Telefonica-Tochter
Privatanleger winken bei Endemol-Börsengang ab

Der niederländische „Big Brother“-Produzent Endemol hat bei seinem Börsendebüt die harte Realität des Marktes erlebt: Angesichts des offenbar niedrigen Interesses der Anleger lag der Ausgabepreis der Aktie lediglich am unteren Ende der Erwartungen des Unternehmens.

HB AMSTERDAM. Mit neun Euro je Aktie wurde Endemol mit 1,1 Milliarden Euro bewertet. Damit lag der TV-Konzern deutlich unter den 5,5 Milliarden Euro, die die spanische Muttergesellschaft Telefonica vor fünf Jahren für Endemol bezahlt hatte, aber über seinem Buchwert von rund 840 Millionen Euro. Zwar zog der Kurs bis zum Nachmittag um rund drei Prozent auf 9,28 Euro an, doch bewerteten Analysten das Interesse der Anleger insgesamt als zurückhaltend.

Telefonica hatte vor dem Börsengang seiner Tochter 22,3 Prozent der Endemol-Aktien an institutionelle Anleger abgestoßen. Das sind 27,9 Millionen der 125 Millionen Endemol-Aktien. Noch Anfang des Monats hatte Endemol erklärt, einen Ausgabepreis zwischen 8,8 und 12,8 Euro anzustreben. Die Erstnotiz lag am Dienstag bei 9,50 Euro. Einem Analysten in Madrid zufolge hatten die Anleger aber offenbar kein besonders großes Interesse an Papieren. Telefonica habe den kleinsten Anteil zu praktisch dem geringsten Preis verkauft, sagte er. Telefonica-Titel lagen mit 0,3 Prozent im Minus bei 12,36 Euro.

Bosco Ojeda von der Investmentbank UBS schränkte allerdings ein, dass der geringere Ausgabepreis kaum Auswirkungen für Telefonica habe. „Es sind zwar keine guten Neuigkeiten, aber der Unterschied zwischen dem oberen und dem unteren Ende der Erwartungen ist für Telefonica vernachlässigbar.“ Telefonica will auch nach dem Börsengang die indirekte Kontrolle über die TV-Gesellschaft behalten, die neben der Reality-Show „Big Brother“ unter anderem auch die Quiz-Sendung „Wer wird Millionär?“ produziert.

Analyst Hans Slob von Rabo Securites sagte, die Anleger seien so zurückhaltend, weil die Endemol-Gründer John de Mol und Joop van den Ende nicht mehr zu dem Unternehmen gehörten.

„Endemol war nicht sehr offen gegenüber den Investoren und es gab viele Wechsel in der Führungsetage sowie negative Schlagzeilen in der Presse“, sagte Slob. „Die Investoren fragen sich, ob das derzeitige Management in der Lage ist, ebenso kreativ zu sein.“

Analysten hatten vor dem Börsengang bemängelt, dass Endemol sein Frankreich-Geschäft wegen Abfindungsstreitigkeiten von dem Börsengang ausgeklammert hat. Damit könne sich der vollständige Wert des Unternehmens an der Börse nicht widerspiegeln. Slob zufolge macht der Ausgabepreis von insgesamt 1,1 Milliarden Euro nur etwa das siebenfache des Gewinns des nächsten Jahres aus.

Damit bleibe Endemol unter dem Durchschnitt der Branche, der bei dem zehneinhalbfachen liege. „Das ist ein großer Abschlag“, sagte Slob. Mit dem Ausklammern der Frankreich-Sparte sei Endemol zudem verstärkt zu einem Übernahmekandidaten geworden.

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