Sportfinanzierung

Die heimlichen Gewinner unter den Fußball-Aktien

Aktien von Fußballclubs haben ihren Besitzern in der Vergangenheit selten Glück gebracht. Doch die Aktie von Borussia Dortmund zeigt, dass es wieder aufwärts gehen kann. Jetzt könnte sogar die Deutsche Bank einsteigen.
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Dortmunder Fans im Stadion: Der BVB ist der erste deutsche Fußballclub im S-Dax. Quelle: dpa

Dortmunder Fans im Stadion: Der BVB ist der erste deutsche Fußballclub im S-Dax.

(Foto: dpa)

Düsseldorf/DortmundEs ist der 31. Spieltag, ein Samstag im April, an dem Borussia Dortmund wie so oft in den vergangenen Jahren die selbst gesteckten Saisonziele erreicht hat: Drei Spieltage vor Ende der Saison liegen die Schwarz-Gelben nach einem 4:2 Sieg gegen den FSV Mainz 05 zehn Punkte vor dem direkten Verfolger Bayer Leverkusen. Die Champions-League-Teilnahme ist den Borussen in diesem Moment nicht mehr zu nehmen. Für den Klub bedeutet das vor allem eines: Auch im kommenden Geschäftsjahr sind üppige TV-Einnahmen aus dem internationalen Geschäft garantiert. Das Startgeld in der Champions-League beträgt knapp neun Millionen Euro, mehr als 70 Millionen Euro bekommt der Sieger des Endspiels. Auf dem Weg dorthin gibt es weitere Millionen zu verdienen. Es ist der ganz große Geldtopf für Fußballvereine und ihre Macher.

Für eine Fußball AG wie Borussia Dortmund sind solche Einnahmen aus dem internationalen Geschäft nicht nur wichtig, sondern die Voraussetzung dafür, dass der teure Spielerkader gehalten und vielleicht sogar noch ausgebaut werden kann. Das Merchandising-Geschäft bleibt international, durch die internationalen Auftritte locken weiterhin lukrative Sponsoren- und Werbeverträge. Für Aktionäre der BVB-Aktie hätten die dem Wochenende folgenden Handelstage an der Börse deshalb eigentlich ein Freudenfest sein müssen. Doch es passierte – nichts. Zwischen Mitte März und Ende April verlor die BVB-Aktie sogar 5,7 Prozent an Wert. Die endgültige Champions-League-Qualifikation und die damit verbundenen Erlösaussichten ließen die Börsianer kalt.

Borussia Dortmund – ein Börsendrama in schwarz-gelb
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Borussia Dortmund war der erste und ist immer noch der einzige deutsche Fußballverein, der an der Börse notiert ist. Seit mehr als zwölf Jahren gibt es die Papiere des Traditionsklubs zu kaufen. Wer von Beginn an auf die schwarz-gelbe Aktie gesetzt hat, musste herbe Verluste einfahren. Die jüngsten Erfolge der Mannschaft aus dem Ruhrpott wecken allerdings die Hoffnung, dass es auch für den Aktienkurs wieder nach oben geht.

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Kurz vor der Jahrtausendwende feierten die Dortmunder ihre größten sportlichen Erfolge. 1997 gewann die Mannschaft um Jürgen Kohler, Andreas Möller und Stefan Reuter die Champions League, im Endspiel wurde Juventus Turin geschlagen. Im Anschluss holten die Borussen unter Trainer Ottmar Hitzfeld auch noch den Weltpokal. Die anhaltenden Erfolge spülten reichlich Geld in die Kasse, gleichzeitig konkretisierten sich die Pläne für einen Börsengang.

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Am 31. Oktober 2000 war es soweit: Borussia Dortmund notierte an der Börse. Der damalige Präsident Gerd Niebaum (r.) und Ex-BVB-Manager Michael Meier posierten stolz vor dem Frankfurter Handelssaal. Die Erstemission brachte einen Erlös von rund 130 Millionen Euro (260 Millionen Mark).

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Für umgerechnet elf Euro konnten sich die Anhänger des Vereins mit Anteilen an ihrem Lieblingsclub eindecken. Aber auch Kleinanleger ohne schwarz-gelbes Herz griffen zu, ebenso wie institutionelle Investoren. Doch gleich am ersten Tag kehrte Ernüchterung ein: Der Schlusskurs lag bei 10,05 Euro.

