Telefonica
Ein Riese kommt in Bewegung

Im vergangenen Jahr gehörte der größte spanische Telekommunikationskonzern, Telefónica, zu den wenigen Verlierern an der boomenden Börse. Jetzt schöpfen die Analysten langsam wieder Hoffnung für die Aktie. So hält der spanische Broker Ahorro Corperación den Titel für unterbewertet und prognostiziert für dieses Jahr einen Kurs um die 15 Euro. Das entspricht einem Potenzial von rund 20 Prozent.

HB MADRID. Branchenexperten loben vor allem den gerade abgeschlossenen Kauf des britischen Mobilfunkanbieters O2, der den Spaniern mit einem Schlag 25 Millionen neue Mobilfunkkunden in Europa bringt. Insgesamt kommt der Konzern nun auf 173 Millionen Kunden, rund hundert Millionen davon telefonieren mobil.

Damit hat Telefónica seinen Konkurrenten Vodafone knapp überholt und liegt auf Platz drei im weltweiten Ranking der Telekomriesen. David Jiménez vom Madrider Broker Renta 4 weist darauf hin, dass Telefónica schon vor dem Kauf von O2 auf einen Börsenwert von rund 68 Mrd. Euro gekommen sei. Das sei weit mehr als die Deutsche Telekom derzeit bieten könne, die gegenwärtig eine Marktkapitalisierung von rund 57 Mrd. Euro hat.

Zwar hat die Gesellschaft einen Ruf, dass sie sich als dominierende Anbieterin hohe Preise und suboptimalen Service leisten kann, doch ist das aus Anlegersicht eher positiv zu sehen. „Telefónica hat einfach Glück, dass wir nicht so wechselfreudig sind wie andere Nationen und dass die Wettbewerber und auch die Regulierungsbehörde gegen ihre geschickten Hürden nicht ankommen“, sagt Ricardo Pérez, Telekomexperte an der Madrider Wirtschaftshochschule Instituto de Empresa. Telefónica kontert selbstbewusst: „Die Preise sind so hoch, weil die Regulierungsbehörde es uns nicht erlaubt, sie zu senken, und wir sind einfach besser als unsere Wettbewerber.“ Zehn Jahre nach der Privatisierung des Konzerns hat das Unternehmen immer noch 75 Prozent Marktanteil in Spanien.

Auch in Lateinamerika kann der Konzern sehr auskömmliche Preise verlangen – und ist dort gleichwohl auf fast allen Märkten führend. „Das Unternehmen ist einfach strategisch immer sehr stark gewesen; dass sie einen schlechten Service haben, schadet ihnen nicht“, sagt Erwin van Lümich von der Ratingagentur Fitch. Geschickt hat sich Telefónica in Lateinamerika an Privatisierungen beteiligt und sich so in unreifen Märkten ohne großen finanziellen Aufwand schnell eine dominierende Stellung aufgebaut. Unter anderem mit der Gründung des Mobilfunk-Joint-Ventures Vivo mit der Portugal Telecom in Brasilien hat der Konzern in Lateinamerika in den vergangenen Jahren einen enormen Sprung gemacht. Die Region trägt inzwischen 50 Prozent zum Gesamtumsatz bei.

„Aber es fehlte immer der Anschluss nach Europa, den andere wie Deutsche Telekom oder France Télécom hatten“, sagt Pérez. Im Sommer 2005 versuchte Firmenpräsident César Alierta zum zweiten Mal vergeblich, die niederländische KPN zu übernehmen. Jetzt triumphiert der 61-Jährige in Großbritannien. „Die Übernahme ging glatt über die Bühne, und O2 ist bereits in einem guten Zustand“, sagt Enrico Colet, Telekomexperte an der spanischen Wirtschaftshochschule Esade in Barcelona.

Das alles hätte der Aktie eigentlich ordentlich Aufwind geben sollen. Aber sie kommt nicht recht voran. Vielleicht liegt dies an der traurigen Kursentwicklung der Mobilfunktochter Telefónica Móviles (TEM). Im vergangenen Jahr fiel deren Kurs von zehn auf neun Euro. Noch immer ist der Ausgabekurs von zwölf Euro nicht erreicht. Daher erwarten viele Branchenexperten, dass Alierta irgendwann alle Geschäftsbereiche wieder unter einem Dach vereinen wird. Den Internetdienstleister Terra Networks hat er bereits im vergangenen Jahr wieder unter seine Fittiche genommen. Telekomexperte Colet meint, auch der Name sei hinderlich: „Telefónica Móviles hört sich zu spanisch an, das ist für den internationalen Markt nicht geeignet.“ Bis ein universellerer gefunden sei, rät er, auf die bereits in Europa renommierte Marke O2 zu setzen.

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