Teure Papiere in Mode
Zahl der Prestige-Aktien nimmt zu

Lange Zeit hatten US-Unternehmen Angst vor Aktienpreisen über 100 Dollar. Der optische Eindruck lasse die Aktie teuer wirken. Doch nun zeichnet sich eine Wende ab. Zum Nachteil der Privatanleger.
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New York/FrankfurtDie Aktienmärkte in den USA bewegen sich derzeit nach einer breit aufgestellten Rally auf Rekordniveau. In den Chefetagen der immer höher bewerteten Unternehmen kommt zugleich der Aktiensplit aus der Mode. Die Zahl der Titel mit einem Nominalwert von mehr als 100 Dollar hat entsprechend den höchsten Stand aller Zeiten erreicht. Nach Expertenmeinung spricht dieser Trend für die gewachsene Bedeutung von institutionellen Investoren zu Lasten privater Anleger.

Mittlerweile sind 64 der 500 Aktien aus dem breiten Standardwerteindex S&P 500 mehr als 100 Dollar wert, das entspricht laut Bloomberg-Daten dem zweifachen Niveau von 2010. So haben im laufenden Jahr etwa Boeing und Amgen mit ihren Gewinnen jenseits von 20 Prozent die 100-Dollar-Marke hinter sich gelassen. Nur neun Unternehmen haben seit Anfang Januar einen Aktiensplit vorgenommen - was erheblich unter dem langjährigen Mittelwert von jährlich 42 Aktiensplits seit 1996 liegt. Auch der durchschnittliche Aktienkurs im Index lag im letzten Quartal mit 65,96 Dollar so hoch wie nie.

Seit Beginn der Erholung nimmt der Druck auf die Unternehmen ab, ihre Aktien optisch günstiger zu machen. Gemeinhin gilt eine solche Maßnahme als Vertrauensbeweis in die künftige Wachstumskraft der Unternehmen. Aber es gibt auch andere Meinungen: So bezweifeln Manager aus dem Hause Apple den Nutzen für die Aktionäre und haben seit Einsetzen der Erholung auf einen Aktiensplit verzichtet. Der letzte Aktiensplit von Apple war im Jahre 2005. Die Aktie steht mittlerweile bei knapp 500 Dollar.

„Für die Investorenbasis verlieren Privatanleger an Bedeutung, und damit gibt es weniger Gründe für einen Aktiensplit”, sagt Finanzmarktprofessor Ravi Dhar von der Managementfakultät der Universität Yale. Es gehe vielen Firmen mittlerweile darum, zu viele Kleinanleger oder gar unbeliebte Daytrader zu vermeiden. Daher werde der Preis tendenziell hoch gehalten. In den vergangenen Jahrzehnten sollte durch die optische Verbilligung von Aktien insbesondere dem Kleinanleger ein Aktienkauf erleichtert werden.

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Apple: „Aktiensplits bringen gar nichts“

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  • Sorry. Diesmal habe ich mit dem Verstand eines <8jährigen gelesen. Der Titel von HB ist korrekt: "Zahl der Prestige-Aktien nimmt zu". Sorry für meine sachlich falsche Einlassung.

  • Wer nicht versteht, dass der Preis einer Aktie nichts darüber aussagt, ob sie teuer ist oder nicht, sollte die Finger von der Materie lassen. Und wer bitte investiert weniger als ein paar hundert Dollar in ein Unternehmen? Das lohnt doch schon von den Transaktionskosten gar nicht. Von daher brauchs auch keine Splits, außer vielleicht bei den Extremfällen, damit man besser die gewünschte Geldmenge investieren kann und nicht immer in riesen Sprüngen wie bei Google, aber ob eine Aktie in 200ern oder 30ern gestückelt wird, ist doch völlig egal.

  • "..kommt zugleich der Aktiensplit aus der Mode. Die Zahl der Titel mit einem Nominalwert von mehr als 100 Dollar hat entsprechend den höchsten Stand aller Zeiten erreicht"

    Der Redakteur dieses Wirtschaftsblattes hat wohl Probleme mit den Grundrechenarten, so wie sie bereits von ca. 8 Jährigen beherrscht wird.

    Nach einem Aktiensplit nimmt die Zahl der Aktien zu, das ist klar. Aber wieso die Aktienzahl ohne Split zunehmen soll bleibt im Dunkeln. In gutem deutsch müsste man schreiben, dass die Beliebtheit hochwertiger Einzel-Aktien zunimmt, und deshalb Aktiensplitting eher vermieden werden sollte.
    mfG PisaPisa

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