Technische Analyse
Dax: Seitwärtstrend könnte Wochen anhalten

Kurzfristig kaum veränderte Kurse erwarten technische Analysten am deutschen Aktienmarkt. Der Markt stecke in einer Seitwärtsbewegung, die noch bis zu vier Wochen anhalten könnte, sagte der technische Analyst Volker Bien von der Hypo-Vereinsbank am Dienstag.

HB FRANKFURT. Welche Richtung der Markt anschließend einschlage, sei offen, so Bien. Marcel Mußler von den Mußler-Briefen meint, der Markt sei in einer Keilbewegung. Das deute über den Tag hinaus auf fallende Kurse hin. Kurzfristig könnte der DAX aber in der Keilformation noch etwas zulegen, erwartet Mußler. Achim Matzke von Commerzbank Capital & Markets (CBCM) bleibt verhalten positiv und erwartet, dass sich der DAX über 6.000 Punkten einnistet.

Zwar gebe es keine neuen starken Kaufsignale bei Indizes oder Einzeltiteln, meint Matzke. Die Dynamik werde an den Märkten deshalb gering bleiben. Das gelte auch für den Dow Jones Index, der an neuen Allzeit-Hochs und damit an einem Kaufsignal arbeite, dessen Anstieg aber nur von relativ wenigen Titeln getragen werde. Der Markt habe mit dem jüngsten Anstieg die positiven Impulse der gesunkenen Zinsen und der fallenden Ölpreise sowie die Übernahmespekulationen eingearbeitet.

In Europa könnten sich Euro-Stoxx und DAX trotzdem weiter nach oben schaukeln, erwartet Matzke. Zwar sei die Marktbreite nicht besonders positiv, intakte und neue Trading-Kaufsignale bei Banken und Telekom-Titeln könnten den Euro-Stoxx aber über 4.000 Punkte treiben und den DAX Richtung Jahreshoch, so der Mitarbeiter der Commerzbank.

Zu einer vorsichtigen Haltung rät Matzke bei Öl- und Gaswerten, bei denen bestenfalls eine Seitwärtsbewegung zu erwarten sei. Für Bien spielen die Öl- und Gaswerte eine Schlüsselrolle für den weiteren Verlauf an den Märkten. Sollte der Stoxx-Branchenindex die Marke von 375 Punkten brechen, entstehe weiteres kräftiges Abwärtspotenzial. In den großen Indizes könnte ein Abschwung der Energie-Titel weitere Kursgewinne verhindern, so Bien. Die große Frage an den Märkten sei, ob der Dow einen großen Ausbruch auf neue Allzeit-Hochs schaffe und eine neue Hausse einleite, oder ob er in einer Doppel-Top-Formation nach unten drehe. Die Antwort darauf sei derzeit völlig offen.

Bei den Einzelwerten sähen Altria und Alcoa technisch schwach aus. Exxon, Home Depot, IBM und Intel seien in „kritischen“ Formationen, auch beim Nasdaq sei das Restpotenzial vermutlich auf 2.265 Punkte beschränkt und damit gering. Die Airliners machten ebenfalls einen überkauften Eindruck. In einer technisch guten Verfassung sieht Bien noch Coca Cola, Eastman Kodak, Caterpillar und GE. Unter dem Strich sei das „Restmomentum“ nach der jüngsten Defensiv-Rotation gering, so der Mitarbeiter der HypoVereinsbank.

Bien meint, dass sich Dow und DAX noch einige Wochen auf dem erreichten hohen Niveau halten könnten. Auch 1993/94 habe die Ausbildung des zweiten Tops im DAX im Mai 1994 wesentlich länger benötigt als der erste Gipfel zur Jahreswende. Zudem habe der DAX damals im zweiten Top selbst noch einmal eine kleine Top-Bildungsformation gebildet.

Ganz kurzfristig seien die Potenziale allerdings vermutlich bereits ausgeschöpft, meint Bien. So habe der S&P das Ziel der kurzfristigen Bodenformation bei 1.340 Punkten genau erreicht, ein Rückschlag auf 1.320 Punkte sei nun möglich. Der DAX habe bei 6.030 Punkten sein Potenzial zunächst ausgereizt. Anleger könnten nun abwarten, welche Richtung die Märkte nach der Seitwärtsbewegung einschlügen. Ein Indiz dafür könnte sein, ob der S&P die wichtige Unterstützung bei 1.265 nachhaltig verteidige.

Mußler bleibt mittelfristig „bullish“. Die Einzelwertbetrachtung der DAX- Werte deute nicht auf irgendwelche Trendwendeformationen hin. Der Aufwärtstrend im derzeit ausgebildeten Keil verlaufe aktuell bei 5.955 Punkten, die obere Keillinie bei 6.045 Punkten. Dabei steige die untere Gerade um täglich 15 und die obere um täglich acht Punkte. Die Entscheidung sei damit nahe, denn in etwa drei Wochen würde der Keil zusammengelaufen sein. Ein Fall aus dem Keil sollte den DAX auf die Keil-Basis zurückwerfen, und damit auf 5.740 bis 5.730 Punkte, so Mußler. Auf einen Rückschlag deute auch der VDAX hin. Dieser stehe vor einem Ausbruch nach oben. Steigende Volatilität habe in der Vergangenheit aber selten zu steigenden Aktienkursen geführt, so Mußler.

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