Technische Vorbereitungen abgeschlossen: Winterthur bereitet Börsengang vor

Technische Vorbereitungen abgeschlossen
Winterthur bereitet Börsengang vor

Die Winterthur-Versicherungsgruppe, eine Tochter der Schweizer Großbank Credit Suisse, macht sich fit für den Aktienmarkt. Die Sparte, die nach drastischer Kostensenkung wieder stattliche Gewinne erzielt, könnte noch im laufenden Jahr an die Börse gebracht werden. Die technischen Voraussetzungen, so Winterthur-Chef Leonhard Fischer zum Handelsblatt, seien bereits geschaffen.

HB WINTERTHUR. Gerüchte über einen Verkauf der Winterthur, die als DBV Winterthur in Deutschland aktiv ist, kursieren bereits seit Ende 2004. Den Gesamtwert seines Unternehmens veranschlagt er auf neun bis elf Mrd. Schweizer Franken (sechs bis 7,3 Mrd. Euro).

Die Credit Suisse zieht sich im Zuge ihrer Strategieänderung aufs Kerngeschäft zurück und konzentriert sich auf die eigene Marke. Das Versicherungsgeschäft betrachtet sie nur noch als Finanzbeteiligung. Die 131 Jahre alte Gruppe ist einer der führenden Schweizer Versicherungskonzerne mit 21,4 Mrd. Franken Beitragseinnahmen und bietet die volle Produktpalette für Privatkunden an. In der betrieblichen Altersversorgung ist sie nach eigenen Angaben Marktführer.

Die Zürcher Credit Suisse hatte den Traditionsversicherer aus dem benachbarten Winterthur 1997 übernommen. Die Integration gestaltete sich jedoch äußerst schwierig. Die anfänglich euphorischen Allfinanzbemühungen sind längst für beendet erklärt worden. Seit Ende 2004 kursieren immer wieder Verkaufsgerüchte. So soll der Versicherer zunächst branchenintern als Verkaufsobjekt herumgereicht worden sein. Die Konkurrenz winkte jedoch angesichts der Preisvorstellungen der Schweizer ab.

Heute stehe die Gruppe wieder sehr gut da, meint Fischer: „Wir melden uns nach einer Krankheit kerngesund zurück.“ Die Kapitalmarktkrise in den Jahren 2002 und 2003 hatte ihr zuvor hart zugesetzt. Die Winterthur hat in dieser Zeit nicht zuletzt über Stellenabbau Kosten gespart. 2004 wurden nochmal rund 1 000 Stellen gestrichen, so dass der Konzern inzwischen mit 19 000 Beschäftigen auskommt. Außerdem hat sich der Versicherer von zahlreichen Auslandsgesellschaften getrennt wie in Italien, Großbritannien und Kanada. Für 2005 dürften die Analysten mit einem geschätzten Gewinn von 950 Mill. Franken eher am unteren Ende des Möglichen liegen.

Fischer, der früher im Investment-Banking gearbeitet hat, ist „ein großer Anhänger des Lebensversicherungsgeschäfts“ geworden. Allerdings neige die Politik in diesem Bereich zu übertriebenem Verbraucherschutz, kritisiert er. „Wir wehren uns gegen politisch gewollte Renditen“, sagt er. Das Produkt sei wie kein anderes zur Absicherung der Grundbedürfnisse bei der Altersvorsorge geeignet– gerade wegen seiner Garantien, schwärmt er. Wegen der ständig wechselnden Rahmenbedingungen ist der deutsche Markt für die Schweizer jedoch nicht einfach. Die DBV-Winterthur habe sich aber gut entwickelt. Die deutsche Tochter gehört den Schweizern zu 71,7 Prozent.

Der SPI-Branchenindex für die Schweizer Versicherer legte im vergangenen Jahr um 39 Prozent zu und übertraf damit den Gesamtmarkt um drei Prozentpunkte. Während Bankanalysten einen Börsengang begrüßen, weil die Konzernstruktur der Credit Suisse dann klarer fokussiert wäre, bewerten die Ratingagenturen ihn skeptisch. Moody’s etwa senkte den Ausblick auf „negativ“, weil mit einem möglichen Börsengang die Unterstützung der Winterthur durch ihre Konzernmutter wegfiele.

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