Stephane Chossat
„Der Staat verschreckt die Anleger“

Stephane Chossat ist Fondsmanager bei Edmond de Rothschild Asset Management. Im Interview spricht er über die Zukunft der GDF-Aktie.

Handelsblatt: Nach einem furiosen Start dümpelt die GDF-Aktie vor sich hin. Warum?

Stephane Chossat: Es gibt ein Problem mit der Glaubwürdigkeit des Staates als Regulierer. Beim Börsengang hieße es, die Anpassung der Gaspreise für Privatkunden sollten per Formel festgelegt werden. Drei Monate danach stoppt die Regierung aus rein politischen Gründen die Preiserhöhung. Das hat die Anleger verschreckt. Von dieser Entscheidung sind allerdings nur 25 Prozent der Vertriebstochter von GDF betroffen; bei 75 Prozent der Kunden laufen die Preiserhöhungen ohne Probleme.

Das politische Risiko ist jetzt also im Kurs enthalten?

Ich glaube schon. Die Aktie erscheint derzeit nicht unbedingt billig, ich halte sie für angemessen bewertet.

Angesichts des hohen Cash Flows könnte GDF leicht die Dividende massiv erhöhen?

Das ist richtig, dürfte aber nicht vor 2008 oder 2009 geschehen. Auch dies hat politische Gründe. Der Börsengang des Staatsversorgers GDF war bei den Gewerkschaften umstritten und wurde damit begründet, GDF neue Mittel für seine Entwicklung zu geben. Daher ist es politisch heikel, kurzfristig die Dividende für die Aktionäre zu erhöhen, sprich, das Geld wieder auszuschütten. Anleger, die auf eine Dividendenerhöhung setzen, sollten einen langen Atem mitbringen.

Neben der Dividendenphantasie, was spricht noch für GDF?

Das Unternehmen hat den Gasbezug breit diversifiziert und ist wenig von Russland abhängig. Hinzu kommt, dass der französische Regulierer den Netz-Aktivitäten eine Verzinsung von sechs Prozent erlaubt. Das ist höher als im europäischen Schnitt.

Die Fragen stellte Holger Alich.

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