Subprime-Krise
George Soros fürchtet weitere Zuspitzung der Krise

Der legendäre Investor George Soros hat Prognosen zurückgewiesen, nach denen sich die Kreditkrise im zweiten Halbjahr entspannen wird. Das Schlimmste sei noch nicht überstanden, und insbesondere die Folgen einer möglichen Rezession seien noch nicht absehbar, sagte er. Die Krise werde sich noch verschlimmern, erst danach sei eine Besserung möglich.

NEW YORK. Die Probleme an den Finanzmärkten seien teilweise auf mangelnde Aufsicht zurückzuführen, sagte Soros in einer Telekonferenz. Die Aufsichtsbehörden und die US-Regierung hätten in der Krise ihren Job nicht gemacht. „Das ist eine von Menschen verursachte Krise, die aus der irrtümlichen Annahme entstand, dass der Markt seine eigenen Exzesse korrigieren wird“, sagte der 77-jährige Milliardär. „Es wird noch sehr viel länger dauern, bis die gesamten Folgen der Abschwächung am Eigenheimmarkt zu spüren sind.“

Die Behörden hätten nicht die Verantwortung übernommen, eine zu starke Blasenbildung bei den Vermögenswerten zu verhindern, bemängelt der Investor, der einst gegen die Bank of England spekulierte. Die jüngst geschaffenen Märkte wie beispielsweise für Kreditausfallswaps seien „vollkommen unreguliert“. Da liege die Wurzel des Übels. Nach den Daten der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich in Basel ist in den sechs Monaten bis 30. Juni das Volumen der Kreditausfallswaps um 49 Prozent angewachsen. Mit diesen Kontrakten können sich Investoren gegen einen Zahlungsausfall schützen oder auf die Kreditqualität spekulieren.

Im Zuge der Kreditkrise haben seit Anfang 2007 mehr als 45 der weltgrößten Banken insgesamt 232 Mrd. Dollar an Abschreibungen und Kreditverlusten verbucht. Der Internationale Währungsfonds schätzt, dass die Gesamtverluste der Banken, Hedge-Fonds, Pensionsfonds, Versicherungen und staatlichen Vermögensverwaltungsfonds auf 945 Mrd. Dollar steigen könnten. „Ich denke, das ist eine recht genaue Schätzung der Kreditverluste“, so Soros. „Aber wir haben die gesamten Folgen einer möglichen Rezession noch nicht gesehen. Die Summe bezieht sich nur auf den Wertrückgang bei verschiedenen Finanzinstrumenten, die von Banken und anderen Instituten gehalten werden.“

Die Schätzungen des IWF würden keinesfalls mögliche Verschlechterungen bei der Qualität der von ihnen gehaltenen Kredite berücksichtigen. Das seien mögliche Verluste, die noch anstünden, so Soros. Die Krise werde daher länger dauern, als die offiziellen Stellen prognostizieren. „Sie behaupten, es werde im zweiten Halbjahr eine Erholung geben. Ich kann das nicht glauben“, sagte Soros. Quelle: Bloomberg

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