Starkes Umsatz- und Gewinnwachstum in den USA schürt die Angst vor steigenden Zinsen
Anleger trauen den guten Zahlen nicht

Glänzende Zahlen haben die US-Konzerne bisher vorgelegt. Doch die Investoren hat das kalt gelassen. Die Aktienkurse bewegten sich in den letzten Wochen eher abwärts.

DÜSSELDORF. Die Anleger haben ihr Geld bereits weitgehend investiert und machen vorsichtshalber schon mal Kasse. Hinzu kommt die Furcht vor steigenden Zinsen – und fallenden Kursen. Analysten schätzen, dass es kaum besser wird. Die guten Zahlen seien in den Kursen längst enthalten.

82 Prozent der im Kursbarometer S&P 500 vertretenen US-Konzerne haben ihre jüngsten Quartalszahlen schon vorgelegt; im Schnitt erzielten sie Gewinnsteigerungen von 24 Prozent und Umsatzverbesserungen von elf Prozent, wie der Finanzinformationsdienst Standard & Poor’s berichtet. Die Gewinnprognosen wurden von zwei Dritteln der Konzerne übertroffen. Beeindruckender noch: Die Quartalsbilanzen haben in 80 Prozent der Fälle zu Aufwertungen der Aktien durch die Analysten geführt. „So etwas habe ich in meiner ganzen Karriere noch nicht gesehen“, sagt Marktstratege Andrew Lapthorne von Dresdner Kleinwort Wasserstein in London. „Es waren bis jetzt Rekordgewinne und Rekordumsätze“, bestätigt Howard Silverblatt von Standard & Poor’s. „Praktisch jeder schafft die erwarteten Zahlen.“ Doch der breit gefasste S&P-500-Index hat im April knapp zwei Prozent verloren. „Es herrscht vor allem Gleichgültigkeit“, sagt Chefstratege Tobias Levkovich von der Citigroup.

„Die Nachrichten sind fast zu gut“, begründet Chefhändler Art Hogan vom Brokerhaus Jefferies & Co. die lahme Reaktion, „das schürt Ängste vor steigenden Zinsen.“ Zwei Jahre lang seien Gewinnsteigerungen ja hauptsächlich durch Kostensenkungen zu Stande gekommen, jetzt rührten sie erstmals auch wieder von guten Umsatzwachstumsraten her. Dazu kämen hervorragende Konjunkturdaten. „Das alles deutet auf einen kräftigen Konjunkturanstieg und eine striktere Geldpolitik der Zentralbank hin“, meint Hogan. Auch Stratege Lapthorne sieht das Dilemma: „Gute Zahlen werden für Investoren jetzt zum Problem.“

Bei seiner letzten Ansprache im US-Kongress hatte Notenbankchef Alan Greenspan bereits die Möglichkeit einer Zinserhöhung angedeutet. Höhere Zinsen treiben die Kreditkosten der Unternehmen nach oben und schmälern damit die Gewinne. Außerdem machen sie Anleihen gegenüber Aktien attraktiver. In den Rechenmodellen der Analysten zur angemessenen Bewertung einer Aktie führt ein höherer Zins stets zu einem niedrigeren Kursziel.

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