Sportartikelbranche
Nach der WM ist vor der WM

Keine Fußball-WM, keine Olympischen Spiele... 2007 ist ein typisches Durchgangsjahr für die Sportartikelbranche. Doch Übernahmephantasien treiben dennoch die Kurse der großen Hersteller.

FRANKFURT. Das Angebot des französischen Luxusgüterkonzerns PPR an die Pumaaktionäre hat eine neue Runde an den internationalen Märkten eingeläutet. Im Sog von Puma haben die beiden Schwergewichte Nike und Adidas, aber auch die weniger eventgetriebenenen Spezialanbieter aus der zweiten Reihe wie Amer, Quicksilver und Asics in den vergangenen Wochen alle zugelegt.

Die Phantasien dürften etwas übertrieben sein. Denn die Branche ist bereits weitgehend konsolidiert. „Der Konzentrationsgrad ist schon extrem hoch“, sagt Jörg Frey, Analyst bei Sal. Oppenheim. Einzig die Nummer sechs weltweit, Asics, Spezialist für Laufschuhe, sei aufgrund ihres hohen Marktanteils im Laufsegment noch als Übernahmekandidat interessant.

Adidas dürfte sich jedenfalls aus dem Übernahmekarussell für eine Weile verabschiedet haben. Grund dafür ist die nur langsam fortschreitende Integration von Reebok. Den US-Hersteller hatten die Deutschen bereits im August 2005 für drei Mrd. Euro übernommen. „Momentan gibt es noch sehr viel Arbeit auf der Baustelle Reebok“, sagt Frey. Die Umsätze gehen bei der amerikanischen Adidastochter weiter zurück. Im zweiten Halbjahr will Adidas mit der Einführung neuer Produkte im Lifestylesegment, bei Frauenfitness und beim Laufen mit Reebok den Turnaround schaffen. „Bisher ist dies wenig sichtbar“, sagt Frey. Die Research-Abteilung von der HVB ist etwas optimistischer. Dank der neuen Strategie könne es bei Reebok echte Fortschritte geben. In ihrer aktuellen Studie empfiehlt die HVB Adidas mit einem Kursziel von 48,20 Euro zum Kauf. Aktuell liegt der Kurs bei rund 44 Euro.

Wenig falsch machen können momentan die Aktionäre von Puma. „Durch das Angebot von PPR in Höhe von 330 Euro pro Aktie ist der Kurs nach unten gut abgesichert“, sagt Martina Noss, Analystin von der NordLB. Bei einem aktuellen Kurs von rund 338 Euro werden die Franzosen aber nochmal nachbessern müssen, wenn sie tatsächlich die Mehrheit bei Puma übernehmen wollen. Ein Bietergefecht halten die Experten dabei für äußerst unwahrscheinlich, auch wenn es immer wieder Gerüchte im Markt gegeben habe, dass Marktführer Nike an Puma interessiert sei. „Ein Dritter müsste in dieser Konstellation das Angebot noch mal um 15 bis 20 Prozent erhöhen“, sagt Noss. Außerdem müsse sich der Bieter auch noch mit PPR einig werden, die bereits 27,1 Prozent der Puma-Papiere halten. Die Puma-Aktionäre hätten sicher nichts einzuwenden. Schon jetzt haben sie seit Anfang April eine Rendite von mehr als 23 Prozent eingefahren.

Nike

Marktführer Nike versucht derweil auch im Fußball die Nummer eins zu werden. Mit dem Angebot an den Deutschen Fußball-Bund für 50 Mill. Euro pro Jahr die deutsche Nationalmannschaft auszurüsten, greifen die Amerikaner Adidas auf deren Heimatmarkt an. Trotz des hohen Preises für zusätzliche Marktanteile ist das Angebot aus strategischer Sicht sinnvoll. „Ein Ziel hat Nike schon erreicht, auch wenn sich der DFB für Adidas entscheidet: Für Adidas wird es teurer“, sagt Noss. Analysten von Goldman Sachs sehen Nike klar auf Wachstumskurs. Dafür sprächen gute Zahlen bei den Bestellungen.

Im dritten und im vierten Quartal werden auch die Orderbücher von Puma und Adidas wieder besser gefüllt sein. Denn Peking 2008 und die Fußball-EM in der Schweiz und Österreich werfen ihre Schatten voraus. Gerade Adidas, Hauptausstatter der Olympischen Spiele, könnte sich nächstes Jahr in China als Marktführer etablieren. „Das wäre wichtig für sie, weil Asien die größten Wachstumschancen bei Sportartikeln bietet“, sagt Noss.

Bis auf zwei Verkaufsempfehlungen bei Adidas empfiehlt derzeit kein Experte, die Aktien der Sportartikelhersteller abzustoßen. Doch billig sind sie nicht mehr. Ihr Kurs-Gewinn-Verhältnis bewegt sich um 20, nur Adidas ist mit 18 etwas günstiger.

Til Knipper
Til Knipper
Handelsblatt / Redakteur
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