Studie von Hamburger M.M. Warburg Bank
Deutsche Pharma-Werte trotzen den Reformplänen

Analysten erwarten nur geringe Auswirkungen der geplanten Änderungen im Gesundheitssystem auf die Erträge der Pillenproduzenten.

FRANKFURT/MAIN. Anteilseigner von Pharmatiteln können sich entspannen. Die für 2004 geplante Gesundheitsreform kann - in der aktuellen Form - ihren Aktien nichts anhaben. Zu dem Ergebnis kommt eine Studie der Hamburger M.M. Warburg Bank. Zwar werde die deutsche Pharmaindustrie durch die Einsparpläne in Höhe von 1 Mrd. Euro spürbar belastet, allerdings seien die Bewertungseffekte für die im Dax und MDax notierten Pharmaunternehmen vernachlässigbar gering.

Die Analysten vom Bankhaus Sal. Oppenheim kommen zum gleichen Ergebnis. „Selbst in den Szenarien mit den pessimistischsten Annahmen sehen wir maximal Gewinneinbußen vor Steuern und Zinsen (EBIT) von 2-5 % ab 2005“, erläutert Analyst Marcus Konstanti. Diese Größenordnung sei für keines der großen Unternehmen essenziell. „Aktionäre erwarten von ihren Vorständen, dass sie die Gewinne an anderer Stelle kompensieren und das werden die auch - zum Beispiel über Stellenabbau“, sagt Konstanti. Offenbar bewertet das auch die Börse so, denn Kursabschläge für deutsche Pharmawerte blieben nach Bekanntgabe der Reformpläne aus.

Für Unternehmen, die sich stark in der Forschung engagieren, könnte allerdings die Weiterentwicklung der Festbetragsregelung ab 2005 Nachteile bringen, erwartet Ulrich Huwald von M.M. Warburg. Für patentgeschützte Medikamente „ohne oder mit vergleichsweise geringfügigem zusätzlichem Nutzen“ – so genannte Scheininnovationen – sollen künftig Festpreise gelten. Nur sehr „zielsicheres Forschen“ rentiere sich dann noch, sagt Huwald. „Sofern die große Top-Innovation nicht zu erwarten ist, werden die Unternehmen ihre Forschungsaufwendungen stark einschränken,“ prognostiziert der Pharma-Analyst.

Negative Effekte von dieser Regelung erwartet Huwald für die Darmstädter Merck KGaA. Das Unternehmen, das sich sehr in der Diabetesforschung engagiert, werde es schwer haben, bei Innovationen in dem inzwischen gut erforschten Bereich besonderen Zusatznutzen nachzuweisen, um nicht unter die Festbetragsregelung zu fallen. Größeres Innovationspotential traut er Altana und in eingeschränktem Maße auch Schering zu. Konstanti sagt: „Den fairen Wert der Altana-Aktie sehen wir bei 57 Euro.“

Von dem Plan, nicht verschreibungspflichtige Medikamente künftig der Kaufkraft der Patienten zu überlassen, erwartet die Warburg- Bank kaum Auswirkungen auf die Kursentwicklung der Pharmawerte. Zum einen würden die betroffenen Arzneien bereits heute überwiegend auf Rechnung der Patienten gekauft. Zum anderen sei der Anteil, den die deutschen Pharmaunternehmen im Inland erwirtschaften, gering. Bei Bayer beispielsweise habe der Umsatz mit rezeptfrei verkäuflichen Medikamenten 2002 nicht einmal ein Prozent des Konzernumsatzes ausgemacht.

Profitieren könnten von der Gesundheitsreform langfristig Generika-Hersteller und Pharmagroßhändler, fasst Stefanie Philipp, Analystin bei HSBC Trinkaus & Burkhardt, die Ergebnisse einer Studie ihrer Bank zusammen. Für Generika-Hersteller, die Originalpräparate nach Ablauf des Patentschutzes günstiger nachproduzieren, würde sich die Konkurrenzsituation verbessern, wenn patentgeschützte Scheininnovationen unter die Festbetragsregelung fallen. Insbesondere der im MDax notierten Stada AG werden in diesem Segment gute Chancen eingeräumt. Der faire Wert deren Aktie liegt nach Einschätzung von Sal. Oppenheim bei 55 Euro.

Was die Pharmagroßhändler von der Gesundheitsreform konkret zu erwarten haben, lässt das Reformpapier noch offen. Thilo Kleibauer von Warburg bewertet die Aktie von Celesio „auch in schwierigem Umfeld“ als viel versprechend. „Insbesondere auf Grund des geringen Deutschland-Anteils von nur 18 % wird die insgesamt stabile Ergebnisentwicklung wohl gehalten werden können“, sagt Kleibauer.

Allerdings könne bis zur endgültige Ausgestaltung der Reform die verbleibende Unsicherheit die Kurse einzelner Aktien immer wieder kurzfristig belasten, sagt Warburg-Analyst Huwald. Sein Kollege Konstanti von Oppenheim fügt hinzu: „Letztlich kommt es bei der Auswirkung der neuen Regeln auch auf die Reaktion von Ärzten und Patienten an. Die lässt sich aber nur begrenzt im Vorhinein einschätzen.“

Quelle: Handelsblatt

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