Strategieschwenk enttäuscht Deutsche-Bank-Aktie dritten Tag im Minus

In den Augen vieler Anleger ist die Deutsche Bank ein Hasenfuß: Drastische Einschnitte wagt das Kreditinstitut nicht, nur die Postbank wird verkauft. Die Börsianer machen Ärger Luft – und lassen die Aktie abstürzen.
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Das Kreditinstitut hat mit seiner neuen Strategie viele Anleger enttäuscht. Quelle: AFP
Deutsche Bank:

Das Kreditinstitut hat mit seiner neuen Strategie viele Anleger enttäuscht.

(Foto: AFP)

DüsseldorfNach sechsmonatiger Prüfung legte die Deutsche Bank am Montag ihre neue Strategie vor. Das Fazit vieler Investoren: Sie hatten eine radikalere Kursänderung erwartet und sind enttäuscht. Die Pläne zum Umbau der Deutschen Bank konnten die Anleger nicht überzeugen.

Die Aktien verloren daraufhin am Montag in der Spitze 5,8 Prozent. Am Dienstag setzte sich der Abwärtstrend fort: Die Papiere notierten zeitweise bei einem Zwei-Monats-Tief von 28,83 Euro und schlossen mit einem satten Minus von 3,7 Prozent. Und auch am Mittwoch stießen die Anleger die Aktien scharenweise ab – zeitweise verloren sie weitere 0,50 Euro. Am Vormittag notierten die Papiere 0,4 Prozent im Minus bei 28,90 Euro.

Die frechsten Zitate der Deutsche-Bank-Händler
„Dann schauen wir mal, dass wir ihnen noch etwas mehr wehtun können“
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„Tiefer, mein Freund, tiefer!“: Mit diesen Worten wandte sich im September 2005 ein Fondsmanager aus London an einen Kollegen – und wollte den Zinssatz für den US-Dollar Libor damit drücken. Für die Deutsche Bank endeten die Zinsmanipulationen von Libor und Euribor nun mit einem Vergleich über 2,5 Milliarden Dollar. Die US-Aufsichtsbehörde CFTC hat Chatprotokolle der Bank-Händler ausgewertet. Und die Dokumentation nun anonymisiert online gestellt.

Im konkreten Beispiel gibt sich der Kollege zunächst noch vorsichtig („es wird schwer“), doch der Fondsmanager lässt nicht locker. Er erklärt, die Konkurrenz manipuliere gerade, weil sie höhere Libor-Sätze bräuchten und schon 25 Millionen Dollar verloren hätten. Der für den Libor zuständige Kollege beschließt mit: „Okay, dann schauen wir mal, dass wir ihnen noch etwas mehr wehtun können.“

„Schick mir direkt morgens eine Mail von Deinem Blackberry“
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Die Anklageschriften dokumentieren den Chatverkehr bei der Deutschen Bank, gesammelt von US-Behörden. In diesem Fall lässt derjenige, der für den Libor zuständig ist, einen Händler wissen, wie er am besten vorgeht, wenn der einen anderen Zinssatz benötigt. Morgens eine E-Mail vom verschlüsselten Blackberry senden und dann „ist die Chance hoch, dass ich auf ein anderes Niveau gehen kann“.

Die Aussichten für den Libor
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Der Libor-Wetterbericht. Der 1-Monats-Libor „sieht heute nach 57 aus“, schriebt ein Mitarbeiter im Sommer 2007 einem Kollegen. „Danke, du bist der ,Man'“, lautete die Antwort des Kollegen.

