Solarworld
Miese Zahlen, starker Aktienkurs

Solarworld leidet. Weil die Solarmodule immer billiger werden, verdient das Unternehmen immer weniger. Die Anleger stört das nicht, die Aktie legt zu. Schon gestern gehörten die Papiere zu den großen Gewinnern. Dafür gibt es einen Grund.
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HB DÜSSELDORF. Der Preisverfall bei Solarmodulen macht Solarworld zu schaffen. "Wir mussten eine Preisdegression von 25 Prozent verkraften", sagte Firmenchef Frank Asbeck in einem Reuters-Interview. Die Rückgänge könne der Konzern nur teilweise durch Kostensenkungen abfedern. "Der Rest geht über die Marge". Mit der im dritten Quartal erreichten operativen Umsatzrendite (Ebit-Marge) von 15 Prozent sei er aber durchaus zufrieden. Das sahen die Anleger ähnlich. Trotz des Gewinneinbruchs von rund zwei Drittel notierte die Aktie rund ein Prozent im Plus bei 14,80 Euro.

Börsianer verwiesen vor allem auf den bekräftigten Ausblick des Photovoltaik-Unternehmens, der die Aktien nach ihrer zuletzt schwachen Kursentwicklung unterstütze. Seit Mitte Oktober hatte das Papier bis zu knapp 18 Prozent verloren.

Solarworld verbuchte im Zeitraum Juli bis August vor Zinsen und Steuern einen Ergebnisrückgang auf 34,7 Mio. Euro nach 90,8 Mio. vor Jahresfrist. Netto verdiente der Konzern noch 16 (Vorjahr: 36,1) Mio. Euro. Der Umsatz blieb dagegen vergleichsweise stabil und lag mit 232,5 Mio. Euro nur fünf Mio. unter dem Vorjahreswert, während der Absatz um 15 Prozent auf 125 Megawatt zulegte. Die Quartalszahlen seien enttäuschend und unter den Erwartungen, hieß es bei Analysten. Doch auf den zweiten Blick überzeuge die Rendite, erklärten die Experten von Equinet. Auch bei der DZ Bank wurde die erreichte Ebit-Marge hervorgehoben.

Die Experten von Goldman Sachs hatten das Kursziel erst vor kurzem von 13 auf 16 Euro angehoben und ihre Einschätzung von "Sell" auf "Neutral" geändert. Das kommende Jahr dürfte zwar schwierig für den Solaranlagenhersteller werden, doch der Kurs spiegele dies bereits wider, schrieb Analyst Stephen Benson in einer Studie.

Solarworld-Chef Asbeck bekräftigte sein Ziel, im Gesamtjahr erstmals die Umsatzmilliarde knacken zu wollen, obwohl nach neun Monaten erst 634 Mio. Euro erreicht wurden. Im Jahresverlauf habe Solarworld den Umsatz kontinuierlich über die Quartale gesteigert. Zudem sei die Nachfrage weltweit "ordentlich". Bei der LBBW sahen die Experten das skeptischer und erwarten, dass Solarworld in den kommenden Wochen sein Umsatzziel zurücknehmen wird. Für den Gewinn gab Asbeck erneut keine Prognose ab.

Seit Herbst vergangenen Jahres kämpft die erfolgsverwöhnte Solarbranche mit sinkenden Preisen und Überkapazitäten. Einige Firmen wie Q-Cells und Solon rutschten nach Jahren des rasanten Wachstums sogar in die Verlustzone.

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