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Die PR-Maschine lief dennoch auf Hochtouren. Auch vor der BVB-Geschäftsstelle wurde mit einem großen Transparent für die Aktie geworben. Der Kauf des Papiers war für viele Anleger allerdings nicht nur eine Liebesbekundung an den Verein, sondern eine Investition in einen etablierten und zahlungsstarken Klub mit großen Ambitionen. Der Plan schien zunächst aufzugehen, 2002 wurde die sechste Deutsche Meisterschaft gefeiert - wenn auch am Saisonverlauf gemessen reichlich überraschend.

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Von da an machte sich die Aktie auf den Weg in den Keller. Dortmund verpflichtete teure Spieler, doch der sportliche Erfolg blieb aus. Die Schere zwischen Anspruch und Realität klaffte immer weiter auseinander. 2005 hatte die damalige Vereinsführung 118 Millionen Euro Schulden angesammelt. Um an Geld zu kommen, verkaufte der Club sein Stadion, um es danach überteuert zu mieten. Die Vereinsführung sprach von einer existenzbedrohenden Situation.

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Die Schuldigen an der finanziellen Misere waren schnell gefunden: Das Management. Präsident Gerd Niebaum trat in der Folge zurück. Das Amt von Manager Meier übernahm Hans-Joachim Watzke. Mehrfach drohte der Lizenzentzug, Anleger verkauften in Massen, der Kurs fiel ins Bodenlose.

Und das obwohl die Aktie Potential hat: Analysten vom Bankhaus Lampe und Close Brothers Seydler taxieren Kursziel der Borussia Dortmund-Aktie mittlerweile über 5 Euro und empfehlen „Kaufen“. Die Aufnahme in den S-Dax beflügelt das BVB-Papier geradezu - nach vielen Jahren knackte die Aktie wieder die Vier-Euro-Marke und legte um fast zehn Prozent zu. Erst Ende Mai hatte die Deutsche Börse der Aktie die Zulassung zum so genannten „Prime Standard“. Die aktuelle Marktkapitalisierung von rund 235 Millionen Euro - etwa 100 Millionen Euro weniger als der aktuelle Spielerkader auf dem Transfermarkt einbringen würde.

Einem Bericht des Wirtschaftsmagazins „Bilanz“ zufolge will nun sogar die Deutsche Bank bei Borussia Dortmund einsteigen und verhandelt mit dem Management über eine Beteiligung von zehn Prozent an dem Fußball-Club. Sprecher von Deutscher Bank und BVB lehnten eine Stellungnahme dazu ab.

Der Kurs der BVB-Aktie allerdings schon auch ohne die Deutsche Bank einen kräftigen Schub bekommen, sagte Marcus Silbe, Analyst von Close Brothers Seydler: „Mehr institutionelle Investoren werden einsteigen, etwa Fonds, die den Index abbilden.“ Der SDax-Aufstieg sei ein Zeichen, dass die BVB-Aktien keine reinen Liebhaber-Papiere mehr seien. „Sonst hätten sie nie das erforderliche Handelsvolumen erreicht. Fans verkaufen ihre BVB-Aktien ja eher nicht.“

Wer die Entwicklung von Fußball-Aktien genauer verfolgt, ist nicht erstaunt darüber, dass für deren Besitzer nicht nur Bilanzzahlen zählen. Oft spielen die Emotionen der Fans eine größere Rolle als die nackten Zahlen: Als sich beispielsweise Ende November vergangenen Jahres die Abwehrspieler Mats Hummels und Marcel Schmelzer verletzten, sackte der Kurs der Borussia-Aktie zwischenzeitlich um mehr als fünf Prozent ab. Als der Wechsel von Mario Götze zu Bayern München bekannt wurde, verlor die BVB-Aktie in den Folgetagen gar bis zu zwölf Prozent an Wert – trotz der gigantischen Ablösesumme von 37 Millionen Euro. Diese Reaktionen machen deutlich, dass ein nicht unerheblicher Teil der Aktien von Fans ge- und verkauft wird, denen der nächste Sieg auf dem grünen Rasen mehr bedeutet als die nächste Dividendenausschüttung.

Begeisterung und Ernüchterung in den Neunziger Jahren
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