Startup-Finanzierer geht an die Börse
Ein Hauch von Silicon Valley in Frankfurt

Mitten im Frankfurter Bahnhofsviertel präsentierte die German Startups Group in der „Alten Textilfabrik“ ihren Börsengang. Erinnerungen an den „Neuen Markt“ werden wach, aber dieses Mal soll alles anders werden.
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FrankfurtEs dürfte einer der letzten Börsengänge vor der Sommerpause werden. Trotz Griechenland-Krise und den Verwerfungen an den asiatischen Börsen hält das Management der German Startups Group Berlin (GSG) an seinen IPO-Plänen fest. Insgesamt gut 22 Millionen Aktien werden vom 8. Juli bis 16. Juli in einer Preisspanne von 2,70 bis 3,60 Euro angeboten. Der erwartete Netto-Emissionserlös inklusive der Mehrzuteilungsoption (Greenshoe) beträgt voraussichtlich 64 Millionen Euro.

Laut Vorstandschef Christoph Gerlinger partizipieren die Aktionäre mit den GSG-Aktien indirekt am Erfolg von insgesamt 43 Beteiligungen. Der Wert des Portfolios betrage 18,4 Millionen Euro, die erzielte Bruttorendite auf das bisher eingesetzte Eigenkapital bezifferte er auf 30,5 Prozent. Nach dem Bilanzierungsstandard IFRS wurde 2014 ein Gewinn von 1,4 Millionen Euro erwirtschaftet.

Die Aktionäre erhielten über die GSG einen Zugang zur Asset-Klasse „Deutsche Startups“, den ansonsten nur institutionelle Investoren, vermögende Business Angels oder Family Offices haben. Zu den bekanntesten Namen im Beteiligungsbesitz zählen Delivery Hero, eine Online-Plattform für Essenslieferdienste, sowie Mister Spex, ein Online-Shop für Brillen und Kontaktlinsen. Die Engagements sind aber mit 0,06 Prozent beziehungsweise 0,66 Prozent sehr gering.

Analogien zum „Neuen Markt“, in dem sich um die Jahrtausendwende zahlreiche Internet-Geschäftsmodelle als Flop herausgestellt hatten, sieht Gerlinger nicht. „Viele kamen damals zu früh an die Börse“, sagt Gerlinger, der bis 2002 im Vorstand des Computerspieleherstellers CDV saß und den Absturz des Nasdaq und des Neuen Marktes aus nächster Nähe erlebt hat. Damals habe es 100 Millionen Internet-Anschlüsse gegeben, überwiegend in den Büros, heute gebe es weltweit drei Milliarden, meistens mobil in der Westentasche, skizzierte er die Unterschiede im Umfeld für Technologieunternehmen heute und vor 15 Jahren.

Rund 70 bis 80 Prozent des Erlöses aus dem IPO sollen in neue Beteiligungen gesteckt werden, die bisherigen Mittel seien weitgehend aufgebraucht. Wer die Titel zeichnet, muss auf einen Wertzuwachs der Anteile in den Portfoliounternehmen hoffen, eine Dividende ist kurzfristig nicht zu erwarten. Man sei aber an mehreren Unternehmen beteiligt, „die wir für börsenreif halten“, so Gerlinger.

Eine „Peer Group“ mit börsennotierten Unternehmen im deutschsprachigen Raum gibt es nicht. Am ehesten kommt noch die Holdinggesellschaft Rocket Internet der Samwer-Brüder als Vergleich in Frage. Die Commerzbank führt das Emissionskonsortium an, Kaufangebote können aber auch direkt über ein Zeichnungs-Tool auf der Website des Unternehmens (www.german-startups.com) abgegeben werden.

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