Starke Nachfrage nach Rohstoffen stärkt auch die Landeswährung
Ölboom treibt kanadische Aktien

Die starke Nachfrage nach Öl und Erdgas treibt den kanadischen Dollar und die Börse in Toronto derzeit rasant nach oben. Immer häufiger wird der Can-Dollar, vor einigen Jahren ein Schwächling im Devisenhandel, als „Petro-Dollar“ bezeichnet.

OTTAWA. Die 85 US-Cents, mit denen er aktuell gehandelt wird, war er letztmals Anfang der neunziger Jahre wert. Der führende Börsenindex in Toronto pendelt derzeit um die Marke von 11 000 Punkten. Damit liegt er knapp unter dem bisherigen Rekord von 11 388 auf dem Höhepunkt der Telekom-Euphorie im September 2000. Vor einer Woche, am 19. September, hatte der S&P/TSX Composite Index – wie der Leitindex offiziell heißt – mit 11 024 erstmals seit September 2000 wieder über 11 000 geschlossen.

„Der Dollar hat in den vergangenen Wochen den Spitznamen Petro-Dollar bekommen, und ich glaube, er ist berechtigt“, sagt Steve Butler, Devisenhändler von Scotia Capital, dem Investmentzweig der Bank of Nova Scotia. „Denn Öl und Gas waren in den vergangenen sechs bis acht Monaten ein großer Vorteil für den Can-Dollar“. Nach Einschätzung von George Davis, Analyst der Royal Bank of Canada (RBC), ist auf den Märkten die Wahrnehmung des kanadischen Dollar als Petro-Währung, dessen Stärke auf Öl und Gas basiert, deutlich gewachsen.

Mit steigendem Ölpreis werden Investitionen in der kanadischen Industrie und die Aktien der dort agierenden Unternehmen für in- und ausländische Investoren attraktiver. Damit fließt Geld nach Kanada. Zudem werden die Ölexporte in US-Dollar bezahlt, die in Can-Dollar transferiert werden. Beides stärkt die Nachfrage nach der Währung. Im Januar 2002 hatte der kanadische Dollar mit 62 US-Cents sein Allzeit-Tief erreicht. Seitdem hat er mehr als 35 Prozent zugelegt.

Analysten blicken nach dem Eindringen des „Loonie“ – so wird der Can-Dollar unter Devisenhändlern genannt - in den Bereich über 85 US-Cents auf die 90 Cents-Marke. Bei weiter starker Nachfrage schließen Experten die Möglichkeit, dass der kanadische Dollar im nächsten Jahr die 90 US-Cents erreicht, nicht aus. Sollten sich allerdings die Rohstoffpreise beruhigen, könnte sich auch der Can-Dollar etwas nach unten orientieren. Portfolio-Manager registrieren nach Einschätzung Butlers auch, dass Kanadas Staatshaushalt Überschüsse erzielt. Dass die Bank of Canada jetzt erstmals seit Oktober 2004 die Leitzinsen angehoben hat und weitere Erhöhungen zu erwarten sind, sei ein gutes Signal für Investoren.

Kanada erlebe einen Rohstoffboom, wie es ihn in den vergangenen 20 bis 30 Jahren nicht gegeben habe, sagt Aron Gampel von der Scotia-Bank: „Was im Boden ist, das wird rausgeholt“. Solange die Nachfrage aus China, Indien und anderen Ländern anhalte, werde Kanadas Wirtschaft davon profitieren.

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