Sorge vor Staatspleiten
Europäische Bankaktien im Abwärtssog

Seit Wochen geht es für Bankaktien nur noch abwärts. Und ein Boden ist nicht in Sicht. Die Aktie der Deutschen Bank verliert zu Wochenbeginn fast zehn Prozent. Noch härter erwischt es die Papiere französischer Banken.
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DüsseldorfDer Ausverkauf bei europäischen Bankaktien hat sich zu Wochenbeginn fortgesetzt. Im Dax stürzten die Papiere der Deutschen Bank um mehr als neun Prozent ab und fielen in der Spitze auf 20,82 Euro. Erstmals seit 2009 droht ihnen damit der Sturz unter die Marke von 20 Euro. In der Finanzkrise waren Deutsche-Bank-Aktien zeitweise bis auf 15,35 eingebrochen. Commerzbank-Aktien fielen in der Spitze ebenfalls um neun Prozent auf ein Allzeittief von 1,51 Euro.

Grund für den massiven Verkaufsdruck ist die wachsende Sorge, dass Griechenland trotz aller Hilfsbemühungen in die Staatsinsolvenz rutscht und die Euro-Zone verlassen muss. Am Wochenende waren einige deutsche Politiker aus CDU, CSU und FDP auf Distanz zu Griechenland gegangen. Als erstes Regierungsmitglied hatte Wirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) in einem Beitrag für "Die Welt" eine geordnete Insolvenz des Landes als "denkbar" bezeichnet, sofern die Instrumente dafür zur Verfügung stünden.

Zwar wird eine griechische Staatspleite an den Märkten schon seit Monaten als realistisches Szenario gepreist, wie vor allem die Entwicklung griechischer Staatsanleihen zeigt, die mit weniger als der Hälfte ihres Nennwertes notieren. Die neue Rhetorik deutscher Politiker hat die Sorge der Anleger aber noch einmal verstärkt. Und Banken, die zum Teil auf hohen Beständen an griechischen Staatsanleihen sitzen, leiden darunter besonders.

"Großbanken halten üblicherweise einen Großteil ihrer Liquiditätsreserve in Staatsanleihen. In dem Augenblick, in dem Staatspleiten als reale Bedrohung angesehen werden, schließen Marktteilnehmer auf potenziell drohende hohe Verluste", sagt Guido Hoymann, Bankanalyst beim Bankhaus Metzler. Zusätzliche Belastungen drohen den Instituten durch die aktuellen Verwerfungen an den Märkten. "Das Quartal wird sehr schwierig", sagt Hoymann.

Noch härter als die deutschen Banken traf es am Montag die Papiere französischer Großbanken. Aktien von Société Générale, BNP Paribas und Credit Agricole sackten um elf bis zwölf Prozent ab. Gerüchten zufolge droht den französischen Instituten wegen ihres hohen Bestandes an griechischen Anleihen bereits in dieser Woche eine Herabstufung durch die Ratingagentur Moody's.

„Moody's geht davon aus, dass das Trio zu stark in Griechenland engagiert ist“, schrieben die Analysten der Saxo Bank in einem Kommentar. „Wenn sich die Situation verschlimmert, könnte der französische Staat zu einer Intervention zu gezwungen werden, um einen Zusammenbruch zu vermeiden.“ Der französische Industrieminister Eric Besson bezeichnete Diskussionen um eine Teilverstaatlichung allerdings als „völlig voreilig“.

Die Société Générale kündigte am Montag an, Vermögenswerte im Umfang von vier Milliarden Euro abstoßen, um die Kapitaldecke zu verstärken und damit die Zuversicht der Investoren zu verbessern. Am Aktienmarkt zeigte das aber keine positive Wirkung.

An den weiteren europäischen Handelsplätzen gaben Bankaktien ebenfalls am stärksten nach: In Amsterdam rutschten Papiere der ING Groep um neun Prozent ab, in Mailand verloren Unicredit-Aktien rund sieben Prozent an Wert, in Spanien gaben die Titel von Santander und BBVA knapp fünf Prozent nach. Dagegen hielten sich die Aktien der Schweizer Institute Credit Suisse und UBS mit Verlusten von einem bzw. knapp zwei Prozent noch vergleichsweise gut und auch die britischen Finanzwerte fielen nicht annähernd so stark wie ihre Wettbewerber aus der Euro-Zone.

Ralf Drescher
Ralf Drescher
Handelsblatt.com / Teamleiter Finanzen (bis 29.2.2012)
Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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