertigsten Dichtungen“, urteilt der Analyst. Wunraus Kursziel ist 64 Euro. Auftragszusagen von Chrysler und Toyota sprechen zudem für die Aktie, die aktuell 50 Euro wert ist.

Skeptischer äußern sich die Analysten zu Beru. Das schwäbische Unternehmen ist Spezialist für Dieselkaltstarttechnik, profitiert also ebenfalls vom Dieselboom. Könens Kursziel von 60 Euro hat die Aktie fast erreicht. Sie wird derzeit über 57 Euro gehandelt. Wunrau rät sogar zum Verkauf, mit Kursziel von 54 Euro. „Dass das Managements kontinuierlich auf den starken Preisdruck der Autokonzerne hinweist, bereitet uns Bauchschmerzen", sagt Wunrau. Der Kurs wird zudem von der ungeklärten Eigentümerfrage belastet. Finanzinvestor Carlyle hält 37,1 Prozent der Anteile und will diese seit längerem zu verkaufen. Bisher vergeblich.

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