Stahlkonzern
Thyssen-Krupp-Aktie geht auf Tauchfahrt

Neue Hiobsbotschaften statt Befreiungsschlag bei Thyssen-Krupp: Der Stahlkonzern wird zwar einen Verlustbringer los, doch alte Probleme holen den Konzern ein. Eine Kapitalerhöhung soll es nun richten. Die Aktie sackt ab.
  • 4

DüsseldorfErneut fährt der angeschlagene Stahlkonzern Thyssen-Krupp einen Milliardenverlust ein. Vorstandschef Heinrich Hiesinger bringt auf der Bilanzpressekonfernz am Samstag eine Kapitalerhöhung ins Spiel. Auch die Aufnahme neuer Schulden über eine Anleihe steht im Raum. Zudem muss Thyssen-Krupp seine Edelstahlsparte von Outokumpu zurückkaufen. Die Anleger quittieren das mit Missmut: Bis zum Nachmittag sackt die Thyssen-Aktie zeitweilig um neun Prozent ab. Die einzig positive Nachricht, die Hiesinger am Samstag in einer eilends einberufenen Pressekonferenz verkündete, geht in der Serie der Hiobsbotschaften um den Essener Konzern fast unter: Das Verlustwerk im US-Bundesstaat Alabama ist verkauft.

Doch während die US-Fabrik für rund 1,1 Milliarden Euro an Arcelor-Mittal und Nippon Steel geht, bleibt der deutsche Traditionskonzern auf dem zweiten Verlustbringer sitzen, dem Rohstahlwerk in Brasilien. Die Kosten für die Anlagen waren auf fast 13 Milliarden Euro explodiert. Mehr als acht Milliarden entfielen auf das Werk im Bundesstaat Rio de Janeiro, für das sich auch nur wenige interessiert hatten.

Die Werke hatten im abgelaufenen Geschäftsjahr erneut maßgeblich dazu beigetragen, dass Thyssen-Krupp das dritte Mal in Folge einen Nettoverlust einfuhr. Dieser war mit einem Fehlbetrag von rund 1,5 Milliarden Euro zwar deutlich niedriger als die fünf Milliarden Euro Miese im Jahr zuvor.

Die Lage etwas entspannen sollen nun weitere Einsparungen und eine Kapitalerhöhung. Wann diese kommen wird, ließ Thyssen-Krupp-Chef Heinrich Hiesinger offen. Mit der geplanten Erhöhung von bis zu zehn Prozent könnte der Konzern rund eine Milliarde Euro einnehmen. Angesichts der Schulden von fünf Milliarden Euro und einer Eigenkapitalquote von 7,1 Prozent – der mit Abstand niedrigsten eines Dax-Konzerns – könnten weitere folgen. Auch Hybrid- und Wandelanleihen gehörten zum Werkzeugkasten des Konzerns, sagte Finanzvorstand Guido Kerkhoff.

Die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) hält eine Kapitalerhöhung bei Thyssen-Krupp für sinnvoll. Die Banken hielten derzeit nur still, weil sie um ihre Kredite fürchteten, begründete dies DSW-Geschäftsführer Thomas Hechtfischer gegenüber Handelsblatt Online. Der Anlegerschutzverein gibt keine Empfehlung für eine Kapitalerhöhung ab. Letztlich komme es auf den Kurs an. Anleger müssten sich dabei entscheiden, ob sie an die Zukunft des Konzerns glauben.

Grundsätzlich sei der Konzern auf dem Weg der Besserung, urteilte Hechtfischer. Zuletzt hätten sich bei Thyssen-Krupp die guten und die schlechten Nachrichten die Waage gehalten. Entscheidend sei, ob Thyssen-Krupp vor einer Kapitalerhöhung das Risiko in Brasilien in den Griff bekomme und das dortige Rohstahlwerk verkaufen könne. Bislang gibt es für die Hochöfen aber noch keinen Käufer. Eine Anleihe als Alternative für eine Kapitalerhöhung hält Hechtfischer für unwahrscheinlich, weil diese Variante für Thyssen-Krupp deutlich teurer werden dürfte.

Skeptischer zeigen sich eine Reihe von Aktienanalysten. Sie haben umgehend reagiert und die Bewertung für die Thyssen-Papiere gesenkt. So rät ESN/Equinet Bank nun, die Thyssen-Krupp-Aktien zu verkaufen. Das sei ein Drama ohne Happy End, urteilte Equinet-Analyst Stefan Freudenreich. Vorher lautete die Empfehlung „reduzieren“. Auch Nomura-Analyst Neil Sampat senkte seine Empfehlung von „neutral“ auf „reduzieren“. Er bezweifele, dass die bisher bekannt gegebenen Maßnahmen das seien, was Thyssen-Krupp-Aktionäre sich unter einer strategischen Kehrtwende im Geschäftsjahr 2013/14 vorstellten.

Kommentare zu " Stahlkonzern: Thyssen-Krupp-Aktie geht auf Tauchfahrt"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • .......das, was beim U-Boot-Bau von Thyssen geleistet wurde und wird, z. B. den Wasserstoff-Antrieb und die technisch militärisch ohne Konkurrenz hergestellten U-Boote, dieses hätte Thyssen-Krupp auch beim Stahl bringen sollen. Also einen völlig neuen leichten Stahl, rostfrei für die Automobil-Industrie, einen Stahl made in Germany ohne Konkurrenz. Aber Massenstahl machen andere billiger und vielleicht sogar besser. Warum wurde nicht die Situation erkannt, also z. B. ein Rückgang bei den Autoherstellern. Und die wahnsinnige Größe der Werke. Größenwahn? Ja! Und so kommt die Bestrafung auf den Fuß........Und so fragt sich die Stiftung in Essen und woanders.....wie soll es weiter gehen?...............

  • Es ist schon beeindruckend, wie tief und lang andauernd die Folgewirkungen der geistig-moralischen Wende von 1982 sind. Aber es verwundert nicht. Immerhin hat ja die mindestens seit 1985 verkündete Karriererezeptur der Kohl-Genscher-Truppe genau beschrieben, was kommen würde: "Können? Können muss nicht sein. Kennen! Kennen muss sein!".

    Und so ist sie denn entstanden. Eine hybride Elite von größenwahnsinningen, schizioid-narzistischen Leistungsträgern, die heute noch immer als "Manager" tituliert werden, obwohl sie, vom Standpunkt der Praxis aus betrachtet, als neufeudalistischen Erbbesitzfeudalhöflinge und Cretins beschrieben werden müssten, wenn man denn deren Realleistungsfähigkeit zugrunde legen würde.
    Es wird wohl mit dem Neuen Deutschland und dessen Neuer Sozialen Marktwirtschaft in dem gesamtgesellschaftlichen Bankrott enden, in dem alle realleistungsunfähigen Feudalgesellschaften verenden. Bleibt zu hoffen, dass wir das in diesem Falle einmal ohne einen großen Krieg abarbeiten und die bedingungslose Kapitulation dieser Finanzspekulations-, -anlagenbetrugs-, Steuergestaltungs-, -vermeidungs- und -hinterziehungskriminalitätswirtschaft auf kalter Basis abwickeln können.

  • Wie konnte das passieren mit Topmanagern, die viel Boni kassieren?

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%