Steigende Kurse trotz niedriger Ölpreise
Ölaktien: Hoffnung in rauer See

Der Optimismus der großen Ölgesellschaften spiegelt sich in den Aktienkursen der Unternehmen wider. Während der Rohölpreis nicht so recht von der Stelle kommt, haben die Aktien der Ölkonzerne schon einen guten Teil ihrer zuvor gesehenen Verluste wieder wettgemacht. Analysten sehen trotz skeptischen Blicks auf den Ölpreis noch Chancen.

DÜSSELDORF. Die Zahlen der Konzerne können sich trotz der enttäuschenden Entwicklung im Schlussquartal sehen lassen. Der US-Ölkonzern Exxon Mobil etwa erwirtschaftete im abgelaufenen Jahr einen Nettogewinn von über 45 Mrd. Dollar - so viel wie nie zuvor. Auch Chevron, die zweitgrößte Ölgesellschaft der USA, verdiente gut und wies einen Gewinn von fast 24 Mrd. Dollar aus. Bei Europas großen Konzerne sah es keineswegs schlechter aus. Zwar verbuchte Royal Dutch Shell den ersten Quartalsverlust seit zehn Jahren, unter dem Strich blieb aber ein Rekordgewinn von 31,4 Mrd. Dollar, und BP brachte es auf 21,1 Mrd. Dollar.

"Wir steuern durch raue See, doch so weit läuft es okay", sagte Jeroen van der Veer, Konzernchef von Royal Dutch Shell, bei der Bilanzpressekonferenz. Auch die Börsianer nahmen die Zahlen insgesamt positiv auf. Die Titel der Ölkonzerne konnten ihre zuletzt gesehenen Kursgewinne behaupten. Nach kräftigen Verlusten seit Ende April 2008 hatten die Aktien der Ölschwergewichte ihr Tief bereits im September erreicht und seither wieder zugelegt. Nur die Aktien von Total und Repsol hinken nach.

Die Aktionäre blickten nun vor allem darauf, "wie die Unternehmen mit der Krise umgehen und wie der Ausblick ausfällt", sagt Achim Wittmann, Analyst der Landesbank Baden-Württemberg. Daher habe sich das wegen des starken Ölpreisrückgangs enttäuschende vierte Quartal kaum im Kurs niedergeschlagen. Positiv habe sich beispielsweise die Ankündigung einer Dividendenerhöhung von Royal Dutch ausgewirkt. Es ist aber sehr unwahrscheinlich, dass die Konzerne in diesem Jahr erneut Rekordgewinne einfahren werden. Dagegen stehen allein schon die Ölpreisprognosen. Die Korrelation zwischen Ölpreis und Aktienkurs der Ölgesellschaften ist eng: 70 bis 80 Prozent der Erträge werden im Fördergeschäft erwirtschaftet.

Öl war Anfang Juli 2008 mit über 140 Dollar je Barrel (159 Liter) so teuer wie nie zuvor. Die konjunkturelle Eintrübung hatte den Preis dann auf eine Talfahrt geschickt. Anfang Dezember kostete das Barrel in London weniger als 40 Dollar, nachdem die Nachfrage wegbrach. Eine Erholung ist bislang nicht in Sicht. Die Internationale Energieagentur (IEA) hat vor kurzem ihre Nachfrageprognose weiter gesenkt und erwartet nun für 2009 wegen der globalen Wirtschaftskrise einen Rückgang des Weltölverbrauchs um 980 000 Barrel am Tag. In der Vorschätzung war die IEA nur von einem Rückgang um 500 000 Barrel ausgegangen.

Eine nachhaltige Wende am Ölmarkt wird erst eintreten, wenn sich der wirtschaftliche Ausblick wieder bessert. Experten rechnen daher mit einer Seitwärtsbewegung der Preise auf dem aktuellen Niveau. Das für Europa wichtige Brentöl schwankt seit Jahresbeginn zwischen 40 und 50 Dollar und hat offenbar einen Boden gefunden.

Die Ölkonzerne müssen sich zunächst auf magerere Zeiten einstellen, Analysten raten dennoch zum Kauf. "Die Unternehmen sind finanziell solide und stabil aufgestellt und könnten das verkraften", sagt Wittmann. Besonders die großen Konzerne wie BP oder Total verfügten über eine "gute finanzielle Grundlage", um die aktuelle Krise durchzustehen. Auch seien sie gut diversifiziert. Positiv wertet der LBBW-Experte, dass die Konzerne Dividendenkontinuität anstreben, selbst wenn dies mit einer gewissen Verschuldung erkauft werden müsse. Vorsichtig ist er bei der norwegischen Statoil, deren Kurs am stärksten mit dem Ölpreis korreliert ist.

Auch die Citigroup setzt auf die Aktien der großen Unternehmen im Ölsektor. Die US-Bank rät unter anderem zum Kauf von BP, Kursziel 5,60 Pfund, Royal Dutch Shell, Kursziel 18,40 Pfund, und Total, Kursziel 48 Euro. SEB-Analyst Stipo Bralo ist zurückhaltender. "Wir rechnen mit einer weiteren rezessionsbedingt sinkenden Ölnachfrage", sagt er. Das Kursziel hat er auf von 22 auf 19 Euro gesenkt.

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