Spezielle Klausel schützt Anleger
Experten stufen Tui-Anleihen als attraktiv ein

Spekulationen über ein Interesse von Finanzinvestoren am Reise- und Schifffahrtskonzern Tui machen den Anleiheinvestoren offenbar keine Sorgen. Die Kurse der Tui-Bonds sind seit Juni wieder gestiegen und die Renditen im Gegenzug gesunken. Auch Berichte, wonach Aktionäre eine Aufspaltung des Konzerns in die Bereiche Touristik und Schifffahrt fordern, lassen den Bondmarkt kalt. Der Grund dafür liegt auf der Hand.

FRANKFURT. Die ausstehenden Tui-Anleihen mit fester Laufzeit haben eine so genannte Change-of-Control-Klausel. Danach bekommen Anleger die Bonds zum Kurs von 101 Prozent zurück, wenn ein Investor mehr als die Hälfte der Tui-Anteile übernimmt. „Von daher sind Anleger in Tui-Bonds gut abgesichert“, sagt Carmen Hummel, Analystin für Unternehmensanleihen bei der Hypo-Vereinsbank (HVB).

Abgesehen davon hält Hummel die Spekulationen um eine Aufspaltung des Konzerns für haltlos. Tui hat erst vor gut einem Jahr die Reederei CP Ships für rund zwei Mrd. Euro übernommen und sich damit neben der Touristik ein zweites Standbein in der Container-Schifffahrt geschaffen. „Tui ist noch dabei, diese Akquisition in den Konzern zu integrieren und würde bei einer Abspaltung zum jetzigen Zeitpunkt Geld verlieren“, betont Hummel.

Dies könne auch nicht im Sinn der Aktionäre sein. Die Renditen der Tui-Anleihen sind in diesem Jahr deutlich gestiegen – vor allem deshalb, weil sich auch die Renditen für Staatsanleihen erhöht haben (siehe „Anleihen im Vergleich“). Der Risikoaufschlag – also der Renditeabstand zwischen den Tui-Bonds und entsprechenden Staatsanleihen – ist nur leicht gestiegen. Anfang des Jahres bot der 2011 fällige Tui-Bond 1,8 Prozentpunkte mehr Rendite als die vergleichbare Bundesanleihe, inzwischen sind es 2,2 Punkte.

Der hohe Risikoaufschlag im Vergleich zu Staatsanleihen ist auch darauf zurückzuführen, dass die Ratingagenturen Tui nur knapp unterhalb des vergleichsweise sicheren Investment-Grade einstufen. Die Anleihen gelten somit als Junk-Bonds. Der Kauf von CP Ships hat die Verschuldung des im Deutschen Aktienindex (Dax) notierten Konzerns so erhöht, dass ein Investment-Grade-Rating nicht in Frage kam. „Trotzdem verbessern sich die Finanzkennzahlen“, meint HVB-Analystin Hummel.

Sie hält die Tui-Bonds auch für Privatanleger für interessant. Dass Tui seine Verbindlichkeiten nicht bedienen könne, sei so gut wie ausgeschlossen. Auch die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) bezeichnet die Risikoaufschläge als attraktiv. Zwischenzeitliche Kursverluste der Bonds sind aber nicht auszuschließen, zumal die Tui-Anleihen auf schlechte Nachrichten relativ stark reagieren. Joshua Galaun, Analyst für Unternehmensbonds bei Dresdner Kleinwort, rät deshalb, mit einem Kauf noch zu warten, bis Tui am 9. November Quartalszahlen vorlegt.

HVB und DZ Bank halten dagegen für professionelle Investoren schon jetzt den 2012 fälligen mit 5,125 Prozent verzinsten Bond von Tui für besonders attraktiv. Der Kurs dieser Anleihe liegt bei nur gut 96 Prozent und hat nach Einschätzung der Experten somit noch Potenzial. Für Privatanleger kommt diese Anleihe jedoch kaum in Frage, da sie eine Mindeststückelung von 50 000 Euro hat. Der 2011 fällige Bond ist hingegen ab 1 000 Euro zu haben.

Andrea Cünnen
Andrea Cünnen
Handelsblatt / Finanzkorrespondentin
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