Texas Instruments
Texanisches Geduldsspiel

Der Chiphersteller Texas Instruments bietet auf lange Sicht Potenzial, sagen Aktienanalysten. Der Konzern erwartet einen Gewinn von 22 Cent pro Aktie - damit würde das Unternehmen eine frühere Prognose übertreffen. Seit Mitte Mai hat die Aktie um mehr als 20 Prozent zugelegt. Kurzfristig sehen Experten jedoch keinen großen Aufschwung.

STUTTGART. Die Halbleiterbranche zählte in den vergangenen Monaten zu den Verlierern - wenig erstaunlich also, dass der Markt die verbesserte Gewinnprognose von Texas Instruments (TI) vor einigen Tagen mit Euphorie aufnahm. Der Konzern erwartet, dass er im zweiten Quartal 2009 nun 22 Cent pro Aktie verdienen wird. Bislang war das Unternehmen, das zu den größten Computerchip-Hersteller der Welt gehört, von 15 Cent pro Aktie ausgegangen. Auch der Umsatz soll mindestens im oberen Bereich der bisherigen Prognose liegen oder sogar darüber.

Seit Mitte Mai hat die Aktie um mehr als 20 Prozent hinzugewonnen - doch Analysten warnen davor, auf einen Umschwung der angeschlagenen Branche zu hoffen. Sie raten nur langfristig orientierten Anlegern zum Kauf von Texas Instruments: "In den kommenden zwölf Monaten ist das Aufwärtspotenzial begrenzt", sagt Ross Seymore von der Deutschen Bank in San Francisco. "Niemand weiß, wann sich das Umfeld erholen wird, und auch der Markt für schnurlose Telefone könnte weiter nachlassen. Das wäre bitter für Texas Instruments, denn dieser Markt liefert ein Viertel des Umsatzes." Andere Experten schätzen, dass sich die Aussichten für die Texaner erst in zwei bis vier Jahren wieder stabilisiert haben. Um die Abläufe zu optimieren, hat Texas Instruments die Produktion für diesen Sektor zurückgefahren.

Stattdessen konzentriert sich das Unternehmen auf Elektrochips für hochpreisige Handys, die mehr Wachstum versprechen. Der größte Kunde der Texaner auf diesem Gebiet ist der finnische Weltmarktführer Nokia. Außerdem liefert Texas Instruments auch die Chips für den soeben erschienenen Handy-Taschencomputer Pre von der Firma Palm.

Immerhin 14 von 36 Banken empfehlen die Aktie von Texas Instruments zum Kauf. 16 weitere Analysten vergeben die Bewertung "halten". "Der Aktienpreis ist vernünftig, und Texas Instruments besitzt eine sehr solide Bilanz sowie einen gesunden Bargeldvorrat von 2,4 Mrd. Dollar ohne Schulden", lobt Analyst John Pitzer von Credit Suisse.

Außerdem seien die Lagerbestände bei den Telekomzulieferern fast leergeräumt, nachdem sie über einige Quartale hinweg nur reduzierte Bestellungen aufgegeben haben, sagt Ross Seymore. Die Marktforschungsfirma Gartner schätzt außerdem, dass der Halbleitermarkt wieder auf dem Weg nach oben ist. "Dieser Trend hält bereits seit Ende Februar an", sagt Adam Benjamin vom Bankhaus Jefferies & Co.

Auch Analyst Rick Whittington vom Wirtschaftsmagazin "Forbes" erwartet, dass die Erholung am Markt gerade erst angefangen hat. "Nicht nur bei Handychips sehen wir eine Verbesserung, sondern auch bei den universell einsetzbaren Analog-Chips. Ein solcher Wendepunkt leitet normalerweise eine Erholung ein, die zwei bis drei, manchmal sogar fünf bis sechs Quartale lang anhält."

Andere Experten sehen das ähnlich. "Vielleicht ist es jetzt für die Skeptiker an der Zeit, an einen Aufschwung zu glauben", schreibt auch Anders Bylund vom Online-Finanzdienst Motley Fool. "Nach Gartners Berechnungen sollte der Markt im kommenden Jahr mindestens 20 Prozent aufholen. Bis zu einer vollständigen Erholung mag es ein paar Jahre dauern, aber der Anfang ist gemacht. Und wer das voll auskosten will, für den ist jetzt eine gute Zeit zu investieren."

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