Teilprivatisierung
Börse Warschau legt zum Start gewaltig zu

Für die polnische Regierung wird der erste Handelstag an der teilprivatisierten Warschauer Börse zu einem großen Erfolg. Die Warschauer Börse und Polen gelten in Finanzkreisen als große Zukunftshoffnung. Denn in Polen herrscht konjunktureller Optimismus.
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WIEN. Die neu gehandelte Aktie der Warschauer Börse wird zu einem echten Renner. Das Papier des bislang staatlichen Unternehmens legte gestern im Aktienhandel in der polnischen Hauptstadt bis zum Nachmittag um mehr als 22 Prozent zu. Durch den Börsengang werde die Warschauer Börse zu einem "immer wichtigeren Finanzzentrum in der Region", freute sich Polens Ministerpräsident Donald Tusk über den Erfolg am ersten Handelstag. Insbesondere die Wiener Börse wird mit Argwohn nach Warschau geblickt haben. Bisher beanspruchen die Österreicher den Titel als wichtigster Börsenplatz in Mittel- und Osteuropa. Die Polen sind auf dem besten Weg, der Wiener Konkurrenz den Rang abzulaufen.

Die polnische Regierung hat sich von 64 Prozent der Börsen-Aktien getrennt. Der Verkauf der Papiere bescherte dem Finanzminister eine zusätzliche Einnahme von umgerechnet etwa 300 Mio. Euro. Ein Drittel der Aktien, die der Staat verkauft hat, ist an Kleinanleger gegangen. Institutionelle Anleger aus dem In- und Ausland haben den Rest übernommen. Die Nachfrage war extrem hoch: Das vom polnischen Staat angebotene Aktienpaket war 25-fach überzeichnet.

"Der hohe Aufschlag am ersten Handelstag ist deshalb alles andere als eine Überraschung", sagte der Warschauer Credit-Suisse-Aktienhändler Tomasz Karsznia. Die Warschauer Börse und Polen gelten in Finanzkreisen als große Zukunftshoffnung. Denn während viele andere Länder in Osteuropa das zweite Rezessionsjahr in Folge durchmachen, herrscht in Polen ungebrochener Konjunkturoptimismus. Sogar im Krisenjahr 2009 war die polnische Volkswirtschaft als große Ausnahme unter den Industrieländern gewachsen.

Mit ihrem Privatisierungkurs feuert die polnische Regierung das Interesse an der Warschauer Börse zusätzlich an. Ministerpräsident Tusk hat für viele Staatsunternehmen einen baldigen Börsengang durchgesetzt. Vor allem Versicherer und Energiekonzerne werden künftig auf dem Kurszettel stehen. Gerade ausländische Investoren interessieren sich deshalb für Warschau.

Als größtes osteuropäisches Land in der EU hat Polen den Anspruch, sich zu einem führenden Handelsplatz zu entwickeln. "Warschau baut die Brücke zwischen globalen Investoren und osteuropäischen Unternehmen", sagt Ludwik Sobolewski, Vorstandschef der Warschauer Börse. Die Börse Wien hatte sich um den Einstieg in Warschau bemüht, um weiter an ihrem Ost-Imperium zu bauen. Zur Wiener Börse gehören bereits die Handelsplätze in Prag, Budapest und Ljubljana. Die Polen haben den Verkauf jedoch bewusst abgelehnt und sich für den Börsengang entschieden, weil sie ihre Eigenständigkeit nicht verlieren wollten. Auch die Deutsche Börse hatte sich vergeblich um Warschau bemüht.

Stefan Menzel ist beim Handelsblatt der Spezialist für die Automobilbranche.
Stefan Menzel
Handelsblatt / Korrespondent Automobilindustrie

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