Steuergutschrift macht Schwellenländer-Bonds attraktiv
Risikoanleihen locken mit Steuervorteilen

Zu schön um wahr zu sein – eine Steuer, die keine Löcher ins Portemonnaie reißt, sondern es füllt. Doch es gibt sie: Sie heißt fiktive Quellensteuer. Gezahlt wird in Form einer Steuergutschrift auf Zinsen aus Anleihen einiger Entwicklungs- und Schwellenländer für eine Quellensteuer, die diese Staaten von Anlegern mit Wohnsitz in Deutschland überhaupt nicht einbehalten. Gedacht war dies als eine Art indirekter Entwicklungshilfe.

DÜSSELDORF. Allerdings gibt es die Gutschrift nur, wenn die Zinseinnahmen nicht ohnehin in Deutschland steuerfrei sind. „Solche Anleihen lohnen nur für Leute, deren Zinseinnahmen über dem Sparerfreibetrag liegen“, sagt Steffen Schiedewitz, Anlagestratege bei der Commerzbank. Geregelt ist die fiktive Quellensteuer in den jeweiligen Doppelbesteuerungsabkommen (DBA) mit diesen Staaten.

Zu den wichtigen Emittenten zählen Brasilien (20 Prozent fiktive Quellensteuer), Türkei (zehn Prozent) und Portugal (15 Prozent). Zwar ist das EU-Mitglied Portugal kein Schwellenland mehr. Doch so lange das DBA nicht geändert ist, bleibt es bei der fiktiven Quellensteuer. Vorteil für risikoscheue Anleger: Portugiesische Staatsanleihen bekommen gute Noten von den Rating-Agenturen – z.B. „Aa2“ von Moody's.

Dagegen sind türkische- und brasilianische Staatstitel wie die meisten Anleihen, auf die es fiktive Quellensteuer gibt, samt und sonders dem hochriskanten spekulativen Bereich zuzuordnen. Und um solche Schwellenländer-Anleihen machen die Vermögensberater der Banken einen Bogen, seit Privatanleger mit Argentinien-Anleihen viel Geld verloren haben und die Banken dafür mitverantwortlich machen. Argentinien ist zahlungsunfähig. Wer keine Zinsen bekommt, bekommt auch keine Quellensteuergutschrift.

Aktiv verkauft würden Anleihen mit fiktiver Quellensteuer nicht, versicherten mehrere Kreditinstitute auf Nachfrage. Offensichtlich wird dem Verführungsargument Steuervorteil weniger nachgegeben. „Die steuerliche Optimierung eines Portfolios kommt erst zum Schluss“, sagt Citibank-Sprecher Matthias Dezes. Zuvor werde das Portfolio nach Anlagezielen, -höhe und -dauer sowie der Risikobereitschaft des Kunden zusammengestellt, beschreibt er, was auch für andere gelten dürfte.

"Der erste Blick gilt der Bonität"

So reizvoll der Steuervorteil auch sein mag – Stefan Schleicher, Produktmanager bei der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW), sagt dennoch: „Der erste Blick gilt der Bonität des Emittenten.“ Und selbst wenn sie einwandfrei ist, wäre es falsch, die Anleihe mit dem höchsten Kupon zu wählen, nur weil die auch die höchste absolute Steuergutschrift verspricht. Bei dem gegenwärtig niedrigen Zinsniveau notieren Anleihen um so höher über pari, also zu Kursen über 100 Prozent, je höher ihr Kupon und je näher das Laufzeitende ist. Die Folge: Die Rendite liegt deutlich unter ihrer Verzinsung. Doch nicht nur das: Für eine fixe Anlagesumme gibt es von dieser Anleihe weniger Stücke als von einem niedriger notierenden Titel, so dass am Ende auch die Zinszahlungen an den Anleger niedriger ausfallen können. Denn die nehmen die 100 Prozent als Grundlage. Deshalb empfiehlt Christoph Hott, Leiter Privat Banking bei Sal. Oppenheim: „Die Anleihe sollte zu pari notieren.“

Obendrein sollte sie liquide sein, was die Auswahl noch weiter einschränkt. Rege gehandelt wird beispielsweise eine bereits im August 2004 fällige Portugal-Anleihe mit einem Kupon von 3,625 Prozent (ISIN: PTOTECOE0002). Zwar liegt der Kurs nur bei rund 101, doch es ist auch nur noch eine Zinszahlung offen, was die Rendite auf mageren 2,4 Prozent runter zieht. Anders der 2009 fällige 3,95-Prozenter (ISIN: PTOTECOE0011): Die Rendite beträgt rund 3,8 Prozent, doch am Markt geht kaum Material um.

Und wer den richtigen Titel gefunden hat, muss noch im Kampf mit der Bürokratie bestehen. In manchen Ländern ist die Freistellung von der Quellensteuer noch an mehr Bedingungen als den deutschen Wohnsitz geknüpft. Portugal und Brasilien gehören nicht dazu. Doch verlangt Portugal immer wieder einen Wohnsitznachweis. Das kostet Zeit und Geld. „Für den Anleger lohnt sich das nur, wenn es die Bank umsonst macht“, sagt ein Banker, der lieber ungenannt bleiben möchte. Anders drückt es LBBW-Experte Schleicher aus: „Anleihen mit fiktiver Quellensteuer sind für Kleinanleger ungeeignet – der Aufwand lohnt nicht.“

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