Spekulanten wetten auf fallende Notierungen
Hedge-Fonds drücken Karstadt-Kurs

Die Aktie des Kaufhauskonzerns KarstadtQuelle verliert drastisch an Wert. Gestern gab sie im Tagesverlauf bis zu 5 Prozent nach und schloss bei 9,38 Euro. Damit büßte der Titel innerhalb von nur vier Wochen rund ein Drittel seines Börsenwertes ein. Ein wichtiger Grund: Die Aktie ist offenbar ins Visier von spekulativen Hedge-Fonds geraten, die auf fallende Kurse wetten. „Es gibt eindeutige Indizien für Verkäufe von geliehenen Aktien in großem Umfang“, sagte ein Investmentbanker.

kk/mm/cs FRANKFURT. Um von fallenden Kursen zu profitieren, leihen sich die Hedge-Fonds gegen eine Gebühr Aktien von Fondsgesellschaften, Pensionsfonds und Versicherungen und verkaufen die Anteile anschließend am Markt in der Hoffnung, sie später günstiger zurückkaufen zu können. Die Leihgebühren für Karstadt-Aktien lägen mittlerweile bei 4,5 Prozent jährlich, das beweise die starke Nachfrage von Hedge-Fonds, sagte der Banker. Üblich sind normalerweise Leihsätze von lediglich 0,2 bis 0,5 Prozent. Das Interesse von Leerverkäufern an geliehenen Karstadt-Aktien sei mittlerweile so groß, dass sich kaum noch Leihgeber fänden, die ihre Aktien zur Verfügung stellten, bestätigte der deutsche Aktienhandelschef einer Großbank. Mittlerweile seien die Kursverluste von Karstadt deutlich übertrieben.

Karstadt plant bis Ende des Jahres eine Kapitalerhöhung um 500 Mill. Euro. Die beteiligten Banken haben dafür einen Mindestkurs von 4 Euro je Aktie garantiert, zum Zeitpunkt der Bekanntgabe entsprach das einem Abschlag von mehr als 60 Prozent auf den aktuellen Kurs. „Der außergewöhnlich hohe Rabatt war quasi eine Einladung an die Hedge-Fonds, auf fallende Kurse zu wetten“, meinte ein Frankfurter Investmentbanker. Zuletzt hatten Hedge-Fonds im Sommer den Reisekonzern Tui ins Visier genommen und mit Hunderten von Millionen Euro auf den Abstieg aus dem Deutschen Aktienindex und damit auf fallende Kurse gewettet.

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