Strategen prophezeien dem Klinikbetreiber eine rosige Zukunft
Analysten loben die Marseille-Aktie

Mit dem Ausbau von Altenpflege-Einrichtungen setzt die Marseille Kliniken AG auf einen lukrativen Markt. Die Umsätze dürften in den nächsten Monaten und Jahren anziehen, meinen Analysten. Weil die Aktie mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von elf derzeit zudem sehr günstig bewertet ist, raten Experten zum Kauf des Wertpapiers.

DÜSSELDORF. Das Unternehmen steht im Prinzip auf zwei Säulen: Rehabilitation und Pflege. Im Rehabereich leidet das Unternehmen, wie auch seine Konkurrenten, unter dem Sparzwang im Gesundheitswesen. Klinikbetreiber beklagen eine rückläufige Auslastung ihrer Kapazitäten und steigende Kosten. Im Geschäftsjahr 2004/2005 fuhr Marseille in diesem Bereich einen Verlust von 3,6 Mill. Euro (Vorjahr: vier Mill. Euro) ein. „Die Sanierung des Bereichs ging im letzten Jahr kaum voran“, bemängelt Oliver Drebing, Analyst bei SES Research. „Nach und nach wird dieser Bereich allerdings verkleinert und damit auch die Belastung für den Gesamtkonzern geringer“, ist sich Matthias Schrade, Analyst bei GSC Research sicher.

Im zweiten Geschäftsfeld der Marseille Kliniken, der Betreuung alter Menschen, läuft das Geschäft dagegen rund. Von Jahr zu Jahr wird der Umsatz ausgebaut. Zudem ist dieser Bereich sehr lukrativ. „Ein Umsatzanstieg von 50 Prozent führt zu einer Verdreifachung des Gewinns“, sagt Schrade. Deshalb baut die Marseille Kliniken AG dieses Geschäftsfeld auch weiter aus. Im aktuellen Geschäftsjahr wurden zwei neue Einrichtungen mit 238 Betten eröffnet. Zudem erhöht das Unternehmen seine Kapazitäten im Bereich „Betreutes Wohnen“. 750 Wohneinheiten wurden im aktuellen Geschäftsjahr eröffnet. „Vor allem Marseille kann in diesem Bereich gewinnbringend arbeiten, weil sie durch ihre Größe vergleichbar wie ein großer Hotelbetreiber günstig einkaufen kann und weniger Personalkosten hat“, sagt Schrade.

Zwar gehört die Marseille Kliniken AG neben öffentlichen Betreibern zu den größten Teilnehmern in dem für die Zukunft wichtigen Markt der Altenbetreuung, doch wurde dies vom Anleger bisher nicht berücksichtigt. Der Aktienkurs schwankt seit Mai dieses Jahres lediglich zwischen 9,50 und 11,25 Euro. Zurückzuführen sei dies möglicherweise darauf, dass der Firmengründer Ulrich Marseille in den vergangenen Monaten für Negativschlagzeilen sorgte, sagt Oliver Drebing.

Die Staatsanwaltschaft ermittelt seit einigen Monaten gegen den Gründer und Hauptaktionär der Marseille Kliniken wegen Bilanz- und Urkundenfälschung. „Die Vorwürfe richten sich zwar nicht gegen das Unternehmen selbst, trotzdem fallen die Vorwürfe gegen Ulrich Marseille auf die Klinikgesellschaft zurück. Das ist ein dauerhafter Belastungsfaktor und führt zu einem Imageschaden für die Klinik“, sagt Schrade. Wenn der Fall aus den Schlagzeilen wieder verschwunden sei, würde es auch mit dem Aktienkurs wieder aufwärts gehen.

Für die Analysten Schrade und Drebing gehört die Marseille Kliniken AG zu den Topfavoriten am deutschen Markt. Schrade empfiehlt Anlegern die Kursschwäche auszunutzen und jetzt einzusteigen. Die Aktie koste derzeit lediglich 11,25 Euro. Zum einen sei hinsichtlich des zu erwartenden operativen Wachstums von dem Klinikbetreiber noch einiges zu erwarten. Zum anderen könnten „Übernahmephantasien den Aktienkurs beflügeln.“

Die Marseille Kliniken seien nämlich prinzipiell auch für ausländische Investoren interessant. „Der Pflegemarkt ist lukrativ und Marseille in Deutschland einer der großen Player“, sagt Schrade. Mit Beverly Enterprises aus den USA sowie Sunrise aus Großbritannien gebe es zwei große und finanzstarke Unternehmen, die eine Übernahme stemmen könnten. Allerdings müsste der Hauptaktionär Ulrich Marseille dafür eigene Anteile abgeben, da sich lediglich 25 Prozent der Wertpapiere in Streubesitz befinden.

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