Streit um Börsengang: „Facebook hätte besser etwas langsamer gemacht“

Streit um Börsengang
„Facebook hätte besser etwas langsamer gemacht“

Anleger klagen, Behörden ermitteln: Der Facebook-Börsengang ist längst eine Schlammschlacht. Rechts-Professor Peter J. Henning über das juristische Chaos, fragwürdige Gesetze – und wer am Ende zahlen könnte.

WashingtonNach dem vergurkten Facebook-Börsengang haben nun die Anwälte das Sagen. Im Namen von Anlegern werfen sie dem sozialen Netzwerk, den Alteigentümern und den Konsortialbanken um Morgan Stanley vor, bei den Börsenunterlagen geschlampt und wichtige Informationen zu den Geschäftsaussichten verschwiegen zu haben. Stattdessen hätten die Banken vor dem Börsengang ihre Gewinnprognosen gesenkt – dies aber nur ausgewählten Großkunden mitgeteilt. Alle anderen waren ahnungslos. Viele Investoren, die Geld verloren haben, fühlen sich nun abgezockt.

Während Morgan Stanley nach Medienberichten vom Donnerstagabend offenbar bereit ist, Anleger zu entschädigen, ermitteln neben den Zivilverfahren auch die US-Börsenaufsicht SEC und die Finanz-Aufsichtsbehörde Finra. Gleichzeitig steht der Technologiebörse Nasdaq eine Klage ins Haus, die wegen einer technischen Panne beim Börsenstart der Aktie viele Geschäfte nicht abwickeln konnte.  

Wer klagt hier nun gegen wen, und warum? Wie erfolgsversprechend sind die Klagen, und was könnte Facebook, den Banken und der Nasdaq am Ende drohen? Handelsblatt Online sprach mit Peter J. Henning, Professor für Wirtschaftsrecht an der Wayne-Universität in Detroit und Wirtschaftsblogger für die „New York Times“. 

Morgan Stanley und andere Konsortialbanken von Facebook sollen ausgewählte Großinvestoren vorab mit Exklusivinformationen versorgt und sie so vor finanziellem Schaden bewahrt haben – zum Nachteil der Kleinanleger. Finden Sie das in Ordnung?

Es ist beunruhigend, dass eine Firma sich herauspickt, wem sie ihre Analysen weiterreicht und wem nicht. Doch am Ende herrscht sie selbst über ihre Informationen und kann mit ihnen machen, was sie will. Zumindest bis zu einem gewissen Grad.

So argumentieren auch die beschuldigten Banken. Sie sagen, sie hätten keine Regeln verletzt, das sei nur Service für wichtige Kunden gewesen. Normale Geschäftspraxis?  

Analysten bei Konsortialbanken ist es verboten, sich bis 40 Tage nach dem Börsengang öffentlich zu dem betreffenden Unternehmen zu äußern. Die einzigen, die Informationen bekommen dürfen, sind also die Kunden der Bank. Das Institut versorgt dann jene großen Investoren, die am meisten Umsatz bringen, mit Wissen. Die einzige Grundlage, die ich nun für eine Klage gegen die Konsortialbanken sehe, ist, dass diese nicht vorschriftsmäßig mit den exklusiven Informationen umgegangen sind. Aber ich weiß nicht, ob das ein berechtigter Vorwurf ist, denn die Analysen gründeten ja auf den Angaben, die Facebook im öffentlichen Börsenprospekt selbst gemacht hatte.  

Nicht nur Zivilgerichte beschäftigen sich mit dem Börsengang. Auch SEC und Finra ermitteln. Was droht Facebook, den Banken und der Nasdaq von dort? 

Ich denke, die Finra wird sich auf die Banken um Morgan Stanley und die Nasdaq konzentrieren. Die SEC wird prüfen, ob Facebook vor dem Börsengang alles Relevante veröffentlicht hat, und ob die Banken gegen Gesetze verstoßen haben, die die Veröffentlichungen und den Umgang mit Kunden regeln. Ob es hier Verstöße gegeben hat, wird sich zeigen.

Seite 1:

„Facebook hätte besser etwas langsamer gemacht“

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%