Steigender Einfluss
Hedge-Fonds forcieren Börsengänge

Hedge-Fonds spielen für den Erfolg eines Börsengangs (IPO) eine immer größere Rolle. Das geht aus Berechungen führender europäischen Emissionsbanken hervor. Zwischen 20 und 30 Prozent der Gesamtnachfrage nach neuen Aktien könne derzeit bereits von dieser Investoren-Gruppe kommen, schätzt die US-Investmentbank Goldman Sachs.

LONDON / FRANKFURT. Hedge-Fonds beeinflussten beispielsweise den umstrittenen Börsengang des russischen Ölriesen Rosneft vor wenigen Wochen. Die Emission des russischen Ölkonzerns war mit einem Volumen von 10,4 Mrd. Dollar die mit Abstand größte im laufenden Jahr. Weil vielen Investmentfonds und Pensionskassen die Bewertung zu hoch war, verkaufte Rosneft rund die Hälfte seiner Aktien an strategische Investoren aus der Ölindustrie wie den britischen BP-Konzern. Nach Informationen aus Finanzkreisen ging ein großer Teil der restlichen Anteile an Hedge-Fonds.

Ebenfalls auffällig: Hedge-Fonds sind als Investoren bei den Emissionsbanken nicht weniger beliebt als gewöhnliche Investmentfonds. „Sie steuern oft sehr große Orders bei und geben ihre Anteile auch nicht unbedingt schneller wieder ab als andere Investoren“, sagt Goldman-Sachs-Direktor Christoph Stanger.

Auch der Eindruck, Hedge- Fonds seien an besonders spekulativen Neuemissionen interessiert, sei falsch. Gerade bei extrem konservativen Titeln wie der österreichischen Post sei deren Interesse besonders groß gewesen, erklärt Goldman Sachs. Das einstige Staatsunternehmen versprach vor der Emission im Mai laut Analystenberichten lediglich ein jährliches Umsatzwachstum von einem Prozent. Dafür lockte es mit einer jährlichen Dividendenrendite von fünf Prozent.

Weil das Interesse der gewöhnlich sehr verschwiegenen und wenig regulierten Hedge-Fonds auch in Zukunft vorhanden sein dürfte und sich die Märkte nach dem Kursrutsch im Mai und Juni etwas stabilisiert haben, geht die Mehrzahl der Banker auch davon aus, dass sich der positive Trend aus dem ersten Halbjahr fortsetzt. Noch vor wenigen Wochen gab es Befürchtungen, die IPO-Konjunktur könnte erlahmen. Im Juni waren in Europa innerhalb von drei Tagen sieben Börsengänge mit einem Wert von 2,2 Mrd. Dollar abgesagt worden. Im gesamten Monat zogen die Banken elf Emissionen im Volumen von 4,2 Mrd. Euro zurück – fast doppelt so viel wie in den Monaten Januar bis Mai insgesamt.

Nun zeichnet sich eine Trendwende ab. Der Beschichtungs-Spezialist ITN Nanovation holt am heutigen Freitag seinen im Juni verschobenen Börsengang nach. Auch Wacker Construction, deren Emission im Juni ebenfalls abgesagt worden ist, will bald den zweiten Versuch starten. Der nächste große deutsche Börsenkandidat ist die Infineon-Tochter Qimonda mit einem Emissionsvolumen von bis zu 1,15 Mrd. Dollar. Die Erstnotiz ist vermutlich am 8. August in New York.

„Natürlich sind die Risiken gestiegen“, meint ein Londoner Investmentbanker. Dennoch gibt es nach wie vor eine lange Warteschlange. Die meisten Emittenten hätten akzeptiert, dass sich nicht mehr so hohe Bewertungen durchsetzen ließen wie zuletzt.

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