Spanische Lotterie
Mega-Börsengang für leichtere Staatskassen

Es könnte der größte Börsengang der spanischen Geschichte werden: Um die Staatsverschuldung unter die Maastricht-Obergrenze zu senken, will Spanien seinen Anteil an der staatlichen Lotterie verkaufen.
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Madrid Die nationale spanische Lotterie hat mit Credit Suisse Group, UBS, JP Morgan Chase und Goldman Sachs vier Banken für ihren Börsengang ausgewählt, heißt es aus informierten Kreisen.

Durch die Transaktion sollen bis zu sieben Milliarden Euro eingesammelt werden. Die Erlöse sollen dazu beitragen, dass der spanische Staat seine Neuverschuldung von zuletzt mehr als neun Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) bis 2013 unter die Maastricht-Obergrenze von drei Prozent senkt. Falls das Initial Public Offering (IPO) erfolgreich ist, wäre dies der größte Börsengang in der spanischen Geschichte.

Den Angaben zufolge sollen die vier Banken 30 Prozent der Sociedad Estatal Loterias y Apuestas del Estado (LAE) am Markt platzieren. Das Unternehmen werde dabei mit bis zu 21 Milliarden Euro bewertet, hieß es weiter. Zum Börsengang kommt es möglicherweise schon im November. Offiziell gab es von LAE keine Bestätigung. Es sei aber mit einer Mitteilung in den kommenden Tagen zu rechnen.

Die Staatsschuldenkrise in Ländern wie Griechenland und Portugal hatte zuletzt das Interesse von Investoren an IPOs geschmälert. Im bisherigen Jahresverlauf sind in Westeuropa mindestens 21 Börsengänge verschoben oder abgesagt worden – so viele, wie seit 2006 nicht mehr.

In Spanien musste vor kurzem der Telekommunikationsgigant Telefonica den Börsengang seiner Callcentertochter Atento wegen mangelnden Interesses abbrechen. Allerdings stehen für dieses Jahr neben der Lotterie noch mehrere größere IPOs an: Die beiden Sparkassengruppe Bankia und Banca Civica wollen Mitte Juli knapp die Hälfte ihrer Anteile an der Börse verkaufen. Außerdem bereitet der Flughafenbetreiber Aena seine Teilprivatisierung vor und favorisiert dabei ebenfalls den Gang aufs Parkett.

LAE ist Analysten zufolge die attraktivste Investition unter den bevorstehenden IPOs. Der Lotteriebetreiber weist eine stabile, schuldenfreie Bilanz auf, die sich auch gegenüber der Krise resistent gezeigt hat. „Viele Firmen würden sich eine Bilanz wie die der Lotterie wünschen“, meint Vicente García, Kapitalmarktexperte bei Pricewaterhouse Coppers (PwC). LAE wird eine monatliche Dividende zahlen, die Rentabilität pro Dividende könnte nach Ansicht von LAE-Chef Aurelio Martínez etwa acht Prozent betragen, vergleichbar mit den Börsenschwergewichten Telefónica und Banco Santander. In der Zukunft sieht Martínez großes Wachstum vor allem durch Kooperationen mit ausländischen Betreibern sowie bei dem Geschäft mit Online-Wetten.

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