Solarkonzern
Q-Cells meldet Insolvenz an - Aktie stürzt ab

Q-Cells will am Dienstag einen Insolvenzantrag stellen. Das gab das Unternehmen am Nachmittag bekannt. An der Börse war damit gerechnet worden - die Aktie notiert tief im Minus.
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Der hochverschuldete Solarzellenhersteller Q-Cells aus Bitterfeld-Wolfen will am Dienstag Antrag auf Insolvenz beim zuständigen Amtsgericht Dessau stellen. Das kündigte das Unternehmen am Montagnachmittag an.

"Nach intensiver Prüfung von alternativen Konzepten zur Umsetzung der Finanzrestrukturierung ist das Management zu der Einschätzung gelangt, dass die Fortführungsprognose für das Unternehmen nicht mit hinreichender rechtlicher Sicherheit wiederhergestellt werden kann." Daher sei die Stellung eines Insolvenzantrags rechtlich geboten.

An der Börse war bereits mit der Pleite gerechnet worden. Die Aktie war am Vormittag um 35 Prozent abgerutscht. Kurz vor der Nachricht wurden die Papiere um 14.20 Uhr für eine Stunde vom Handel ausgesetzt. Nach Wiederaufnahme des Handels lag der Kurs erneut 35 Prozent im Minus bei 14 Cent.

Den ursprünglichen Plan zur Sanierung, bei dem Anleihegläubiger eine Zahlungsaufschub hätten gewähren sollen, musste das Unternehmen am Freitag aufgeben. Gegen den Plan hatte ein Gläubiger beim Oberlandesgericht (OLG) Frankfurt geklagt. Das Gericht hat in diesem Fall noch nicht entschieden, wohl aber in einem sehr ähnlichen: Das OLG hatte am Dienstag die Sanierungspläne des Holzverarbeiters Pfleiderer gekippt, die ähnlich wie bei Q-Cells zur Rettung unter anderem den Verzicht der Anleihegläubiger auf ihre Ansprüche vorsahen. Nach dem abschlägigen Gerichtsurteil meldete Pfleiderer Insolvenz an.

Angesichts des Urteils sei dem Restrukturierungskonzept die Basis entzogen worden, erklärte Q-Cells. "Vor diesem Hintergrund geht der Vorstand davon aus, dass die Fortführungsprognose zurzeit nicht gegeben ist", hieß es in einer Pflichtmitteilung. Q-Cells sei zwar überzeugt, dass die Entscheidung des OLG falsch ist. Zu erwartende Klagen gegen das Restrukturierungskonzept von Q-Cells wären jedoch von demselben Gericht zu entscheiden. Es sei nicht anzunehmen, dass es seine Ansicht ändere.

Die Mitarbeiter bei Q-Cells fürchten nun um ihre Jobs. „Wir haben noch keine Informationen, wie es weitergeht“, sagte Sylke Teichfuß, Vize-Bezirksleiterin der Gewerkschaft IG BCE. Jedoch gebe es Hoffnung: „Ich denke, dass Q-Cells Zukunft hat“, sagte Teichfuß.

Der Solarkonzern aus Bitterfeld-Wolfen kämpft seit Jahren ums Überleben. Inzwischen ist das Eigenkapital aufgezehrt, mehrere Anleihen drohen zu platzen. Nach einem Verhandlungsmarathon gewährten die Gläubiger einer Ende Februar fälligen Anleihe über 200 Millionen Euro im letzten Moment einen Zahlungsaufschub bis Ende April. Bis dahin wollte sich Vorstandschef Nedim Cen mit den Zeichnern zweier weiterer Wandelanleihen verständigen, die bis 2014 und 2015 laufen. Anschließend sollte die 2012er-Anleihe nochmals bis Ende des Jahres verlängert werden. Bis dahin sollte das Sanierungskonzept stehen. Im Zuge dessen sollen die Zeichner der Bonds größtenteils auf die Rückzahlung verzichten und dafür Aktien erhalten. Cen hatte immer wieder erklärt, eine Einigung mit den Anleihegläubigern sei zwingend für eine Sanierung des Konzerns.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Solarkonzern: Q-Cells meldet Insolvenz an - Aktie stürzt ab"

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  • Wenn die Sonne untergeht:
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    Das Geschäftsmodell aller PV-Firmen ist auf üppige Subventionen ausgelegt; fallen diese weg, gehen sie direkt in die Pleite.
    Mit dem EEG hatten sie eine Lizenz zum Gelddrucken, diese fällt nun Stück für Stück weg. Der Subventionswahn wird langsam zurückgefahren, ist aber immer noch zu hoch.
    Wenn eine Firma ohne Subventionen nicht lebensfähig ist, hat sie das falsche Geschäftsmodell.

  • so einer ist schonmal weg.. das Ziel der Chinnesen rückt immer näher

  • Natürlich hat die massive Kürzung der Solarvergütung einen erheblichen Anteil daran, dass Solarunternehmen in Deutschland momentan die Geschäftsgundlage entzogen wird. Q-Cells hat sicher auch Managementfehler gemacht, aber es geht momentan bei Allen Deutschen Solarfirmen an die Existenz. Das haben in der Tat CDU und FDP mit ihrem Solarausstiegsgesetzt zu vertreten. Im Gegenzug inportieren wir dann lieber wieder mehr Rohstoffe und Solarmodule aus China, um unseren Energiehunger zu stillen. Volkswirtschaftlich ist das Schwachsinn!

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