Spanischer Privatsender profitiert von wachsendem Werbemarkt – 80 Prozent des Gewinns fließen an die Aktionäre
Analysten schwärmen für Telecinco

Die Aktie des größten spanischen Privatsenders, Gestevision Telecinco, bleibt nach Analysteneinschätzung ein Börsenliebling. Telecinco gehörte 2004 zu den rentabelsten Medientiteln in Europa, und das wird sich nach Meinung von Analyst Glen Spencer-Chapman vom Madrider Broker Ibersecurities auch in den kommenden Monaten nicht ändern.

MADRID. Seit Anfang des Jahres ist der Titel im spanischen Leitindex Ibex 35 vertreten und legte seither bereits um 15 Prozent zu. Im Juni vergangenen Jahres hatte die Telecinco-Aktie zum Preis von 10,15 Euro ihr Debüt auf dem Madrider Parkett gegeben. Heute ist die Aktie rund 17,50 Euro wert – ein Plus von mehr als 70 Prozent. Telecinco ist damit eine der erfolgreichsten Neuemissionen in der Geschichte der spanischen Börse.

Zwar plant die sozialistische spanische Regierung noch in diesem Jahr eine umfassende Reform des Fernsehmarktes, wozu auch die Einführung weiterer analoger, frei empfangbarer Kanäle gehört. „Aber die finanzielle Situation des Unternehmens zeigt, dass es mehr Konkurrenz und damit eventuell weniger Werbeeinnahmen verkraften kann“, sagt Spencer-Chapman, der den Titel weiter zum Kauf empfiehlt. Telecinco, an dem die italienische Gruppe Mediaset von Ministerpräsident Silvio Berlusconi mehrheitlich beteiligt ist, konnte im vergangenen Jahr den Gewinn um 76 Prozent auf 216 Mill. Euro steigern. Das ist wesentlich mehr, als die Analysten erwartet hatten.

Bei der kommenden Hauptversammlung will der Verwaltungsrat von Telecinco den Aktionären vorschlagen, dass davon 0,70 Euro pro Aktie als Dividende ausgezahlt werden. Damit werden 80 Prozent des Gewinns ausgeschüttet. Diese Nachricht hat dem Titel gestern noch einmal tüchtig nach oben gebracht. Analysten gehen davon aus, dass nun auch Privatanleger noch massiver bei Telecinco einsteigen werden. Der Kurs gewann gestern bei Veröffentlichung der Geschäftsergebnisse bis zu vier Prozent. Auch der private Konkurrent Antena 3 profitierte von den guten Zahlen. Die Aktie stieg ebenfalls um knapp vier Prozent.

Beim Umsatz konnte sich Telecinco im vergangenen Jahr um 23 Prozent auf 790 Millionen Euro verbessern, vor allem dank der immer noch wachsenden Werbeeinnahmen, die 2004 rund 778 Millionen Euro betrugen, 21 Prozent mehr als im Vorjahr. Kein Wunder: Telecinco ist seit vier Monaten in Folge mit einer Zuschauerquote von 22 Prozent die Nummer eins unter den vier nationalen Fernsehsendern in Spanien. Im vergangenen Jahr hatte der öffentliche spanische Sender TVE1 erstmals die Marktführerschaft an die Privaten verloren.

Telecinco profitiert von der miserablen finanziellen Situation des Staatsfernsehens, das inzwischen Schulden von sieben Milliarden Euro angehäuft hat.

Der spanische Finanzdienstleister Noesis Análisis Financiero schätzt, dass die Telecinco-Aktie auch dank des konsequent durchgehalten Sparkurses des Managements in den kommenden Monaten weiter im Aufwärtstrend bleibt. Sein Kursziel liegt bei 18,50 Euro. Diese Analyse wird auch durch die gute Entwicklung der Werbeaktivitäten in Spanien bestätigt. 2004 wuchs der Markt um 15 Prozent. Das Plus lag laut Telecinco-Chef Giuseppe Tringali zum Auftakt des neuen Jahres in ähnlicher Größenordnung. Er kündigte an, dass er für sein Unternehmen in diesem Jahr mit weiterem zweistelligen Wachstum rechnet. In den ersten beiden Monaten betrug die Steigerungsrate rund elf Prozent.

Für Lehman Brothers ist dies ein Grund, Telecinco weiterhin auf „Kauf“ zu setzen. Das Kursziel der Aktie liegt nach Meinung der Bank in diesem Jahr sogar bei 21 Euro – auch wenn derzeit die Fernsehtochter Sogecable des spanischen Verlages Prisa als neuer Konkurrent im Gespräch ist. Nach Zeitungsberichten will die spanische Regierung zumindest eine Lizenz für einen analogen Kanal an das als regierungsfreundlich geltende Unternehmen vergeben. Tringali kündigte bereits an, dass er rechtliche Schritte unternehmen werde, sollte das der Fall sein: „Ich werde mit allen Mitteln unsere Position verteidigen.“ Schließlich ergebe es kurz vor dem Ende der analogen Ära keinen Sinn, neue analoge Kanale zuzulassen. „Neue Konkurrenten werden es mit uns nicht leicht haben“, warnte der Telecinco-Chef.

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