„Ladies first“
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Nicht jeder Händler bekam offenbar bei den Manipulationen seinen Willen – oder ihren. So fragte eine Händlerin, ob es möglich sei, den Euribor für einen Monat zu senken. „Schwierig“, antwortet der zuständige Kollege, ein Senior Manager hätte ihn lieber auf der höheren Seite. Die Händlerin entgegnet: „Oh nein!! Aber Ladies first, nicht wahr ;))?“ Der Kollege lässt nicht mit sich handeln: „Wer zuerst kommt, mahlt zuerst.“ Die Händlerin gibt allerdings erst auf, als der Kollege sagt: „Du unterschreibst nicht meine Bonusschecks, richtig?“

„Ich muss Dich um einen großen Gefallen bitten“
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Der Gesprächsauszug zwischen einem Londoner Fondsmanager und einem Frankfurter Regionalmanager ist dem englischen Kollegen merklich unangenehm. Er fragt nach einem großen Gefallen, druckst aber herum: „Es ist ein, äh... sehr, sehr, sehr großer Gefallen.“ Es geht letztlich darum, den Sechs-Monats-Libor nach oben zu treiben. Der Londoner Fondsmanager lässt sich das „high“, also hoch, mehrfach bestätigen. Und lässt letztlich auch nicht locker, als er hat, was er wollte.

„Ach komm schon! Wir brauchen immer höhere Libor !!!“
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Zinsmanipulation kann eine sehr kumpelhafte Geschichte sein. Ein Händler aus New York fragt einen für den Dollar zuständigen Kollegen, ob der Libor morgen höher sein werde? „Sollte nicht“, lautet die lapidare Antwort. „Ach komm schon! Wir brauchen immer höhere Libor !!!“ erwidert der Händler, nicht ohne eine „haha“ am Ende. Der Kollege sagt darauf, er tue sein bestes. Der Händler gibt daraufhin, nur „neugierig“ gewesen zu sein.

„Sieht aus, als würde es sich gewaltig bewegen“
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Ein Fondsmanager aus London bettelt einen Händler für Euro-Wertpapiere (Swaps) bei der Barclays-Bank um Hilfe an: „Du wirst mir helfen, versprochen???“ Der Kollege gibt sich gönnerhaft: „Ahaa, na klar, mein Freund, sieht aus, als würde es sich gewaltig bewegen“, antwortet er – und spricht vom Libor. Der Fondsmanager fragt noch einmal nach, ob ihm wirklich geholfen werden. Der Barclays-Händler bejaht das.

Vergleicht man den heutigen Stand der Aktie mit dem vor einen Jahr, haben die Papiere ganze drei Prozent verloren. Fazit: „So grandios ist das nicht, was die Deutsche Bank da angekündigt hat. Einige hatten sich noch drastischere Einschnitte erhofft, wie die Abspaltung des gesamten Privatkundengeschäfts“, sagte ein Händler.

Der Aufsichtsrat entschied sich für die „kleine“ Lösung – nur die Tochter Postbank wird verkauft. Zudem soll das verbleibende „blaue“ Filialnetz massiv ausgedünnt und die Investmentbank abgespeckt werden. Die Postbank-Aktien schossen um bis zu knapp 13 Prozent in die Höhe auf 36,51 Euro, den höchsten Stand seit mehr als vier Monaten.

Trotz einer zusätzlichen Belastung von 1,5 Milliarden Euro durch die unerwartet hohe Geldbuße wegen der Manipulation von Zinssätzen reichte es bei der Deutschen Bank im ersten Quartal zu einem Überschuss von 559 Millionen Euro. LBBW-Analyst Ingo Frommen, der die Ergebnisse als „sehr solide“ bezeichnete, rechnet allerdings damit, dass weiterhin Rechtsrisiken und nun auch Restrukturierungsaufwendungen die Zahlen verhageln dürften.

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2 Kommentare zu "Strategieschwenk enttäuscht: Deutsche-Bank-Aktie dritten Tag im Minus"

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  • Sehr geehrter Herr Sicking, vielen Dank für den Hinweis. Ist bereits geändert. Viele Grüße aus der Redaktion.

  • Freunde, wenn ihr vom Handelsblatt nicht zwischen der der Deutschen Bank und der Deutschen Bundesbank (Foto) unterscheiden könnt, wer dann...?.

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