Sparzwang der Gesundheitssysteme
Generika-Hersteller gelten als interessant

Nur wenige Aktien wurden im Sommer so verprügelt wie Papiere der Generika-Hersteller. Glänzten die Produzenten billiger Nachahmer-Arznei in den vergangenen Jahren mit zweistelligen Wachstumsraten, so zeichneten die Quartalsbilanzen in diesem Jahr ein düsteres Bild.

HB DÜSSELDORF. Grund: scharfer Wettbewerb und sinkenden Margen. „Aus heutiger Sicht scheint der Kurseinbruch jedoch übertrieben“, sagt Alexander Groschke, Analyst bei der Landesbank Rheinland-Pfalz.

Schließlich könnten Generika- Hersteller in den kommenden Jahren wegen des Sparzwangs der Gesundheitssysteme und erwarteter Patentabläufe wachsen, wenn auch nicht mehr mit 30 Prozent p.a. Im kommenden Jahr soll der Umsatz mit Generika weltweit bis zu 20 Prozent steigen. Und bis 2007 dürften bei den 20 Top-Pharmafirmen Originalmedikamente mit einem weltweiten Gesamtumsatz von 36 Mrd. Dollar p.a. den Patentschutz verlieren, so eine Studie von IMS Health.

Analyst Groschke rät Anlegern angesichts der anstehenden Reformen der Gesundheitssysteme und des scharfen Wettbewerbs vom Kauf von Einzelwerten ab. Anleger, die auf einen Turnaround des Marktes setzen, sollten besser in Fonds oder Basket-Zertifikate investieren. In Deutschland haben Anleger dabei die Wahl zwischen drei reinen Generika-Produkten: der in Luxemburg zugelassene Fonds Pictet Generics, das Generika-Zertifikat der WestLB , dessen Zusammensetzung alle sechs Monate überprüft wird, und das aktiv gemanagte Zertifikat Generika-Select von APO Asset Management (APO), einer Tochter der Apotheker- und Ärztebank.

In der sommerlichen Schwächephase haben beide Zertifikate den Pictet-Fonds deutlich übertroffen: Seit Anfang Juni stieg der Preis des APO-Papiers um vier Prozent. Das Generika-Zertifikat der WestLB gewann ein Prozent, der Pictet-Generikafonds liegt fünf Prozent im Minus.

Während das APO-Papier die Kursentwicklung der 20 bis 25 weltweit führenden Generika-Hersteller nachbildet, enthält der WestLB- Korb neun Werte. Schwergewicht in beiden Aktienkörben ist die Stada-Aktie. APO-Manager Rolf Heußen hat den Anteil in den vergangen Wochen auf über elf Prozent aufgestockt, nachdem es allein im Sommer über 30 Prozent mit dem Kurs nach unten gegangen war. „Obwohl Stada im laufenden Jahr besonders unter den vom Staat im Rahmen der Gesundheitsreform aufgedrückten Zwangsrabatten litt, lag das Ergebnis auf Vorjahresniveau“, begründet Heußen seinen Kauf. Zudem werden die Zwangsrabatte 2005 von 16 Prozent auf sechs Prozent eingedampft. Letztlich profitiere Stada auch von der Einführung von Festbeträgen für fünf Medikamentengruppen, die Krankenkassen Anfang September dem zuständigen Bundesausschuss vorgeschlagen haben. Wenn die Generika in einem Topf mit patentgeschützter Arznei angeboten werden, sei zusätzlicher Umsatz zu generieren, sagt Analyst Groschke.

Heußen hat auch die Gewichtung ausländischer Generika-Hersteller wie Ivax oder Barr erhöht. Diese Werte sind auch im WestLB-Korb enthalten. Der Analyst hat seine Cash-Quote von 35 Prozent Ende Juni auf sieben Prozent reduziert. Das APO lässt sich das aktive Management einiges kosten: Die Managementgebühr für die regelmäßige Anpassung des Baskets schlägt jährlich mit 1,5 Prozent zu Buche. Die WestLB verlangt nur ein Prozent.

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