Textilhandel
Inditex überzeugt Anleger

Der zweitgrößte Textilhersteller der Welt, der spanische Konzern Inditex, macht vieles anders als die Konkurrenz. Er produziert einen Großteil seiner Waren in der Heimat und macht keine Werbung. Lange Zeit hat die Strategie der Börse nicht gefallen. Jetzt halten Analysten die Aktie wegen des stabilen Wachstumspotenzials für attraktiv.

Seit April vergangenen Jahres zieht der Kurs der Inditex-Aktie an, gewann von 20 auf 38 Euro. Tendenz steigend. JPMorgan rät seit Kurzem zum Kauf. „Wir glauben, dass der für Inditex wichtige spanische Markt, wo sie immer noch einen Löwenanteil ihres Umsatzes machen, weiter gute Resultate bringen und der Konsumwunsch der Spanier sich nicht abschwächen wird“, heißt es dort.

Auch die Zahlen stimmen bei Inditex, deren erfolgreichste Marke die Ladenkette Zara ist. Die Spanier wiesen einen Halbjahresumsatz von knapp 3,5 Mrd. Euro aus, ein Viertel mehr als noch vor einem Jahr. Der Gewinn stieg im gleichen Zeitraum um 20 Prozent auf 295 Mill. Euro. Nach Ansicht der Analysten von JPMorgan könne sich der italienische Markt, wo Inditex seit kurzem präsent ist, genauso gut entwickeln wie der spanische. Das in Galizien angesiedelte Unternehmen hat das modebewusste Land auf seine Prioritätenlisten gestellt und will dort in naher Zukunft mit allen acht Formaten erfolgreich sein.

Vor drei Jahren galt die Inditex-Aktie noch als langweilig und teuer; jetzt werden ihr große Wachstumschancen nachgesagt. In den vergangenen zwölf Monaten hat die Aktie ihren Wert um 60 Prozent gesteigert. Großen Anteil daran hat der neue Chef: Pablo Isla, 42 Jahre jung, bringt neue Ideen in das Unternehmen ein. Der ehemalige Banker hat angekündigt, bis 2011 fünf Mrd. Euro in weitere Shops weltweit zu investieren. Inditex ist mit 3 000 Läden bereits fast so groß wie die weltweite Nummer 1, der US-Textilhersteller Gap.

Ein Grund, warum der Kurs weiter anzieht. Isla sieht aber noch einen anderen: „Die Analysten und Investoren glauben nach anfänglichen Ressentiments immer mehr an unser Geschäftsmodell.“ Und das ist eigenwillig. Inditex produziert immer noch 40 Prozent der Ware in Eigenregie und organisiert die gesamte Logistik von Spanien aus. Das Unternehmen verkauft fast ausschließlich in eigenen Läden und macht keine Werbung. Zudem hat Inditex – anders als die größten Konkurrenten H&M und Gap – insgesamt acht Ladenformate.

Die Analysten waren ob der Multi-Marken-Strategie lange Zeit skeptisch, weil Zara immer noch mehr als 60 Prozent des Umsatzes bringt und der Rest nur langsam wächst. Nach Meinung der Analysten von JPMorgan werden in Spanien jedoch zukünftig besonders die kleineren Marken von Inditex wachsen; auf den internationalen Märkten hingegen werde Zara die Führungsrolle behalten.

Das Familienunternehmen hat lange gezögert, an die Börse zu gehen. Jetzt sieht der Gründer Amancio Ortega, der immer noch 59 Prozent an Inditex hält, wie sich sein Vermögen fast täglich vermehrt. Dennoch lasse sich das Unternehmen nicht hetzen und orientiere sich weiter an nur wenigen Kennzahlen. Der Rohertrag sei die wichtigste, sagt Isla. „Und der wächst seit Jahren um die 16 Prozent“. Eigenkapitalrendite oder Kosten-Ertragsverhältnis finden ebenso wenig Beachtung wie der Verkauf pro Quadratmeter Ladenfläche.

Bisher wurde im Branchenvergleich die geringere Rentabilität von Inditex als Schwachpunkt ausgelegt. H & M macht weniger Umsatz, aber deutlich mehr Gewinn, was auch an den niedrigeren Produktionskosten liegt. Adolf Vilanova von der spanischen Managementschule Esade glaubt deswegen, dass das jetzige Geschäftsmodell nicht mehr lange aufrechterhalten werden kann: „Die Kosten wachsen stärker als der Umsatz.“ Aber er sei nicht sicher, ob Ortega Änderungen zulassen werde.

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