Studien bewerten den Sender mit bis zu 3,5 Milliarden Euro – Hoffnung auf steigende Abonnentenzahlen
Banken sehen viel Potenzial für Premiere

Der Börsengang des Pay-TV-Senders Premiere könnte der IPO-Konjunktur in Deutschland Schwung geben. Analysten verschiedener Bankhäuser sprechen dem Unternehmen gute Wachstumschancen zu.

MÜNCHEN/FRANKFURT. Allerdings sind sich Analysten uneins, wie viel das Unternehmen wert ist. Die beiden Schweizer Großbanken UBS und Credit Suisse First Boston (CSFB) bewerten den Börsenkandidaten deutlich höher als die Münchener Hypo-Vereinsbank.

In einer aktuellen Studie geht die UBS davon aus, dass der Bezahlfernsehkanal einen Wert von 2,5 bis 3,5 Mrd. Euro hat. CSFB ist etwas vorsichtiger und hat eine Spanne von 2,5 bis 3,1 Mrd. Euro berechnet. Für die Hypo-Vereinsbank dagegen ist Premiere lediglich zwischen 2,2 und 2,6 Mrd. Euro wert. Die Schwankungen ergeben sich aus unterschiedlichen Annahmen über die künftige Unternehmensentwicklung, etwa der Zahl der Abonnenten oder dem Durchschnittsumsatz je Kunde.

Zurzeit mühen sich Premiere-Vorstand Georg Kofler und die Konsortialbanken, das Vertrauen der institutionellen Anleger zu gewinnen, berichten Finanzkreise. Details zum Börsengang sollen am Dienstag kommender Woche bekannt gegeben werden, die Erstnotiz der Aktie ist für den 9. März angestrebt. Für die deutsche Finanzszene ist der Börsengang eine wichtige Bewährungsprobe. Weil es die erste große Emission des Jahres 2005 ist, wollen die beteiligten Investmentbanken diese unbedingt erfolgreich abschließen, um in der Folge weitere Unternehmen aufs Parkett zu bringen.

Als Emissionsvolumen sind in Finanzkreisen 600 Mill. bis eine Mrd. Euro im Gespräch. In der derzeit laufenden Vorvermarktung der Aktie versuchen die Banker und das Management heraus zu finden, wie viel die Investoren bereit sind, für die Aktien zu zahlen. An zu hohen Preisforderungen scheiterte im vergangenen Jahr unter anderem der Börsengang des Münchener Waferherstellers Siltronic. Fest steht bereits, dass sowohl Mehrheitsgesellschafter Permira als auch Firmenchef Georg Kofler mit bedeutenden Anteilen an Premiere beteiligt bleiben. Dies werde für zusätzliches Vertrauen unter potenziellen Investoren sorgen, heißt es in Finanzkreisen.

Obwohl die Analysten uneins über den Wert von Premiere sind, stimmen sie doch überein, dass das Medienunternehmen große Wachstumschancen hat. „Premiere genießt fast ein Monopol im deutschen Pay-TV-Markt“, urteilt CSFB. Durch Kabelnetzbetreiber wie Kabel Deutschland sei keine ernsthafte Konkurrenz zu erwarten. Nach Angaben der Analysten hat Kabel Deutschland bislang nur knapp 70 000 Kunden für sein neues Bezahlfernsehen gewonnen; Premiere dagegen kommt auf rund 3,25 Mill. Abonnenten. Auch frei empfangbare Privatkanäle wie Pro Sieben Sat 1 prüfen momentan den Einstieg ins Pay-TV. Sie haben aber noch keine konkreten Pläne vorgelegt.

CSFB begleitet die Emission federführend mit der Hypo-Vereinsbank und Morgan Stanley. Alle drei Banken erwarten in den kommenden Jahren deutlich steigende Abonnentenzahlen und erheblich höhere Gewinne von Premiere. Der Durchschnittsumsatz je Kunde des Senders liegt mit 286 Euro im Jahr um mehr als 200 Euro unter den Einnahmen der Wettbewerber in Frankreich und Großbritannien. „Preiserhöhungen von Premiere sind durchaus drin“, urteilen die Analysten der UBS.

Die Experten weisen allerdings auch auf Risiken hin: Unklar sei zum Beispiel, wie stark die deutschen Fernseh- und Kabelgebühren potenzielle Abonnenten abschrecken würden, zusätzliches Geld fürs Fernsehen auszugeben. Ein Nachteil sei auch, dass die ARD ihre Sportschau am Samstag bereits um 18 Uhr ausstrahle. Weil das nur eine Dreiviertelstunde nach dem Ende der Live-Übertragung der Fußball-Bundesliga bei Premiere sei, würden womöglich viele Kunden davon abgehalten, den Kanal zu abonnieren.

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